Statt Unterricht stille Beschäftigung

Die Klassenzimmer sind sehr oft leer. dpa
Die Klassenzimmer sind sehr oft leer. dpa

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18. September 2012, 09:34 Uhr

Potsdam | Im Land Brandenburg findet in fast jeder zehnten Schulstunde kein regulärer Unterricht statt. Das geht aus einer Antwort des Bildungsministeriums auf eine kleine Anfrage des Prignitzer Landtagsabgeordneten Gordon Hoffman (CDU) hervor, die dieser Zeitung vorliegt. Demnach müssen landesweit 8,9 Prozent aller Unterrichtsstunden vertreten werden. Im Landkreis Prignitz sind es 7,7 Prozent, in der Uckermark 8,9 Prozent. Landesweit werden 7,2 Prozent der Unterrichtsstunden vertreten, 1,2 Prozent fallen ersatzlos aus. In der Uckermark sind das 1,6 Prozent, in der Prignitz 0,9 Prozent. Ferner werden für etwa 3,5 Prozent der Unterrichtsstunden Zwischenlösungen gefunden: Dazu zählen das Zusammenlegen von Klassen und Gruppen. Oder die Schüler erhalten Aufgaben zur selbständigen Stillarbeit.

"Der Unterrichtsausfall ist immer noch viel zu hoch", kritisiert Hoffmann. "Und das Ministerium versucht, es schönzureden." Stillarbeit oder die Zusammenlegung von Klassen könne man nicht ohne weiteres als vertretenen Unterricht werten: "Dann könnte man ja auch morgens den Hausmeister Aufgaben an die Schüler verteilen lassen", so Hoffmann, der auch bildungspolitischer Sprecher der Potsdamer Unionsfraktion ist. "Was wir wirklich brauchen, sind ein Ausbau der Vertretungsreserve und bessere Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte." Auch der FDP-Fraktionsvorsitzende Andreas Büttner (Templin) hält eine bessere personelle Ausstattung der Schulen und die Einführung eines Gesundheitsmanagements für Lehrkräfte für nötig. Einen entsprechenden Antrag hatten die Brandenburger Liberalen Ende August ins Landtagsplenum eingebracht - damals wurde er allerdings mit den Stimmen der rot-roten Regierungskoalition abgelehnt. Anders äußerte sich die bildungspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Marie-Luise von Halem. "Aus meiner Sicht ist die Zahl der ausfallenden Stunden in Brandenburg nicht das Problem." Sorge machen müsste vielmehr der Krankenstand der Lehrer: "Wir haben erschreckend viele Langzeitkranke", so von Halem gegenüber dieser Zeitung. Dies sei ein Zeichen dafür, dass es die Landesregierung versäumt habe, bei den Lehrern für eine ausreichende personelle Erneuerung zu sorgen: "Wir haben einen zu hohen Altersdurchschnitt und zu wenig junge Lehrer."

Der Sprecher des Bildungsministeriums, Stephan Breiding, wies die Vorwürfe der Opposition indes zurück. "Kein anderes Bundesland erfasst den Unterrichtsausfall so akribisch, wie wir es tun", so Breiding gegenüber dieser Zeitung. Um Stundenausfälle zu vermeiden, habe man ein sehr breites und kleinteiliges Instrumentarium, von der Vertretungsreserve bis zur Zusammenlegung von Klassen. "Der Vorwurf, wir würden damit Unterrichtsausfälle beschönigen, ist völlig absurd."

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