Stepenitz: Sauber allein reicht nicht

An ihrem Mittellauf ist die Stepenitz vielerorts bereits ein Vorzeige-Fluss. Am Ober- und Unterlauf indes  soll es in den kommenden Jahren Qualitätsverbesserungen geben.Archiv
An ihrem Mittellauf ist die Stepenitz vielerorts bereits ein Vorzeige-Fluss. Am Ober- und Unterlauf indes soll es in den kommenden Jahren Qualitätsverbesserungen geben.Archiv

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21. September 2012, 09:50 Uhr

Prignitz | Als einer der saubersten Flüsse Deutschlands gilt die Stepenitz. Gespeist wird sie von Dömnitz, Jeetzebach und Schlatbach. Schaut man sich das Flussgebiet - als Laie - von außen an, könnte man meinen: Alles bestens. Jutta Kallmann vom brandenburgischen Landesumweltamt räumt korrigierend ein: "Hier ist einiges in Ordnung." Gemeinsam mit ihrem Kollegen Martin Hoffmann sowie zwei Mitarbeiterinnen des Gutachterbüros Pöyry Deutschland GmbH aus Schwerin stand sie am Dienstag im Bürgerforum zur "Gewässerentwicklungskonzept Stepenitz, Dömnitz und Jeetzebach" in Perleberg als Referentin und Ansprechpartnerin zur Verfügung.

Das Land setzt derzeit, kurz gesagt, die im Jahr 2000 in Kraft getretene EU-Wasserrahmenrichtlinie um. Seen und Fließgewässer sollen naturnäher, artenreicher und sauberer werden. Das Grundwasser ist in ausreichender Menge und ohne schädliche Einträge zu erhalten. Bis Ende 2009 erarbeitete das Land Maßnahmeprogramm und Bewirtschaftungspläne für die Flusseinzugsgebiete von Elbe und Oder. In den nächsten Jahren steht die regionale Umsetzung an - alles immer auch unter Berücksichtigung des Hochwasserschutzes. Dafür erstellt das Landesumweltamt für 161 Gebiete Gewässerentwicklungskonzepte (GEK). Um das GEK für Stepenitz, Dömnitz und Jeetzebach ging es am Dienstag. "Das ist schon ziemlich weit fortgeschritten. Wir befinden uns bereits in der Endredaktion, werden natürlich die heute hier geäußerten Bedenken und Vorschläge mit aufnehmen", verdeutlicht Martin Hoffmann.

Im Vergleich zu anderen brandenburgischen Flussgebieten, das bestätigen beide Landesumweltamtsmitarbeiter, sehe es an der Stepenitz relativ gut aus. Handlungsbedarf bestehe trotzdem. Allein, wenn man auf historische Karten schaut, wie es Claudia Antons vom Büro Pöyry tat und am Dienstag auch vorführte, sieht man die massiven Veränderungen, die es in zurückliegenden Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten gab. Ziel ist es natürlich nicht, den Ur-Zustand wiederherzustellen. Fehlende Randstreifen zurückzuholen, die Durchgängigkeit der Flüsse zu gewährleisten, ihnen dort, wo es sinnvoll ist, mit Bepflanzungen Schatten zu geben, Totholz einzubauen, das seien schon Ziele, die man in der Zukunft anstrebe, so Claudia Antons. An der Stepenitz betrifft das vor allem den Ober- und Unterlauf - der Mittellauf sieht, was die Naturnähe angeht, schon relativ gut aus.

Ein nicht ganz unumstrittenes Thema ist auch der Rückbau von Stauanlagen. Man solle als Alternative auf jeden Fall den Erhalt regelbarer Stauanlagen erwägen, forderte etwa Falko Dietsch von der unteren Wasserbehörde des Landkreises. Bedenken meldete Frank Schröder, Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes Prignitz, zur Uferbepflanzung und zu geplanten Profilveränderungen an den Flussrändern an. "Nur Bäume pflanzen, reicht nicht aus. Man benötigt Flächen, um das Profil zu verändern, muss dafür Land ankaufen, das kostet." Am Flüsschen Panke habe man zudem gerade mit Randstreifenbepflanzung keine positiven Erfahrungen gemacht. Hier gibt es Probleme mit Sandeinträgen, und die seien speziell dort besonders stark, wo man auf Bepflanzungen setzte, so Schröder. Jutta Kallmann wies darauf hin, dass es Einzelfallprüfungen geben wird und dass man mit dem GEK auch noch keine endgültige "festgeklopfte" Planung aufstelle, sondern dies erst geschehe, wenn konkrete Dinge baulich umgesetzt werden. Das Ganze werde sich in kleinen Schritten vollziehen, zunächst dort, wo die Rahmenbedingungen der Umsetzung von Ideen nicht im Wege stehen. Das sei beispielsweise am Oberlauf der Stepenitz bei Meyenburg der Fall. Dort werde man auf Flächen des Nabu Bepflanzungen vornehmen, Totholz in den Flusslauf einbauen, das Profil auflockern. Für den Unterlauf der Stepenitz bei Breese ist der Anschluss von Altarmen angedacht, um mehr Wasser ableiten zu können. In diesem Fall werden Kompensationsgelder aus dem Deich- und Straßenbau für die Bezahlung eingesetzt. Die Finanzierung von konkreten Maßnahmen soll künftig aus EU-, Bundes- und Landesmitteln erfolgen. Wie Jutta Kallmann erklärte, würden vornehmlich die Wasser- und Bodenverbände mit den Arbeiten betraut. Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie werde sich allerdings über einen sehr langen Zeitraum erstrecken.

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