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Der Prignitzer

25. November 2017 | 00:58 Uhr

"Stoppt den Landfraß"

vom

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erstellt am 22.Nov.2011 | 07:32 Uhr

Karstädt | Der Kreisbauerntag 2011, der gestern im Landgasthof Karstädt Rückblick auf das vergangenen Jahr hielt und die aktuelle Landwirtschaftspolitik der EU beleuchtete, wählte auch einen neuen Vorstand. Neuer Vorsitzende des zwölfköpfigen Gremiums ist Lothar Pawlowski. "Unser Ziel muss es sein, den Bauernverband als Interessenvertreter des Berufsstands ohne Alternative weiter zu entwickeln, neue Mitglieder zu gewinnen und das Wirken der Landwirtschaft für Nachhaltigkeit und regionale Kreisläufe in der Öffentlichkeit noch besser darzustellen", betonte der neue Vorsitzende des 181 Mitglieder zählenden Kreisbauernverbands.

Pawlowski selbst ist Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Karstädt mit 50 Beschäftigten. "Es ist unser Bestreben als Landwirte, die festgelegten Qualitätsparameter zu erfüllen, doch war dies 2011 vielerorts nicht immer möglich und nicht jeder Händler zeigte sich kulant", blickte der scheidende Verbandsvorsitzende Ulrich Kieback auf das zu Ende gehende Jahr zurück. Der Chef der Halenbecker Agrargenossenschaft, dem auf dem nächsten Kreisbauerntag die Ehrenmitgliedschaft verliehen werden soll, war von 1990-97 Vorsitzender des Kreisbauernverbands Pritzwalk, dann Stellvertretender Vorsitzender des fusionierten Prignitzer Bauernverbands und seit 2006 dessen ehrenamtliches Oberhaupt.

Er hatte sich, wie auch Hans-Werner Lemm, Angelika Wilke und Hans Engel, nicht wieder als Vorstandskandidat aufstellen lassen. Oberste Priorität räumt Kieback dem Erhalt landwirtschaftlicher Flächen ein, denn Land sei nicht vermehrbar. Hintergrund ist, dass täglich in Deutschland 100 Hektar durch Bau-, Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen verloren gehen. "Stoppt den Landfraß", steht auf Bierdeckeln, die der Bauernverband verteilt.

Auch in Landwirtschaftsbetrieben der Prignitz gingen in den letzten Jahren Flächen verloren, die keine Peanuts seien, so Kieback. "Wir sollen die Grundlagen für unsere Ernährung schaffen, uns als Energiewirt etablieren, neue Standbeine nutzen und dann kommt eine geplante Flächenstilllegung, das ist kontraproduktiv", ging der Halenbeker auf den Entwurf der neue EU-Agrarreform ein, die 2014 jetzige Regelungen ablöst.

Darin steht, dass Landwirtschaftsbetriebe sieben Prozent ihrer Flächen für ökologische Zwecke zur Verfügung stellen sollen. "Das Zauberwort Greening wird uns in den nächsten Jahren begleiten. Doch wie werden bisherige Maßnahmen angerechnet, wir haben eigentlich genug geleistet", argumentierte Kieback.

Unterstützung erhielt der Landwirt durch Gerd Sonnleitner. Der Präsident des Deutschen und Europäischen Bauernverbands nahm als prominenter Gastredner am Prignitzer Kreisbauerntag 2011 teil und informierte die Landwirte aus erster Hand über das Entwurfspapier zur Gemeinsamen Agrarpolitik der EU 2014-2020. "Wir Bauern stehen zur Natur und zu einer nachhaltigen Bewirtschaftung. Doch darf Greening nicht zum Aderlass für die Landwirtschaft werden und zu einer ökonomischen Schädigung ohne ökologischen Nutzen führen", forderte Sonnleitner. Und ergänzte im gleichen Atemzug: "Sie haben hier mit dem Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe, den Landschafts- und Naturschutzgebieten bereits die Greening-Auflagen übererfüllt."

Anerkennend äußerte sich der Bauernverbandspräsident zu den herbstlich bestens bestellten Feldern in der Prignitz, staunte über die riesigen Getreidesilos in Karstädt, wie er sie nur in Russland gesehen habe und verteilte auch ein Lob an die Bundeskanzlerin - Bauernverband und Bundespolitik sprechen zur neue EU-Agrarreform eine Sprache und lehnen unter anderem Kappungsgrenzen von Direktbeihilfen, gebunden an Betriebsgrößen, ab.

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