Störche: "Tschüss, bis nächstes Jahr!"

Seine Hartnäckigkeit machte  sich doch noch bezahlt: Das Storchenpaar in Lenzen nistete auf dem Baumstamm, für eine Brut war es jedoch zu spät.togo
Seine Hartnäckigkeit machte sich doch noch bezahlt: Das Storchenpaar in Lenzen nistete auf dem Baumstamm, für eine Brut war es jedoch zu spät.togo

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13. September 2012, 07:30 Uhr

Prignitz | Sie sind weg - fast alle zumindest: Die Störche haben die Prignitz verlassen und sich auf den Weg gen Süden gemacht. Zwischen Spanien und Südafrika beziehen sie jetzt ihre Winterquartiere. Im Gespräch mit der "Prignitzer"-Volontärin Susann Matschewski zieht der ehrenamtliche Nabu-Weißstorchbetreuer des storchenreichsten deutschen Landkreises, Falk Schulz, Bilanz.

Haben denn schon alle Störche den Rückflug angetreten oder gibt es noch Nachzügler?

Falk Schulz: Bis auf zwei Paare haben sich alle verabschiedet. Bei den anderen handelt es sich um Spätbruten aus Neuhof bei Kribbe und Karstädt. Ihre Jungen sind erst Ende Juni geschlüpft, deshalb sind sie noch hier. Aber in den nächsten Tagen werden auch sie den Flug antreten.

Wie lautet Ihr Urteil für das zu Ende gehende Brutjahr?

Eher durchwachsen. Die Störche sind in mehreren Zugwellen angekommen, das heißt, die ersten haben schon Ende März mit dem Brüten begonnen, die letzten, nämlich unsere Spätbrüter, erste Ende Mai. Wir hatten etwa 200 Jungstörche beringt. Dabei fiel auf, dass starke Bruten mit fünf Jungen in diesem Jahr fehlten und es auch nur wenige Viererbruten gab. Dafür gab es in mehreren Fällen totale Brutausfälle mit kompletten Gelege- oder Jungenverlusten. Außerdem haben wir bei 161 Altstörchen die Ringnummern abgelesen.

An welchen Orten hielten sich denn besonders viele Rotschnäbel auf?

Rühstädt war wie immer Spitzenreiter. Dort haben wir 32 Paare gezählt. In Mödlich waren es zwölf, in Cumlosen sieben und in Bentwisch, Kietz, Müggendorf und Wootz jeweils vier Paare. Viele der kontrollierten Altstörche sind in der Prignitz beringt worden, wir hatten aber auch vier Vögel aus Schweden, zwei aus Polen und zwei aus Süddeutschland dabei. Dann gibt es natürlich auch Prignitzer Störche, die nicht mehr zurückkommen, weil sie in andere Gefilde ziehen oder über die Wintermonate sterben. Erst vor ein paar Tagen haben wir eine Nachricht aus Simbabwe erhalten. Dort wurde am Flusslauf des Limpopo, unmittelbar an der Grenze zu Südafrika, ein Storch tot aufgefunden, den wir 2009 in Steffenshagen beringt haben, also 8548 Kilometer weiter nördlich.

Von wem erhalten Sie solche Nachrichten denn und woher weiß der Finder, an wen er sich wenden muss?

Ganz einfach: Auf den Ringen steht neben der fortlaufenden Ringnummer und der Beringungszentrale auch eine E-Mail-Adresse der Zentrale. Meistens sind es Botschafter oder Hilfsorganisationen, die uns dann Bescheid geben. Manchmal sind es aber auch Privatpersonen. In Simbabwe war es der Chef einer Safaristation, der uns informiert hat.

Was ist mit dem Storchenpaar aus Lenzen passiert, das über Wochen vergeblich versucht hat, auf einem abgesägten Baumstumpf ein Nest zu bauen?

Die haben es schließlich doch noch geschafft, das Nest hielt stand. Für eine Brut war es dann aber zu spät. Störche sind ja für ihre Hartnäckigkeit bekannt, das hat dieses Paar eindrucksvoll bewiesen.

Danke für das Gespräch.

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