Perleberg : Stadtarchiv soll ins Postamt ziehen

Der Vorgänger des Kaiserlichen Postgebäudes, rechts sieht man schon, wie das neue Gebäude entsteht.
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Der Vorgänger des Kaiserlichen Postgebäudes, rechts sieht man schon, wie das neue Gebäude entsteht.

Kulturausschuss am 5. September soll über entsprechenden Grundsatzbeschluss beraten, Kino am Großen Markt Standort für Bibliothek

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01. September 2017, 10:51 Uhr

Vom alten Kino auf dem Großen Markt als Domizil fürs Stadtarchiv, das inzwischen aus allen Nähten platzt, hatte sich die Stadt offensichtlich komplett verabschiedet. Jedenfalls verschwand der Punkt von sämtlichen Tagesordnungen mit dem Verweis, man prüfe eine andere Variante. Aus dem neuen Standort machte die Stadt allerdings ein Geheimnis. Im Kulturausschuss am 5. September wird nun offiziell, was die Spatzen längst von den Dächern pfeifen. In den Großen Markt 10 (Kino) soll nur die Bibliothek einziehen, das Stadtarchiv hingegen ins Gebäude des ehemaligen Kaiserlichen Postamtes Am Hohen Ende.

Übrigens, jenes war vor Jahren schon einmal im Gespräch, wurde damals aber ad acta gelegt mit dem Verweis, dass alles digitalisiert werde, man den Platz nicht benötige. Ein Irrtum, wie sich angesichts der überquellenden Archivregale und Aktenberge, die sich inzwischen in den Gängen stapeln, herausstellte. Und so liest sich die Begründung heute ganz anders: Mit dem Postamt werden die räumlichen Defizite des Archivs auf lange Sicht gelöst. Zugleich hätte man einen zentrumsnahen und attraktiven Standort für das Gedächtnis der Stadt in einem historischen, das Stadtbild prägenden Gebäude.

Das Vorhaben soll durch den Sanierungsträger BIG Städtebau GmbH umgesetzt werden, im Wesentlichen geht es um die Innensanierung. Die Finanzierung soll mit Mitteln der Städtebauförderung aus dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz erfolgen. Die Stadt trägt dabei 20 Prozent der förderfähigen Gesamtkosten. Die restlichen 80 Prozent kommen dann je zur Hälfte aus Bundes- und Landesmitteln. Der Erwerb des Postamtes ist laut Stadt möglich.

Es war der Maurermeister Anton Kunst, der 1894 bis 1896 das neue „Kaiserliche Postamt“ unter Einbeziehung des Nachbargrundstücks errichtete, erfährt man in der Broschüre „Perleberg entdeckt“. Das alte war einfach zu klein geworden und wurde kurzerhand abgerissen, weiß Hobbyhistoriker Jens Nering.

Weiter erfährt man aus der Broschüre: „Im neuen Postamt befanden sich im Erdgeschoss die Diensträume, im Obergeschoss die Wohnung des Postdirektors. 1899 wurde im Obergeschoss die Fernvermittlungsstelle eingerichtet. 1925 entstand in der Karl-Marx-Straße als Erweiterungsbau ein neues Telegrafenamt.“

Das Aus für das Postamt kam im September 2000, als in der Bäckerstraße 2 die Postfiliale eröffnet wurde. Zwar verblieb, wie aus Unterlagen im Stadtarchiv hervorgeht, die Postzustellung noch bis Ende 2004 im Haus, doch dann zog auch die aus. Seinen letzten öffentlichen Aufritt hatte das Gebäude im Dezember 2005, als es im Rahmen der Aktion „Historischer Adventskalender“ der AG Historische Stadtkerne Brandenburgs nochmals für alle Bürger zugänglich war.

Nach wie vor bleibt das Postamt eines der ganz großen Wahrzeichen der Stadt. Heute zieren Abbilder des Gebäudes Postkarten, 1987 die 20-Pfennig-Briefmarke der vom Ministerium für Post- und Fernmeldewesen ausgegebenen Serie „Historische Postämter“.

Längst haben die Denkmalschützer das Haus unter ihre Fittiche genommen – inklusive des markanten Inventars, wie der historischen Schließfachanlage neben dem Eingang zur Schalterhalle. Strenge Vorschriften gelten auch für Fassade, Dach und selbst die mit den roten Klinkern gemauerte und mit Toren gesicherte Zufahrt zu dem Gebäude.

Der Kulturausschuss ist der erste, der über einen Grundsatzbeschluss debattiert, wonach die Verwaltung beauftragt wird, die weitere Planung voranzutreiben, um das Vorhaben umzusetzen. Das letzte Wort hat die Stadtverordnetenversammlung am 12. September.

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