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Ausgezeichnet mit dem Brandenburger Naturschutzpreis : Streichelzoo und Zuchtbetrieb

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Das Wildgehege Gut Hirschaue im Landkreis Oder-Spree ist ein Vorzeigeunternehmen für ökologischen Landbau. Der 195 Hektar große Zuchtbetrieb hat PLatz für Damhirsche, Rotwildtiere, Mufflons und Schweine.

Beeskow | Die holprige Safari im Kremserwagen hat fast etwas Romantisches. Der kalte Wind weht über die Beeskower Platte, während sich die Hände am Becher mit heißem Glühwein wärmen. Nicht weit entfernt grasen ungestört Hirsche im Dämmerlicht, eine Horde Schweine wühlt sich genüsslich durch den Acker, und aus gebührendem Abstand beobachten Mufflons die Szenerie.

Doch die Beschaulichkeit der Fahrt durch das Wildgehege Gut Hirschaue im Landkreis Oder-Spree findet ein Ende, als Geschäftsführer Henrik Staar Zahlen nennt: Bis zu 450 Damhirsche, 50 Rotwildtiere, 20 Mufflons und 200 Schweine werden pro Jahr geschossen. Jetzt, im Spätherbst und in der Weihnachtszeit, ist Hochsaison. "Jede Woche knallt es", sagt Staar. So grausam das klingen mag - Gut Hirschaue ist ein Vorzeigeunternehmen für ökologischen Landbau, ausgezeichnet mit dem Brandenburger Naturschutzpreis.

Seit 1992 hat sich ein 195 Hektar großer Zuchtbetrieb entwickelt - unter freiem Himmel, auf natürlichen Gras- und Weideflächen. "Es gibt eine hohe Nachfrage nach Wildfleisch und Wildwurstspezialitäten, die aus natürlichen Beständen nicht einmal zur Hälfte gedeckt wird", begründet Agrarökonom Staar die Idee, Dam- und Rotwild zu züchten. "Und die Marktlücke füllen wir mit einem hochwertigen Angebot."

Besucher des Gutes Hirschau bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Streichelzoo und Zuchtbetrieb, zwischen Öko und Konsum. Der Hirsch, der dem Tierfreund gerade Kastanien aus der Hand gefressen hat, baumelt womöglich kurze Zeit später enthäutet im betriebseigenen Schlachthof, wo die Bio-Fleischer durch Blutlachen waten. Die Tatsache, dass die Tiere hier wesentlich länger leben, weil sie durch Bewegungsfreiheit langsamer wachsen als in einer Mastanlage, dient letztlich der Erkenntnis, dass sich dadurch ein hervorragender Fleischgeschmack entwickelt. Seit der Familienbetrieb vor 20 Jahren begann, auf 60 Hektar Ökolandbau zu betreiben und Wildfleisch zu erzeugen, hat sich ein Bestand von 1000 Dam- und Rotwildtieren, Mufflons und Schweinen entwickelt. "Wir haben nur so viele Tiere, wie im natürlichen Umfeld Nahrung finden", sagt Staar, der gemeinsam mit seinem Bruder das Unternehmen führt. Insgesamt werden auf Gut Hirschaue 570 Hektar bewirtschaftet. Auf Dünge- und Pflanzenschutzmittel wird verzichtet. Um auf den sandigen, leichten Böden der Mark optimale Erträge zu erzielen, wurde eine spezielle Fruchtfolge ausgetüftelt. Die Flächen, auf denen in einem bestimmten Jahresrhythmus Gräser, Luzerne, Mais, Roggen, Hafer oder Hirse wachsen, werden nach der Beweidung auf natürliche Weise umgebrochen. "Durch unsere Schweine", erläutert Staar. "In einem Jahr drehen die alles um", lobt er den tierischen Arbeitseifer.

Gut 250 märkische Sattelschweine wühlen sich durchs Gehege. Die Kreuzung aus Wildschwein und dem vom Aussterben bedrohten Deutschen Sattelschwein ist in dem Ökoland-Betrieb zu einer respektablen Population gewachsen. "Wir sorgen für den Erhalt der Rasse", sagt Landwirt Staar. Dass auch Schweine frieren und ihnen der kalte Wind um den Rüssel weht, "ist doch natürlich", sagt Staar. Schließlich sei das Ökolandbau.

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erstellt am 08.Dez.2011 | 09:54 Uhr

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