Stadtfest-Jubiläum mit einem Sahnehäbchen

Überglücklich sind die Wittenbergerinnen Celina Gryczan und Julia Hensler, die ein Autogramm von Checker ergattern.
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Überglücklich sind die Wittenbergerinnen Celina Gryczan und Julia Hensler, die ein Autogramm von Checker ergattern.

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22. August 2010, 09:59 Uhr

Wittenberge | "Aber bitte mit Sahne" sang die charmante Bulgarin Delya der Gruppe Trio 3 in Eins einen Evergreen von Udo Jürgens. Dieses Sahnehäubchen gebührt dem gesamten Wittenberger Stadt-und Hafenfest, denn Besucher waren voll des Lobes, wie die jungen Musiker aus Razgrad.

"Wir finden es hier wunderschön", sagt Nadejda Dimitrowa, künstlerische Leiterin der Band. Delya am Klavier, Marina an der Gitarre und Christo am Saxophon besuchen in Razgrad eine Spezialschule für Musik, die schon oft nationale und internationale Preise gewann. Erst seit sechs Monaten spielen sie gemeinsam, präsentieren den Besuchern ein erstaunliches Repertoire einschließlich Udo Jürgens. "Der ist bei uns sehr beliebt und die Schüler haben dieses Lied selbst als ein Geschenk für die Wittenberger ausgewählt", verrät Nadejda Dimitrowa.

Musik ganz anderer Art erklingt ein Stückchen die Straße hinauf. Vier Drehorgeln spielen Klassik und Pop, ja sogar manch einen Rocktitel. "Bei uns ist alles dabei", so Klaus Steinborn als Leiter des Norddeutschen Drehorgel-Show-Orchesters. Die Bauweise der Drehorgeln sei seit 300 Jahren unverändert geblieben, aber die Notenbandsteuerung übernimmt heute ein Mikrochip, der auch die Percussion-Instrumente mit steuert. Musizierend ziehen sie durch die Bahnstraße, immer auf der Suche nach einem nicht allzu lauten Platz. "Bei uns erklingen Naturtöne, einen Lautstärkeregler gibt es nicht", erklärt Steinborn.

Ganz ohne Musik kommen der Schauspieler Udo Schenk und die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Ziegler aus. Sie werben um Unterstützung für den Aufbau des Turm der katholischen Kirche. Für Schenk ist es das dritte Stadtfest in Folge. Er spricht von einem "Spendenmarathon", den er als gebürtiger Wittenberger gern begleite. "Bisheriger Höhepunkt für mich war die Benefizveranstaltung im Februar. Das Haus war voll, das Programm kam beim Publikum gut an ", sagt Schenk.

Dagmar Ziegler engagiert sich erstmals für dieses Vorhaben. "Parteipolitische oder konfessionelle Hintergründe spielen für mich dabei keine Rolle", so die Politikerin. Es mache Sinn, der Stadt ihren fünften Turm zurückzugeben.

Diesem Ziel ist der Förderverein wieder ein Stück näher gerückt, wie der Vorsitzende Günter Mikolasch informiert: "Unsere aktuelle Spendensumme liegt bei 37 801,75 Euro." In der zurückliegenden Woche habe ein Wittenberger einen größeren Einzelbetrag gespendet.

Auch Festbesucher spenden, zum Beispiel Peter Becker. Der Wilsnacker arbeitet bei einer Baufirma. "Wir haben von den Kirchen schon häufiger Aufträge erhalten, deshakb unterstütze ich dieses Ziel. Außerdem ist es wichtig, alte Gebäude zu erhalten", sagt Er. Die Spende wirft Tochter Lena in die Box.

An den vielen bunten Luftballons kommt Leonie einfach nicht vorbei. Am besten gefällt ihr der Schmetterling, den sie wenig später in ihren Händen hält. "Wir finden es hier prima, es ist eine Menge los", sagt Muttin Bianca Howe. Die Fahrt von Weisen hierher habe sich gelohnt.

Sogar aus Berlin kam Familie Lücke mit ihren Kindern Nils und Sina angereist. Mit dabei die Großeltern Carola und Klaus Werner. Sie feierten in diesem Jahr ihren 40. Hochzeitstag. "Da haben wir ihnen einen Tagesausflug geschenkt", erzählt Claudia Lücke.

Nah bei Berlin sollte es sein und allen Spaß machen. Im Internet stießen sie auf die Ankündigung für das Stadt- und Hafenfest, schnell war die Entscheidung getroffen. "Eine tolle Atmosphäre, wir hatten unseren Spaß", sagt Matthias Lücke am Ende eines langen Tages und von der Draisinenfahrt noch etwas aus der Puste.

Lückes belegen auf Anhieb den 3. Platz bei den Stadtmeisterschaften im Draisinefahren. Nur das Team Edeka und Ü 60 waren schneller. Allerdings waren auch nicht mehr Mannschaften angetreten. "Es war ruhiger als im Vorjahr", so Wolfgang Hetze vom Verein Historischer Lokschuppen.

Den Besucherstrom bezeichnet er dennoch als gut und der Vorteil war: "Wir hatten mehr Zeit für Gespräche." Wer kam, konnte die neueste Errungenschaft des Vereins besichtigen: Eine Diesellok aus dem Babelsberger Werk, die dort 1961 fertiggestellt wurde.

Sie ist eine Dauerleihgabe der Stadt und soll perspektivisch wieder fahrbereit gemacht werden, kündigt Hetze an. Der Verein wolle Technik zum Anfassen bieten und Wittenberges Bahngeschichte populärer machen. Nächster Termin dafür sei der Tag des offenen Denkmals im September. Dann will der Verein erstmals durch das unter Denkmalschutz stehende Bw-Gelände anbieten, und auch das Bw selbst öffnen.

Wer nach all der Musik und Show bis spät in die Nacht hinein noch immer nicht genug vom Feiern hat, macht nahtlos am Sonntag weiter: Stöbern durch die Bilderuasstellung von Ursula Finke und Roland Schenider im Wasser- und Schifffahrtsamt, übersetzen mit der Fähre zum Königsdeich und bei den Bootsfreunden Kaffee genießen oder der Shantymusik auf der Ölmühle lauschen. Hier spielt auch die Gruppe Speelwark aus Elmshorn - mit Sängerin Stefanie Kock, die nicht nur mit plattdeutschen Texten überzeugt, sondern auch mit Musicals. "Oh happy day" singt sie aus dem bekannten Film "Sister Act". Recht hat sie, welch ein schöner Tag, welch ein schönes Fest.

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