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Junge Ärzte : Stipendium lockt in die Provinz

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Studenten schätzen Ausbildung am Kreiskrankenhaus und finanzielle Unterstützung

von
erstellt am 07.Jul.2015 | 08:00 Uhr

Mit einem Stipendium und durch Zusammenarbeit mit Universitäten möchte das Kreiskrankenhaus frühzeitig angehende Ärzte binden. Es ist der Versuch einer Antwort auf den Fachkräftemangel in der Provinz und er scheint aufzugehen.

Seit gut acht Wochen arbeitet Sarah Normann auf der Kinderstation. Sie absolviert hier ihr Praktisches Jahr. Die Studentin der Universität Gießen habe sich bewusst für ein kleineres Haus entschieden. „Den Alltag in Unikliniken lernen wir schon während des Studiums kennen, aber mich reizen die kleineren, familiären Häuser“, sagt sie. Außerdem wollte die gebürtige Stendalerin wieder etwas näher an ihre Heimat heranrücken und Perleberg liege ja fast vor der Haustür.

Voraussetzung für dieses Praktikum ist der anerkannte Titel Akademisches Lehrkrankenhaus. Den besitzt die Perleberger Klinik seit geraumer Zeit durch eine Zusammenarbeit mit der Universität Rostock. „Alle Lehrkrankenhäuser sind gelistet, dadurch habe ich Perleberg entdeckt“, erzählt Sarah Normann.

Ihre Entscheidung habe sie nicht bereut. Die ersten Wochen seien spannend gewesen. „Häufig informieren mich Kollegen über anstehende Untersuchungen, laden mich dazu mit ein. Genau das habe ich mir erhofft.“

Noch näher dran an der Klinik sind Kristin Richter und Nicolas Wind. Sie sind Prignitzer und Stipendiaten des Kreiskrankenhauses. Seit zwei Jahren schreibt die Klinik ein solches aus. Voraussetzung ist das bestandene Physikum nach vier Semestern. Und wer sich für das Stipendium entscheidet, muss nach dem Examen für das Haus arbeiten.

400 Euro erhält Kristin Richter monatlich. „Damit kann ich mich voll auf das Studium konzentrieren“, sagt sie. Zusammen mit BaföG bzw. Unterstützung durch die Eltern sei ein Nebenjob nicht mehr zwingend erforderlich. Unter anderem sei das Geld hilfreich für den Erwerb der umfangreichen und teueren Fachliteratur, ergänzt Nicolas Wind. Er hat über Facebook von dem Angebot erfahren, sich beworben. Beide erzählen sie, dass ihre Mitstudenten eher erstaunt sind und solche Modelle aus ihren Heimatregionen nicht kennen.

Sie seien heimatverbunden, keine Fans von Großstädten. „Hier habe ich stets gleiche Ansprechpartner, sie nehmen sich Zeit für mich. An Unikliniken bist du ein Student von vielen“, nennt Kristin Richter Vorteile, die ihr wichtig sind. Dass sie beide drei Jahre nach dem Examen in Perleberg arbeiten müssen, sehen sie nicht als ein Problem, eher als eine Chance.

Darauf setzt Geschäftsführer Karsten Krüger. Alle drei Studenten seien erfolgreich, kommen aus der Region, können sich hier eine Zukunft vorstellen. „Mit Stipendium und Praktika wollen wir sie halten, nie gänzlich los lassen und als Ärzte gewinnen“, sagt er. Ob das Konzept langfristig aufgehen wird, bleibt abzuwarten. Erst dann wird entschieden, ob das Stipendium beibehalten wird oder nicht.

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