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Der Prignitzer

22. November 2017 | 23:32 Uhr

Stärkekartoffeln bleiben sein Metier

vom

svz.de von
erstellt am 21.Mär.2012 | 09:37 Uhr

Berge | Seit 1991 baut Hartmut Lossin aus Berge Stärkekartoffeln an und will es auch nach dem Wegfall von EU-Erzeugerbeihilfen, Kontingentierung und Mindestpreisgewährung weiter tun. Wohl wissend, dass die ab diesem Jahr geltenden Änderungen von den Erzeugern mehr Wettbewerbsfähigkeit verlangen und jeder mit Preisschwankungen leben muss. "Als Marktfruchtbetrieb gibt es für mich keine andere Alternative. Auf Biogas umzusteigen geht nicht so ohne weiteres. Auch habe ich bereits zuviel in den Kartoffelanbau investiert, um einfach umzusatteln. Außerdem haben wir die Stärkefabrik Dallmin, die auf ein 100-jähriges Bestehen zurück blicken kann und 2011 für zwei Millionen Euro eine neue Stärkemodifizierungsanlage in Betrieb nahm, als sicheren Standort vor der Tür", meint der 55-Jährige.

Von den 780 Hektar, die er mit fünf Festangestellten und zusätzlichen Saisonkräften bewirtschaftet, sind 120 Hektar mit Stärkekartoffeln bestellt, 200 Hektar mit Raps, der Rest mit Getreidesorten. Die 120 Hektar Kartoffelfläche sind inzwischen alle beregnungsfähig. Sieben Brunnen mit einer Tiefe von ca. 70 Metern wurden dafür gebohrt, hinzu kommt die notwendige Beregnungstechnik - Investitionen von insgesamt 400 000 bis 450 000 Euro.

Angeschafft hat er auch eine stationäre Steintrennanlage, denn es wurde immer mehr zum Problem, Arbeitskräfte zu bekommen, um die Kombines zu besetzen. Die Investition hat sich bewährt, auch wenn der Landwirt dafür 210 000 Euro auf den Tisch legen musste. "Die neue Technik gab einen Schub und neuen Mut, wir könnten damit noch unsere Anbauflächen erweitern", erklärt der Landwirt.

Investiert hat Lossin zudem in die Kartoffellagerung und 2011 begonnen, sie von der Miete auf die Drahtkiste umzustellen. Dafür wurden bzw. werden vorhandene Hallen umgebaut. Einlagern kann der Landwirt dadurch 2000 Tonnen der Gesamtmenge von 4600 Tonnen - ausreichend für die Chargen, die er bis zum Ende der Kampagne im Februar an die Stärkefabrik Dallmin bzw. bis März an das Kartoffelveredlungswerk Hagenow liefert. "Man hat die Kartoffel immer im Auge und kann auf ihren Zustand reagieren", argumentiert Lossin - und meint damit auch die 170 Tonnen Pflanzkartoffeln - 50 Prozent des Pflanzguts, das er seit drei Jahren selbst produziert. "Das hat auch was mit Kosten zu tun", meint Lossin. Um bei Höchstertrag und Stärkegehalt stets auf dem neuesten Stand zu sein, stellt er jährlich sieben Hektar Fläche für Sortenversuche des Pflanzenzuchtunternehmens Europlant zur Verfügung.

All das wirkt sich positiv auf die Qualität der anzuliefernden Knollen aus. Und auf Qualität müssen die Stärkekartoffelanbauer mit dem Wegfall der Mindestpreisgewährung mehr denn je achten. "Früher hatten wir die Quotenregelung, jetzt müssen wir als Anbauer lernen, mit der neuen Marktsituation zurecht zu kommen und mit der Stärkefabrik neue Vertragsbedingungen und Preise aushandeln", so Lossin. Für die Stärkefabriken selbst ergebe sich ebenfalls eine neue Situation, auch sie müssen künftig ohne die von der EU gezahlten Betriebsprämie auskommen und diese Gelder kompensieren, meint der Landwirt, der zugleich Vorsitzender der "Erzeugergemeinschaft für Stärkekartoffeln Dallmin" ist.

Ihr gehören ca. 80 Mitglieder von der Ostsee bis zum Harz mit einer Anbaufläche von 8000 Hektar und einer Liefermenge von ca. 250 000 Tonnen an. Die Kartoffelstärkefabrik Prignitz/Wendland GmbH mit den Standorten Dallmin und Lüchow, die zur weltweit operierenden holländischen Avebe-Genossenschaft mit 9000 Mitgliedern gehört, bot jetzt der Erzeugergemeinschaft an, die Lieferrechte in Anteile umzuwandeln. "Einige Produzenten nahmen das bereits wahr", so Lossin. Auch er entschied sich, Genossenschaftsmitglied zu werden und besitzt nun 140 Anteile mit Lieferrechten für ca. 3600 Tonnen Stärkekartoffeln.

Die Stimmung unter den Kartoffelbauern sei geteilt, sagt der Berger. "Möglicherweise schwenken einige Erzeuger in Richtung Maisanbau und Biogas mit Festpreis um. Wenn dadurch Stärkekartoffeln knapp wird, kann das nur über den Preis reguliert werden. Das ist die Chance für uns, die dabei bleiben, denn bereits heute ist Stärke sehr gefragt. Wir haben die Stärkefabriken Dallmin und Kyritz, die Veredlungswerke Hagenow und Stavenhagen in der Nähe. Sie suchen alle denselben Rohstoff, da passen wir ’rein", ist Lossin überzeugt.

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