Glövzin : Stets ein Aha-Effekt für Gäste

Marion Talkowski, IHK-Geschäftsstellenleiterin in Pritzwalk, und Bodo Rückschlag (r.), stellvertretender Vorsitzender des Tourismusverbands Prignitz, gratulierten Dietmar (2.v.r.) und Dagobert Dahse (2.v.l.) zum 25. Bestehen ihres Gastronomie-Unternehmens.
Marion Talkowski, IHK-Geschäftsstellenleiterin in Pritzwalk, und Bodo Rückschlag (r.), stellvertretender Vorsitzender des Tourismusverbands Prignitz, gratulierten Dietmar (2.v.r.) und Dagobert Dahse (2.v.l.) zum 25. Bestehen ihres Gastronomie-Unternehmens.

Dietmar und Dagobert Dahse eröffneten vor 25 Jahren ihr Gasthaus in Glövzin und blicken nicht ohne Stolz auf Geschaffenes zurück

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05. November 2015, 12:00 Uhr

Mit Blumen und einer Ehrenurkunde überraschten der Tourismusverband Prignitz und die IHK-Geschäftsstelle Pritzwalk Dietmar und Dagobert Dahse in Glövzin. Die Brüder hatten vor 25 Jahren ihren gleichnamigen Landgasthof eröffnet. Das Jubiläum selbst begingen die Dahses jedoch nicht groß. „Wir haben 20 Jahre Landgasthof und 10 Jahre Kuhstall gefeiert. In zwei Jahren, 2017, stehen 20 Jahre Kuhstall ins Haus“, so die Glövziner. Zu ihrem 25. Betriebsjubiläum waren sie dafür in Südamerika auf den Spuren der Rinderfarm, von der sie die saftigen Steaks für ihren Kuhstall-Grill beziehen (der „Prignitzer“ berichtete).


Ostsee oder Konsumgaststätte?


Für Dietmar Dahse hieß es 1981 nach der Koch-Lehre in Warnemünde, als 22-Jähriger an der Ostseeküste bleiben und als Küchenleiter arbeiten, oder in die Heimat zurück zu kehren und die hiesige Konsumgaststätte übernehmen. „Ich entschied mich für Glövzin und konnte auf den großen Erfahrungsschatz und die Unterstützung der früheren Wirtsleute Werner und Anni Schäfer sowie auf die Hilfe von Ilona Wild setzen“, blickt Dietmar Dahse dankbar zurück.

„1989/90 erlebten wir, wie ein Staat aufhörte zu existieren und mit ihm die Konsumgenossenschaft Perleberg, die unsere Gaststätte bewirtschaftete“, erzählt der heute 56-Jährige. „Weihnachten beschlossen wir, die Gaststätte zu kaufen und uns selbstständig zu machen.“ Für Dagobert Dahse, damals 27 Jahre alt, bedeutete das als Ingenieur für Landtechnik zugleich eine berufliche Neuorientierung. Er drückte noch einmal die Schulbank und erwarb in dreijähriger Erwachsenenqualifizierung den Facharbeiterabschluss als Restaurantfachmann.

Doch zuerst hieß es, kräftig investieren, um das Gasthaus zu modernisieren – einschließlich Heizung, Toiletten, Elektrik, Telefonie, Küche und Gästezimmer. Die letzte Renovierung hatte die damalige Eigentümerfamilie 1934 mit Blick auf die Olympiade 1936 in Berlin vorgenommen in Erwartung, dass durchreisende Gäste auf der Fernverkehrsstraße 5 in Glövzin Station machen. Denn zum Objekt gehörte auch eine Tankstelle.


1990: Start in eine neue Zeit


Nach Abschluss der umfassenden Arbeiten eröffneten Dietmar und Dagobert Dahse den Gasthof am 8. August 1990 neu. Sie waren damit die ersten im damaligen Kreis Perleberg, die Gästezimmer nach westlichem Standard anboten. Diese waren in den ersten Jahren des Ost-Runs stets ausgebucht. Als der etwas abebbte, nahmen Dahses Kontakt auf zum Reiseverband deutscher Autobusse (RdA), um über ihn Gäste zu werben. Die acht Zimmer im Gasthof erweiterten Dahses 1995 durch den Kauf und Ausbau des benachbarten Konsumgebäudes als Bettenhaus um weitere sieben Zimmer.

„Gaststätten mit weißen Tischdecken und Blumen, davon haben wir genug in Deutschland, sagte man uns beim RdA-Verband. Also mussten wir uns etwas einfallen lassen“, so Dahses. So reifte 1994 der Plan zur Einbeziehung ihres Erbhofes in das Gastronomiekonzept. Seit 1610 befindet sich dieser in Familienbesitz. „Alles, was wir erwirtschafteten, wurde in den Umbau des Kuhstalls gesteckt. Mit Krediten waren wir vorsichtig, denn eine Bauernweisheit besagt, du musst immer eine Mark mehr einnehmen, als du ausgibst“, unterstreichen die Brüder.


Jähe Wandlung eines Kuhstalls


1997 öffnete der Kuhstall und zieht bis heute Gäste an. „Toi, toi, toi, er war vom ersten Tag an voll“, freuen sich die Brüder. Sie beließen es jedoch nicht beim urigen Kuhstall mit Zimmern im Obergeschoss, sondern bauten das Hofensemble nach und nach weiter aus – mit Weinkeller, einer vielgenutzten Kegelbahn (Heimstatt der Kegler vom SC Hertha Karstädt) für Wettkampf und privat, Kaminzimmer sowie Fest-Tenne. Jüngste Baulichkeit ist ein Wintergarten. „Wir investieren seit 25 Jahren, passten die Ergänzungen stets den zeitlichen Bedürfnissen an und schafften unseren Gästen immer wieder einen Aha-Effekt“, betonen Dietmar und Dagobert Dahse.

Vor drei Jahren modernisierten sie noch einmal den Gasthof an der B 5 – einschließlich Fassade und Neuausstattung der Zimmer. „War 1990 wichtig, dass alle Zimmer Telefon- und Faxanschluss hatten, bieten wir heute kostenfreies WLAN an. Auch überarbeiteten wir die Serviergerichte, so dass der Gästezuspruch wieder merklich anstieg“, meint Dietmar Dahse. Insgesamt stehen Übernachtungsgästen 26 Zimmer mit 45 Betten zur Verfügung. Gebucht werden sie gern von Vereinsgruppen.


Blick über den eigenen Tellerrand


In der Programmgestaltung schauen Dahses über den Tellerrand und verbinden den Gästeaufenthalt mit Themen wie „Auf den Spuren des Prignitzer Landadels“, Filzmanufaktur Lenzen oder Burgen-Schlössertour.

Auf der Grünen Woche gehört Dahses Gasthaus seit vielen Jahren zu den zehn Botschaftern der Prignitz, die kulinarische Werbung für den Landstrich im Nordwesten Brandenburgs machen. Auch gibt das Ambiente von Dahses Erbhof jungen Künstlern der Lotte Lehmann Akademie alljährlich eine Plattform, ihr Können der Öffentlichkeit darzubieten.

Heute sind im Familienbetrieb 25 Mitarbeiter beschäftigt. Gestartet waren Dahses 1990 zu dritt. Wie viel Azubis seit 1994 ausgebildet wurden, haben Dahses nicht gezählt. Besonders stolz sind sie auf die vielen erfolgreichen Teilnahmen ihrer Lehrlinge an Kreis-, Landes- und Bundesmeisterschaften. Stefan Schröder aus Grenzheim zum Beispiel stand als erfolgreicher Koch-Lehrling auf dem Siegertreppchen im Gästehaus der Bundesregierung auf dem Petersberg in Bonn.

„Das war auch für uns als kleiner Landgasthof inmitten von Hilton und anderen führenden Hotels ein stolzes und bewegendes Gefühl“, erklärt Dietmar Dahse.
Erstmals seit Ausbildungsbeginn 1994 habe man zu Beginn des Lehrjahres keinen geeigneter Bewerber finden können, zeigten sich die Brüder enttäuscht. Auch die Arbeitskräfte-Situation an sich werde nicht einfacher. „Es ist richtig, dass die Politik Rahmenbedingungen für die Arbeitszeitregelung vorgibt. Doch es wird immer mehr reglementiert, ohne individuellen Spielraum zu lassen“, kritisieren die Gastwirte.


Familienrat stellt Weichen


Im Herbst 2016 wollen Dahses Familienrat zum perspektivischen Weiterbestehen von Gasthof/Kuhstall abhalten. „Bis zu unserer Rente sind es zwar noch ein paar Jahre hin. Doch wollen wir rechtzeitig die Weichen stellen. Jeder von uns hat zwei Kinder und wir werden sie fragen, ob sie in den Familienbetrieb einsteigen wollen.

Wenn nicht, käme Plan B zum Tragen und der hieße Verpachtung oder Verkauf“, so Dietmar und Dagobert Dahse. „Doch wir schauen optimistisch in die Zukunft und setzen darauf, weiter gesund und frohen Mutes zu bleiben.“  

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