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Der Prignitzer

16. Dezember 2017 | 14:03 Uhr

Stadtverwaltung reißt Kunstwerk ab

vom

svz.de von
erstellt am 04.Dez.2012 | 07:19 Uhr

Wittenberge | Die Stadtverwaltung hat die Stelen vor der Allende-Grundschule abgerissen. Der Müggendorfer Bildhauer Guntram Kretschmar schuf das Kunstwerk, das Georgi Dimitroff gewidmet war. Die Mitte der 70er Jahre errichtete Polytechnische Oberschule trug seinen Namen.

Dem Abriss des Denkmals soll, so haben Recherchen des "Prignitzers" ergeben, ein Beschluss der Schulkonferenz vorausgegangen sein. Einstimmig votierten deren Mitglieder für den Abbruch , so hieß es gestern gegenüber der Redaktion.

Notwendig soll das Votum gewesen sein, weil es in dem Sockel bzw. den Sockeln Risse gab. Eine Reparatur hätte angestanden. Statt jener, die natürlich Geld gekostet hätte, entschied die Stadtverwaltung sich für den Abriss der Kunst.

Der Abbruch blieb, auch wenn die Stadt zügig zu Werke ging, nicht unbemerkt. "Ich kann es gar nicht begreifen, das Georgi-Dimitroff-Denkmal ist verschwunden", mit diesen Worten meldete sich Klaus Sowa beim "Prignitzer". Er ist nach eigenen Worten fassungslos und sehr ärgerlich. "Ich erwarte, dass die Verantwortliche erklären, was sie zu diesem Schritt bewogen hat", verlangt Sowa Aufklärung. Das mögliche Argument, die Dimitroff-Stelen wären vor einer Allende-Schule deplatziert, deshalb mussten sie weg, lässt er nicht gelten. "Erstens ist es ein Stück unserer Geschichte und außerdem hätte man ja wohl über einen anderen Platz nachdenken können", positioniert sich Sowa. Man müsse es nur wollen.

Wollte die Stadtverwaltung es nicht? Waren ihr die Stelen mit den Worten Frieden, Vernunft, Hoffnung und den drei Halbreliefs von Georgi Dimitroff egal oder nicht mehr zeitgemäß?

Der "Prignitzer" bat gestern Bürgermeister Dr. Oliver Hermann um Auskunft. Das Stadtoberhaupt hielt sich bedeckt, bestätigte aber, dass "sich die Stelen im Eigentum der Stadt befanden und abgerissen worden sind". Er werde, so erklärte Dr. Hermann, heute Abend in der Stadtverordnetenversammlung öffentlich zu dem Vorgang informieren.

Damit gab es gestern dann auch noch keine Antwort auf die Frage, was mit den von Kretschmar geschaffenen Bild- und Schrifttafeln geschehen ist. Es gibt allerdings einige Anzeichen dafür, dass die Arbeiten des Bildhauers zerschlagen wurden. Dass die Stadt auch anders agieren kann, belegt die Skulptur des Recken Siegfried, die die Verwaltung im Clara-Zetkin-Park aufstellte, obwohl das sicher auch Geld gekostet hat.

Klaus Sowa erinnert sich noch gut, "wie damals das Denkmal für die Schule entstanden ist". Er war zu jener Zeit Schulleiter. "Wir haben sehr engen Kontakt mit Guntram Kretschmar gehabt. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte er drei Entwürfe für das Denkmal angefertigt. Wir als Vertreter der Schule haben uns mit dem Bildhauer getroffen, mit ihm die Vorschläge diskutiert." Mit finanziert, auch das erzählt Sowa noch, haben Mädchen und Jungen die Stelen vor ihrer Schule. Sie haben nämlich jede Menge Altstoffe gesammelt, bis 8000 DDR-Mark zusammengekommen waren.

Im Gegensatz zum Stadtoberhaupt positionierte sich gestern der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Wolfgang Strutz, auf Redaktionsnachfrage: "Ich halte die Vorgehensweise der Verwaltung für völlig falsch. Die Politik hatte darüber zu entscheiden, was mit diesen Stelen passiert." Das sei nicht erfolgt. Darüber sei er als Stadtverordnetenvorsitzender mehr als enttäuscht. Strutz stellte in Aussicht, er werde heute Abend im Tagesordnungspunkt Anfragen der Abgeordneten den Parlamentariern die Gelegenheit zur Diskussion einräumen.

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