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Der Prignitzer

21. November 2017 | 09:29 Uhr

Steuerzahler blechen für Billiglöhne

vom

svz.de von
erstellt am 02.Mär.2012 | 10:33 Uhr

Potsdam | Sie leben meist in Singlehaushalten, arbeiten oft in Dienstleistungsunternehmen, im Handel, in Kfz-Werkstätten, in Gastronomiebetrieben oder in Verleihfirmen, sind in der Mehrheit weiblich und zwischen 25 und 50 Jahre alt: Trotz guter Arbeitsmarktlage und teils steigender Löhne kommen knapp 70 000 Beschäftigte in Brandenburg ohne monatliche zusätzliche Finanzhilfen vom Steuerzahler mit ihrem Lohn nicht mehr über die Runden. Fast ein Drittel der betroffenen Frauen und Männer gingen acht Stunden und mehr arbeiten und müssen trotzdem Hartz-IV-Geld beantragen, geht aus einer Analyse der Bundesanstalt für Arbeit hervor. Auch knapp 11 000 sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigte sowie 6600 Selbstständige erhielten Zusatzleistungen vom Amt, um das Existenzminimum zu sichern. In der Prignitz trifft das 2200 Arbeitnehmer. Sie verdienen so wenig, dass sie ihren Lohn mit Ha rtz- -IV aufstocken müssen.

Diese Entwicklung nimmt indes skurrile Züge an: Selbst einige Jobcenter zahlten eigenen Reinigungskräften so wenig, dass diese aufstocken müssen. Die Billiglohn strategie trifft vor allem die Beschäftigten in den neuen Ländern. Im Osten ist das Verarmungsrisiko gut doppelt so hoch wie im Westen, geht aus einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor. So zählen in Ostdeutschland 4,5 Prozent aller Beschäftigten zu den Aufstockern, im Westen sind es zwei Prozent.

Klamme Kassen vor allem bei Leiharbeitern: In keiner anderen Branche sei das Risiko als Vollzeitbeschäftigter zum Aufstocker so hoch, ermittelte DGB-Experte Wilhelm Adamy. Etwa jeder zehnte Leiharbeiter habe im Vorjahr Hartz IV bezogen. Im Gastgewerbe seien es 8,4 Prozent gewesen.

Ebbe im Portemonnaie: Von allen erwerbstätigen Aufstockern verdiente der Studie zufolge die Hälfte nicht mehr als 6,50 Euro pro Stunde. Bei jedem vierten lag der Stundenlohn sogar unter fünf Euro. "Der Staat subventioniert über Hartz IV die Verleihbranche wie keine andere. Die Steuerzahler werden zur Kasse gebeten für das in der Branche praktizierte Lohndumping", schreibt Adamy.

Die Einsparungen für die Wirtschaft fallen noch höher aus: Nur jeder zweite Vollzeitbeschäftigte stocke seinen kläglichen Lohn mit Hartz-IV-Leistungen auf. Die anderen verzichteten darauf, obwohl die Hilfe ihnen zustünde, heißt es in der Studie - aus Unwissenheit aber auch aus Scham und Scheu vor dem komplizierten Antragsverfahren.

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