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Straßennamen aus DDR-Zeiten polarisieren

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erstellt am 11.Dez.2011 | 07:31 Uhr

Potsdam | In Brandenburger Städten gibt es noch zahlreiche Straßennamen, die nicht jeder Anwohner akzeptabel findet. Ob Ernst Thälmann-Platz, Wilhelm Pieck-Weg (früherer DDR-Präsident) oder Dr.-Kurt-Fischer-Straße (KPD-Funktionär) - die Liste ist lang. Nach Angaben des Potsdamer Innenministeriums gibt es keine landesweite Statistik zu Häufigkeit von Straßennamen. "Deren Vergabe fällt ausschließlich in den Bereich der kommunalen Selbstverwaltung", so Ministeriumssprecher Ingo Decker.

Eine genaue Auflistung der seit der Wende 1990 umbenannten Straßen gibt es auch in der Landeshauptstadt Potsdam nicht. Wenn ein Name eindeutig schwer belastet gewesen war, sei er zumeist schnell getilgt worden, sagt der Geschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Brandenburg, Karl-Ludwig Böttcher. Für ihn ist klar: "Das Thema ist weitgehend durch."

Dem widerspricht der Historiker Klaus Schroeder von der Freien Universität (FU) Berlin. "Der Umgang mit umstrittenen Straßennamen ist symptomatisch für den mangelnden Willen zur Vergangenheitsbewältigung in Brandenburg", meint er. Als DDR-Experte ist er in der Landtags-Enquete-Kommission zur Aufarbeitung der SED-Diktatur tätig. "Ernst Thälmann war ein Stalinist der übelsten Sorte", sagt der Historiker. Straßennamen müssten nach Meinung von Schroeder den Werten der Demokratie entsprechen. Pieck als Befürworter einer Diktatur hätte dort ebenso wenig zu suchen wie Straßen oder Plätze der "Einheit". Diese ehrten schließlich nicht die deutsche Wiedervereinigung, sondern die Zwangsvereinigung von SPD und KPD 1946.

Diesen Standpunkt vertritt auch die CDU-Fraktionsvorsitzende Saskia Ludwig. Gerade in einer aufgeklärten, demokratischen Gesellschaft sei es wichtig, zu wissen, was für Persönlichkeiten sich hinter so stark identitätsprägenden Dingen wie Straßennamen verbergen. Auch Frieder Weiße, Landesvorsitzender der Vereinigung Opfer des Stalinismus, hat kein Verständnis für nach Thälmann, Pieck und Co. benannte Straßen. "Ich sehe das als Indiz für mangelnde Aufarbeitung", betont er. Besonders in den ländlichen Regionen sei die Zahl öffentlicher Plätzen, die an die SED-Diktatur erinnerten, extrem.

Die Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur, Ulrike Poppe, setzt auf Differenzierung. Bewohner einer Thälmannstraße seien nicht automatisch Sympathisanten der Thälmannschen KPD. In einer Demokratie sollte daher die Änderung eines Namens verbunden sein mit einer Diskussion.

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