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Baumaßnahmen Wittenberge : Straßenbau kontra Bäume

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Für Erneuerung wichtiger Verbindungen ist Fällaktion geplant / UBG-Abgeordnete Lutz Dieckmann mahnt zu mehr Augenmaß

von
erstellt am 27.Jan.2015 | 08:00 Uhr

Die gute Nachricht: In diesem und in den nächsten zwei Jahren wird die Stadt rund fünf Millionen Euro in wichtige Straßen stecken können, um Hochwasserschäden zu beseitigen.

Die sehr viel weniger gute Nachricht in diesem Zusammenhang: Im Zuge des Baugeschehens sollen über 100 Bäume entlang dieser Straßen gefällt werden, ob wohl manche von ihnen noch lange nicht das Lebensalter eines Straßenbaums erreicht haben. Allein in der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße sollen über 40 Bäume der Säge zum Opfer fallen. In der Tivolistraße möchte die Stadt große Linden, obwohl stattliche und sicher auch stadtbildprägend Bäume, in Höhe des Wohnparks herunternehmen.

Beim Bauen im Wege stehen auch die Bäume in der Tivolistraße zur Ecke Bad Wilsnacker Straße. Diese dürften dort kaum zehn Jahre wachsen. Es handelte sich um Nachpflanzungen. Die Baumexemplare, die dort zuvor die Straße säumten, waren von einem Nicht-Fachmann im Auftrag der Stadt so unglücklich gestutzt worden, dass sie ersetzt werden mussten.

Auch Bäumen in der Rathausstraße soll es an die Wurzeln gehen, und zwar nicht allein den älteren Exemplaren.

Als Peggy Heyneck die Mitglieder im Umweltausschuss Ende letzten Jahres über diese Pläne informierte, gab es keine ungeteilte Zustimmung. Sehr kritisch sieht der UBG-Abgeordnete Lutz Dieckmann die Planungen, den Straßenbau mit einem Kahlschlag, wie er sagt, zu verbinden. Im Gespräch mit dem „Prignitzer“ vertiefte Dieckmann diese Position. Der Parlamentarier ist davon überzeugt: „Die praktikabelste Lösung muss nicht gleich die beste Lösung sein.“ Mit anderen Worten, der Straßenbau müsse nicht zwingend mit dem Abholzen der Straßenbäume einher gehen. Sicher, es lasse sich schneller und leichter bauen, wenn man die Bäume und ihr Wurzelwerk nicht schützen muss. Und vielleicht sei es auch preiswerter, lassen sich ein paar Meter mehr ausbauen. Aber, so gibt der Abgeordnete mit Nachdruck zu bedenken, der Preis für Wittenberge sei hoch, zu hoch sogar. „43 Bäume, die in der Külzstraße fehlen werden, dazu noch an die 30 in der Rathausstraße – um nur Beispiele zu nennen – verändern den Charakter unserer Stadt nachhaltig. Ich bin der Meinung, das Bauamt sollte darüber nachdenken, ob seine Aufgabe nicht auch darin besteht, den Charakter der Stadt zu erhalten und zu pflegen.“ Dieckmann verweist auf die zahlreichen Alleen, die Wittenberge prägen. Derartiges fände man in anderen Städten eher selten. „Ich verstehe nicht, wieso man das so wenig wertschätzt, Bäume teilweise krank redet, damit sie gefällt werden können.“

Nachdem Dieckmann in der letzten Ausschusssitzung seine Bedenken angemeldet hatte, kündigte Peggy Heyneck an, das Amt werde sich mit dem Thema noch einmal befassen.

Dass Bäume in Wittenberge häufig keine hohe Wertschätzung genießen, zeigte sich auch vor gut einem Jahr. Damals sollten auf einen Schlag 600 Bäume auf dem Friedhof fallen. Der Plan wurde vereitelt. In der Fröbelstraße beklagten sich Anwohner, dass für den Ausbau die erst wenige Jahre zuvor gepflanzten Straßenbäume wieder gefällt wurden.  

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