Landwirtschaft : Start für neues Melkzentrum

AMS-Mitarbeiter Mario Rathsack (r.) erläutert Gästen den Schaltpunkt zur Bedienung des neuen Melkkarussells.  Fotos: Drössler
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AMS-Mitarbeiter Mario Rathsack (r.) erläutert Gästen den Schaltpunkt zur Bedienung des neuen Melkkarussells. Fotos: Drössler

Landgenossenschaft Pröttlin investiert mehr als zwei Millionen Euro in die Zukunft / Stallneubau als Nächstes geplant

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02. Juni 2015, 22:00 Uhr

Ein neues Melkzentrum nahm die Landgenossenschaft Pröttlin am Montag in der Milchviehanlage Pinnow in Betrieb. Die mehr als zwei Millionen Euro teure Investition umfasst nicht nur ein modernes Außenmelker-Karussell mit 60 Plätzen, sondern auch einen großzügigen Sozialtrakt mit Umkleide- und Duschräumen, Küche und Schulungsraum für die Mitarbeiter.

Beim Landverpächtertag am Freitag stellte die Landgenossenschaft den etwa 300 geladenen Gästen die Baulichkeit vor – und erntete viel Zustimmung. „Das ist eine Investition in die Zukunft, um Schritt zu halten im Wettbewerb. Auch die Arbeitsbedingungen werden verbessert, kein Melker möchte mehr geteilte Arbeitszeiten haben“, hieß es. Überhaupt sei die Landgenossenschaft Pröttlin mit einer sehr guten Führung ein stabiler und wichtiger Betrieb in der Region. „Deshalb stimmen wir gern weiteren langfristigen Pachtverträgen zu, damit das Unternehmen perspektivisch planen kann“, meinten zum Beispiel Wilfried Wulff aus Seetz, Hans-Peter Böhning aus Dargardt oder Manfred Nöhring aus Boberow.

„Das moderne Melkzentrum ist eine wichtige Investition ins Tierwohl, zur Arbeitskräftegewinnung sowie für eine saubere, hygienische Milchproduktion, die den Anforderungen entspricht. Wenn dann noch die geplante Stallerweiterung kommt, ist die Sache rund“, betonte Heidrun Seyer, Sachbereichsleiterin Landwirtschaft der Kreisverwaltung. Als verlässlicher Finanzpartner der Agrarwirtschaft unterstütze man gern diese Investition, ergänzte Martin Brödder, Vorstand der Volks- und Raiffeisenbank Prignitz. „Wir sind in Brandenburg führend in der Begleitung von Projekten zur Modernisierung und Arbeitsplatzschaffung im Bereich Landwirtschaft.“

„Der Neubau des Melkzentrums ist eine Ersatzinvestition für das 13 Jahre alte 30er Karussell. Zugleich wollen wir die Voraussetzungen dafür schaffen, künftig alle Milchkühe in Pinnow zu konzentrieren – auch die aus den jetzigen Außenstandorten Garlin und Boberow. Dort werden dann Jungrinder gehalten“, erklärte Heinz-Uwe Jaap, der gemeinsam mit Siegfried Schlestein der Genossenschaft vorsteht. Voraussetzung für die Milchkuh-Zusammenführung ist eine weitere Investition – ein Stallneubau für 800 Tiere. „Dadurch ist es zugleich möglich, einige bisherige Stallbereiche umzunutzen. Den Neubau mit einem Volumen von weiteren ca. drei Millionen Euro wollen wir so schnell wie möglich umsetzen. Die Antragsunterlagen sind in Arbeit, es gab bereits einen Scoping-Termin mit Ämtern und Behörden, um deren Hinweise und Anregungen einarbeiten zu können“, erläuterte Jaap.

Perspektivisch werden am Standort Pinnow 1500 melkende Kühe konzentriert sein. „Mit der Stallerweiterung ergeben sich nicht nur bessere Haltungsbedingungen für die Tiere, sondern auch deutlich bessere Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter“, argumentierte der Vorstandsvorsitzende. Gebrochene Schichten gehören dann der Vergangenheit an – gemolken wird perspektivisch in zwei Schichten. „Mit Melken und Service kommen die Mitarbeiter auf acht Stunden, so dass sie unter dem Strich auch mehr verdienen können“, betonte Jaap.

Der Vorstandsvorsitzende ist sich bewusst, dass man mit dem Wegfall der Milchquote ab April noch stärker als bisher schwankenden Marktpreisen ausgesetzt sei. So sank der Milchauszahlungspreis der Molkerei Upahl/arla, an die Pröttlin liefert, im Mai auf 28 Cent/Liter. „Effektive Kostenstrukturen sind mehr denn je notwendig, um ökonomisch wirtschaften zu können. In diesem Konsens sehen wir unsere Investitionen. Vordergründig wollen wir natürlich die Haltungs- sowie Arbeitsbedingungen verbessern und die Arbeitsplätze im Bereich Tierproduktion attraktiver machen“, betonte Jaap. Denn ohne attraktive Arbeitsplätze habe man schlechte Karten in der Arbeitskräftesicherung, die auch für die Landgenossenschaft ein wichtiges Thema ist. So wird gegenwärtig ein Melker/eine Melkerin gesucht. Seit Jahren ist die Genossenschaft ein verlässlicher Ausbildungsbetrieb. „In den vergangenen drei Jahren suchten wir vergeblich nach Lehrlingen, zum August können wir wieder zwei Azubis einstellen“, meinte der Vorstandsvorsitzende erleichtert.

Marcel Kalas, seit 18 Jahren in Pinnow tätig, kennt noch den alten Melkstand, arbeitete im 30er Karussell und ist nun gespannt auf den 60er Außenmelker. Ebenso Irene Krüger. „Beim 30er Karussell hatten wir bereits einen neuen Sozialtrakt, der ist jetzt zu klein. Der neue Trakt, auch mit der Küche, ist natürlich viel größer und moderner.“

Insgesamt arbeiten in dem Betrieb 59 Vollbeschäftigte. Bewirtschaftet werden 3800 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche. Zum Viehbestand gehören aktuell 1350 Milchkühe, 2000 Jungrinder und 650 Mutterkühe. Die Biogasanlagen in Pinnow und Boberow haben eine Leistung von 880 kW/h. „Die Abwärme in Pinnow wird effektiv genutzt. Hauptabnehmer ist eine benachbarte Anlage zur Aufzucht von Putenküken. Den Rest verwerten wir als Prozesswärme für die Biogasanlage und zur Fischproduktion. Damit sichern wir in den Behältern, in denen pro Jahr ca. 35 Tonnen Afrikanische Welse produziert werden können, eine Aufzuchttemperatur von 28 Grad“, erläutert Siegfried Schlestein. Elektroenergie erzeugt die Genossenschaft auch durch Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 286 kW Peak auf betriebseigenen Dächern in Pröttlin und Pinnow.  

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