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Der Prignitzer

21. September 2017 | 21:38 Uhr

Straßenmusik und Sandsackschippen

vom

svz.de von
erstellt am 14.Jun.2013 | 10:49 Uhr

Perleberg | Donnerstag auf dem Großen Markt der Rolandstadt. Zwischen den Marktständen ist Musik zu hören, Passanten bleiben unvermittelt stehen, lauschen kurz, und wieder wird ein Fünf-Euro-Schein in den Gitarrenkasten gelegt. Ein einfaches Schild aus Pappe sagt wofür: "Spenden für die Flutopfer".

Es sind Schüler des Gottfried-Arnold-Gymnasiums, die am gestrigen Donnerstag für einen musikalischen Wochenmarkt-Bummel sorgen. "Wir haben Projektwoche", berichtet Tore Temmler aus der Klasse 9. Die rund 15 Jugendlichen haben sich der Straßenmusik verschrieben. Montag und Dienstag haben sie geprobt, denn in dieser Formation musizieren sie das erste Mal gemeinsam. "Anschließend sind wir nach Breese zum Sandsackschippen gefahren", fügt Carolin Behn aus der 11. Klasse an. "Bereits die Woche davor waren einige von uns bzw. etliche Schüler unseres Gymnasiums auf den Füllplätzen. Die Menschen kämpfen um ihr Hab und Gut, dass das Wasser droht, ihnen zu nehmen. Da kann man nicht zusehen und sie bedauern. Damit ist ihnen nicht geholfen", so die Elfklässlerin.

Spontan sei so beim Sandsackfüllen dann auch die Idee geboren, zu Gunsten der Hochwasseropfer Straßenmusik zu machen. Mittwoch traf man die Pennäler in der Perleberger Bäckerstraße an, gestern nun auf dem Wochenmarkt. Am heutigen Freitag wollen die Jugendlichen, wenn es mit dem Transport klappt, wieder nach Breese. "Zum einen wollen wir allen, die zugepackt haben ein Dankeschön-Ständchen bringen, den Betroffenen vielleicht auch etwas Mut machen und dem Bürgermeister zugleich den Erlös unserer Straßenmusik übergeben. Die Betroffenen können es sicher gebrauchen, denn irgendwann ist das Wasser wieder weg und dann wird erst deutlich, was es angerichtet hat", sagt Carolin, bevor sie selbst wieder zur Gitarre greift.

"Wir haben schon eine tolle Jugend", gesteht Gerda Braatz. "Traurig nur, dass es Menschen gibt, die jungen Helfern die Fahrräder klauen oder sich am Verpflegungsplatz für die Helfer ungeniert bedienen. Um so mehr freue ich mich über diese spontane Aktion der Gymnasiasten. Meine Enkelin ist auch auf dem Gymnasium. Ihr werde ich gleich erzählen, wie gut ich dieses Engagement der Schüler finde." "Einfach eine feine Sache", findet auch Kurt Kruse. "Auf unsere Jugend ist eben Verlass. Und das wissen wir Älteren, auch wenn wir manchmal den Kopf schütteln", so der 80-Jährige. "Ist es nicht schön, was sich die Schüler hier haben einfallen lassen? Ich finde es gut", sagt Annegret Mücke, während sie ihren Wochenmarkt-Einkauf tätigt.

Insgesamt haben die Schüler des Straßenmusikanten-Projektes bisher 390,14 Euro eingespielt. "Wenn es heute mit dem Transport vor allem auch der Instrumente nicht klappt, dann trifft man uns noch einmal im ,Belluno’ in der Bäckerstraße an. Wir werden dann am Dienstag das Geld für die Flutopfer den Breesern übergeben", so die Pennäler.

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