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Meister Adebar auf Abwegen : Storch brütet auf vier Kartoffeln

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In einer Ackerfurche bei Reetz sitzt Meister Adebar und hofft auf Nachwuchs / Weißstorchbetreuer spricht von Bruttrieb

von
erstellt am 12.Mai.2016 | 21:00 Uhr

Nein, der Storch, der in einer Ackerfurche bei Reetz sitzt, ist nicht verletzt. Er könne sich gut bewegen. Er ist beobachtet worden, wie er über den Acker stakt, Grünzeug zusammen trägt, Futter sucht, beantwortet Falk Schulz, Weißstorchbetreuer in der Prignitz und Nabu-Kreisvorsitzender, eine in den letzten Tagen häufiger gestellte Fragen. Denn ein Storch, der immer wieder an gleicher Stelle auf einem Feld sitzt, sorgt schon für Staunen und Rätseleien. Und das Rätsel wird noch größer, wenn man weiß, dass Meister Adebar auf vier Kartoffeln hockt, um die er etwas Grünzeug drapiert hat.

Ist der rotbeinige Langschnabel verwirrt?

Schulz schmunzelt bei dieser Frage. Nach menschlichen Maßstäben betrachtet, könne man es vielleicht so nennen. Er gehe davon aus, so erklärt der Weißstorchbetreuer, „dass der Vogel dort seinem Bruttrieb folgt“. Dazu müsse man wissen, dass in Reetz zwei Storchenhorste existieren, einer am südlichen Dorfende, einer am nördlichen. „Wir vermuten, dass der Storch, der auf den Kartoffeln sitzt, zu dem nördlichen Nest gehört. Denn dort würden selten beide Altvögel beobachtet. Es könne also sein, dass der eine auf den Eiern im Nest sitzt, der andere dann nicht nur auf Nahrungssuche ist, sondern sich die Kartoffeln zusammenklaubte, die er nun bebrütet.

Der Tipp zu dem Storch, der sich alles andere als normal verhält, kam von Norbert Beckmann von der Tankstelle in Reetz. „Einzigartig ist ein solches Verhalten aber nicht“, weiß Falk Schulz. Als Beispiel führt er einen Fall aus Lindenberg bei Pritzwalk an. „Es war im Jahr 2000. Ein Storchenpaar hatte das dortige Nest bezogen. Oben brütete einer der Vögel. Der andere hockte unweit davon auf einer Art Behelfsnest.“ Wie Schulz erzählt, hatte Meister Adebar dort etwas Nistmaterial zusammengetragen. In der Mitte lagen die als Eier adoptierten Kartoffeln und außerdem – und das ist der Unterschied zu Reetz – ein Ei. „Daraus ist aber kein Junges geschlüpft. Wir nehmen an, dass das Ei von anderen Tieren gefressen wurde.“ Auch aus Schleswig-Holstein sei ein Fall bekannt. Dort versuchte Meister Adebar, aus Tennisbällen Junge zu brüten.

Zurück nach Reetz: Der Weißstorchbetreuer geht davon aus, dass das Brüten auf den Kartoffeln in dem Moment ein Ende hat, „wenn im Nest die Jungen geschlüpft sind“. „Dann werden sich beide Altvögel um den Nachwuchs kümmern. Die Episode auf dem Acker ist vergessen.“

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