Starke Männer braucht das Land

<strong>André Seltmann aus Rostock beim Longlift:</strong> 90 Kilogramm müssen  über den Kopf gestemmt und gehalten werden. Wer in 75 Sekunden die meisten Wiederholungen schafft, gewinnt die Disziplin.<fotos>Lars Reinhold</fotos>
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André Seltmann aus Rostock beim Longlift: 90 Kilogramm müssen über den Kopf gestemmt und gehalten werden. Wer in 75 Sekunden die meisten Wiederholungen schafft, gewinnt die Disziplin.Lars Reinhold

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10. März 2013, 07:46 Uhr

Putlitz | Eisen, Schweiß, urgewaltige Muskelkraft und unbändiger Wille: Das sind die Ingredienzien, die einem Strongman-Wettkampf, seine außerordentliche Faszination verleihen. Diese Faszination gab es am Samstag erstmals in der Prignitz zu erleben, als der Newcomer-Cup der German Federation of Strength Athletes in Putlitz in die Saison startete.

Zwölf Athleten, unter anderem aus Berlin, Hamburg, Rostock und Mitteldeutschland, sind zum Wettkampf angemeldet, wollen in vier Disziplinen ihre Kraft und Ausdauer unter Beweis stellen. Frank Mücke aus Putlitz, Mitveranstalter und selbst Strongman-Sportler, muss indes krankheitsbedingt passen. "Es ist schade, ich hatte mir natürlich Chancen ausgerechnet, aber die Gesundheit geht vor", sagt er sichtlich enttäuscht. Gemeinsam mit dem Wittstocker Andreas Hordan hat er die starken Männer in die Gänsestadt geholt. "In Wittstock haben wir diesen Ausscheid bereits sechs Mal organisiert, wegen fehlender Sponsoren mussten wir 2013 Mal umplanen", sagt Hordan.

Den Vergleich mit Bodybuilding lehnt der Hüne kategorisch ab. "Strongman hat damit absolut nichts zu tun", stellt er klar. "Natürlich spielt Muskelkraft eine Rolle, genauso wichtig sind aber Ausdauer, Geschicklichkeit und der Wille, zu siegen. Aber nicht über den Gegner, sondern den eigenen Schweinehund." Es gebe bei den meisten Disziplinen keine Zielvorgabe, jeder kämpfe, solange es die Kraft zulasse, sagt Hordan, der selbst schon mehrfach erfolgreich an Strongman-Wettbewerben teilgenommen hat.

Als erstes steht die Disziplin Longlift auf dem Programm: Eine 90 Kilogramm schwere Hantel muss vom Boden über den Kopf gestemmt werden. 75 Sekunden, hat der Athlet Zeit, wer die meisten Wiederholungen schafft, siegt. Im Anschluss geht es an den Conan-Zirkel, der seinen Namen zu Recht mit dem Filmbarbaren teilt. Hier muss der Sportler 320 Kilogramm an einem drehbar gelagerten Arm heben und mit der Last möglichst viele Runden laufen. Disziplin drei kennen die meisten Zuschauer nur vom Urlaub: Koffertragen. Nur dass hier nicht Klamotten und Souvenirs an den Armen zerren, sondern Stahl. 110 Kilogramm pro Seite. Dem Normalbürger wird allein beim Gedanken an den Gepäckzuschlag schwindelig, die Strongmänner hingegen legen Bahn um Bahn mit schnellen Schritten zurück, bis sich die Hände unter der Last öffnen und die Koffer auf den Boden krachen. Zum Schluss wartet die Kugel. 150 Kilogramm Masse müssen über eine 110 Zentimeter hohe Stange, so oft es geht in 90 Sekunden.

Urgewaltige Schreie, rote Köpfe und gepresste Atmung lassen keinen Zweifel daran, dass der Wettkampf an die Substanz geht. "Einmal dabei bist du wie im Fieber und wächst über dich hinaus", sagt David Gottschalk aus Berlin. "Wenn der Pfiff des Schiris ertönt, heißt es Tunnelblick und durch." Während Gottschalk mit seiner stämmigen Figur dem klassischen Bild des Kraftsportlers entspricht, wirkt André Seltmann aus Rostock mit seinen durchtrainierten 86 Kilogramm fast deplatziert. "Es ist lustig, wie entsetzt die Leute sind, wenn ich mithalten kann. Der Sympathiebonus ist in jedem Fall auf meiner Seite", sagt er und betont, dass er am Strongman-Sport die Kameradschaft am meisten schätzt. "Man unterstützt sich gegenseitig, trainiert zusammen, das gehört dazu."

Tatsächlich feuern sich die Männer lautstark an, spenden donnernden Beifall, wenn Konkurrenten in ihren schwachen Disziplinen mit aller Gewalt versuchen, nicht ganz ohne Punkte auszugehen.

Nach gut drei Stunden ist der letzte Schweiß vergossen, die letzte Kugel gestemmt. "Es war ein guter und fairer Wettkampf, die Athleten haben tolle Leistungen gezeigt", resümiert Kampfrichter René Marticke. "Und vor allem gab es keine Verletzungen, das ist und bleibt das wichtigste."

Ergebnisse Disziplinen:
Longlift: 1. Krzysztof Kacnerski und Marcus Brummer (beide je 11 Wiederholungen); 3. Christian Thiede (10 Wh.) Conan-Zirkel: 1. Krzysztof Kacnerski (4 Runden + 325 Grad); 2. André Seltmann (3 Rd. + 340°); 3. Alexander Kuppe (3rd. + 270˚) Koffertragen: 1. Alexander Kuppe (80,82 Meter); 2. Stephan Franke (65,81m); 3. Krzysztof Kacnerski (65,79m) Kugel: 1. Marcus Brummer (5 Wh.); 2. Krzysztof Kacnerski und Alexander Krause (beide je 4 Wh.); 3. Alexander Kuppe, Christian Thiede und René Schulze (je 3 Wh.)

Gesamtergebnis: 1. Krzysztof Kacnerski; 2. Alexander Kuppe; 3. Marcus Brummer; 4. Christian Thiede; 5. Alexander Krause; 6. René Schulze; 7. Rouven Flemming; 8. David Gottschalk; 9. Stephan Franke; 10. André Seltmann; 11. Steffen von der Lieth; 12. Kay Münsterberg

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