Wittenberge Nord : Straßen kommen weg

Das Seniorenpflegezentrum grenzt an die Fläche, die sich als ökologisches Grünland entwickeln soll.
Das Seniorenpflegezentrum grenzt an die Fläche, die sich als ökologisches Grünland entwickeln soll.

Stadt stellt Anwohnern Konzept für das ehemalige Wohngebiet vor / Künftig Heimat für Eidechse und Co.

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04. Juli 2015, 12:00 Uhr

Mit dem Wohngebiet Wittenberge-Nord ist endgültig Schluss. Noch in diesem Jahr sollen die ehemalige Paul-Lincke- und Frau-Luna-Straße sowie angrenzende Parkflächen abgerissen werden. Das kostet noch einmal richtig Geld. Rund 230 000 Euro Fördergeld fließen dafür. Die Stadt schießt noch einmal zehn Prozent dazu. Abgesehen von Ausgaben für Baum- und Heckenpflanzen im Gewerbegebiet an der B 189 fließt das Geld ins ehemalige Wohngebiet Nord.

Was kann, was wird sich mit der knappen Viertelmillion verändern?

Die Antworten, die es dazu in dieser Woche im Seniorenpflegezentrum „Willi Kupas“ gab, ernüchterten so manch einen. Die Kommune hatte Interessierte in das Zentrum, das direkt an das abgerissene Wohngebiet grenzt, eingeladen, um über das „Pflege- und Entwicklungskonzept“ für Nord zu informieren. „Damit Sie Bescheid wissen, was hier passiert“, sagte Peggy Heyneck, im Stadtbauamt für Umweltfragen zuständig, den rund 50 Interessierten, darunter Bewohner des Pflegezentrums wie auch Anwohner aus der Umgebung.

„So mancher unserer Bewohner hatte gehofft, dass wir gepflegte Grünflächen oder einen kleinen Park hierher bekommen. Aber es bleibt ja alles, wie es ist. Nur dass die Straßen wegkommen. Für unser schönes Haus hier am Ende der Stadt ist das schade“, reagierte Einrichtungsleiterin Anke Brauer auf das Konzept.

Nein, es wird keinen gepflegten Rasen geben, wo ehemals die Wohnhäuser standen und auch keine irgendwie gepflegten Parkwege mit Bänken zum Ausruhen für die in unmittelbarer Nähe lebenden Senioren. Auf der Abrissfläche hat sich in den zurückliegenden Jahren eine Art Trockenrasen entwickelt, die nach Heynecks Worten „ein bis zweimal im Jahr gemäht wird“. Denn Zauneidechse und Co. sollen sich hier künftig wohlfühlen.

Die Entsiegelung der Straßenzüge einschließlich der Parkplatzflächen gehört zu den Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, die mit der Erweiterung des Gewerbegebietes an der B 189 zwingend fällig wurden. Es ist eine ökologische Maßnahme. Noch ist Wittenberge Nord im Untergrund ein voll erschlossenes Wohngebiet. Die Stadtverordneten wollen aber nicht, dass dort neue Häuser entstehen. Das jetzt verfügbare Fördergeld soll auch dafür ausgegeben werden, die Leitungssysteme aus dem Boden zu buddeln.

Erfreut reagierten Anwohner auf die Nachricht, dass die Straßen weitestgehend zurückgebaut werden. „Dann können die Mülltouristen nicht mehr mit ihren Autos kommen und ihren Dreck ins Gelände fahren.“

Weniger erfreut hingegen einige Senioren. „Auf den glatten Straßen können wir auch mit Rollstühlen und Rollatoren fahren. Wo sollen wir denn nun hin?“

Peggy Heyneck versichert, die Straßen würden nur soweit zurückgebaut, dass Rollstuhlfahrer sie trotzdem noch gut nutzen könnten. Auf die Frage, ob im Konzept auch Sitzbänke vorgesehen sind, sagte Heyneck: Nein, dafür sei das Geld nicht da.  

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