Stadt konzentriert sich auf ihre Mitte

Der Heinrich-Heine-Platz gehört zu den schönsten in der Stadt, findet jetzt auch wieder mehr Beachtung.
Der Heinrich-Heine-Platz gehört zu den schönsten in der Stadt, findet jetzt auch wieder mehr Beachtung.

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03. Februar 2011, 06:29 Uhr

Wittenberge | Bis zum Jahr 2030 wird Wittenberge weiter schrumpfen. Demografen gehen davon aus, dass in 20 Jahren 12 500 Menschen in der Elbestadt ihr Zuhause haben, derzeit sind es noch knapp 19 000. Zur Wende zählte Wittenberge an die 28 000 Bewohner. Fachleute sprechen davon, dass der Wegzug junger Leute vor allem zu Beginn der 90er Jahre, die auf der Suche nach Arbeit die Stadt verlassen mussten, kaum mehr auszugleichen sei. Es fehlt praktisch eine Generation mit ihren Kindern.

Wie kann die Kommune auf den dramatischen Einwohnerschwund der nächsten zwei Jahrzehnte reagieren? Ein Konzept zur Entwicklung der Innenstadt soll helfen, Probleme in den Griff zu bekommen, die Stadt trotz Schrumpfens lebenswert und liebenswert zu erhalten. Seit dem vergangenen Jahr wird an diesem Konzept gearbeitet. Die Stadtverordneten betrauten damit das Potsdamer Büro Ernst Basler und Partner. Einen ersten Überblick zum Arbeitsstand erhielten sie jetzt.

Spätestens seit Beginn des Stadtumbaus ist es erklärtes Ziel, die Innenstadt zu stärken, Wittenberge von den Randbereichen aus zu schrumpfen. Entsprechend gezielt werden Förderinstrumente und -geld eingesetzt. Aber auch die innerstädtischen Bereiche sind mit Problemen behaftet, die mit dem weiteren Bevölkerungsrückgang nicht geringer werden. Es geht um den Wohnungsleerstand.

Wie Christiane Büttner vom Büro Ernst Basler sagt, befinden sich in der Innenstadt rund 5000 Wohnungen, 3600 sind saniert. Trotzdem stehen zwölf Prozent leer. 280 Wohnungen sind von den Eigentümern zum Teil saniert worden. In 1360 Quartieren ist seit der Wende nichts zur Verbesserung des Standards getan worden. Entsprechen hoch ist hier der Leerstand: 80 Prozent.

Die Stadtplaner gehen davon aus, dass im Jahr 2030 etwa 40 Prozent der Wittenberger im innerstädtischen Bereichen ihr Zuhause haben. In Zahlen ausgedrückt sind das etwa 5100 Leute. Sie benötigen - legt man die künftige Haushaltsgröße von durchschnittlich 1,57 Personen zu Grunde - zirka 3300 Wohnungen. An diesen Zahlen wird schon die Herausforderung deutlich, denen sich Stadtverordnete, Verwaltung und Planer in den nächsten Jahren stellen müssen. "Angesichts dieser Entwicklung müssen wir uns auf bestimmte Straßenachsen und Stadtgebiet konzentrieren. Wir haben nicht die Kraft, alles zu erhalten. Deshalb muss genau überlegt werden, wohin Fördermittel fließen, wo die Stadt mit eigenem Geld kofinanzieren will", sagt Christiane Büttner.

Aus Sicht des Planungsbüros gibt es 70 herausragende Gebäude mit 440 Wohnungen, die auf jeden Fall zu erhalten sind. Die Häuser befinden sich zum großen Teil im Jahnschul-Viertel, aber auch in der Nähe des Rathauses im Bereich Ernst-Thälmann-Straße/Karl-Marx-Straße/August-Bebel-Straße.

Das in Erarbeitung befindliche Innenstadtkonzept nennt auch die Quartiere und Stadtachsen, die erhalten werden sollten. Ganz oben rangiert das Jahnschul-Viertel mit seiner Nähe zum Bahnhof und zur Bahnstraße. Hervorhebenswert sind auch die Bemühungen der Awo, durch spezielle Wohnformen hier Menschen anzusiedeln.

Auch die Bahnstraße verdiene besondere Beachtung sowie der Bereich, der die Anbindung Richtung Elbe schafft. Die Altstadt ist weitgehend saniert. Stadtprägende Bedeutung messen die Fachleute auch der Achse von Karl-Marx- und Ernst-Thälmann-Straße bei und dem Bereich Stern-August-Bebel-Straße bis hin zum Park. Diese Bereiche sind künftig weitere Handlungsfelder.

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