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Bilder von der Balkanroute : Stacheldraht in Europa

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Erik Marquardt zeigt in der Ibis-Schule beeindruckende Fotos von Flüchtlingen entlang der Balkanroute

von
erstellt am 12.Apr.2016 | 10:00 Uhr

Wittenberge | Stacheldrahtzäune, wie wir sie von der innerdeutschen Grenze kennen und nie wieder in Europa sehen wollten. Menschen laufen auf Bahngleisen, eine Frau trägt ein Baby im Arm. Ein dickes Vorhängeschloss im Vordergrund, hinter dem Maschendraht ein lachender Junge. Er ist eingesperrt, aber glücklich, denn er ist in der EU. Bilder wie diese zeigt Erik Marquardt seit gestern in der Ibis-Grundschule Wittenberge.

Seit dem letzten Jahr dokumentiert er Flüchtlinge auf der Balkanroute, war seitdem mehrfach in Griechenland und der Türkei. Erst vor wenigen Tagen kehrte er aus dem Flüchtlingslager Idomeni an der nordgriechischen Grenze zurück.

Nur fünf bis 15 Kilometer trennen Flüchtlinge in der Türkei von griechischen Inseln. Tagelang warten sie, bis Schlepper das Boot bringen. „In den Geschäften gibt es Schwimmwesten zu kaufen“, sagt Erik Marquardt. Er hat Schlepper fotografiert, die Menschen im Boot schlagen, damit diese dichter zusammenrücken und Platz machen für noch mehr Menschen. Hier geht es nicht um humanitäre Hilfe, sondern um Profit.

Ob die humanitäre Hilfe auf Lesbos beginnt, ist eine Frage der Interpretation. „Manche stehen zehn Tage lang in einer Warteschlange, um Papiere zu bekommen. Sie streiten um ein Stück Pappe als Unterlage für die Nacht“, sagt der Fotograf. Für wenige Stunden schlafen sie in ausrangierten großen Kühlschränken. Unvorstellbar? Seine Fotos beweisen es.

In Idomeni warten mehr als 11 000 Menschen auf ihre Weiterreise. Am Sonntag gab es Verletzte bei Ausschreitungen. Zelte stehen im Matsch, nachts sinken die Temperaturen noch auf drei bis fünf Grad. „Es gibt Dixiklos, aber keine Waschräume, nur Wasserhähne. Regenwasser mischt sich mit Abwasser und menschlichen Exkrementen.

Not macht erfinderisch. Es gibt kleine Waschzelte, in denen Mütter Wasser erhitzen und ihre Kinder waschen können. Helfer versuchen, die Not zu lindern und manchmal dröhnt abends Musik aus großen Boxen. Kinder spielen Fußball, lachen beim Seilspringen und die Erwachsenen treten im Boxkampf gegeneinander an. „Sie machen das beste aus ihrer Situation, geben ihrer Hoffnung Ausdruck“, erzählt Erik Marquardt.

Er selbst ist vom Fotografen zum Helfer geworden, unterstützt in der Logistik, hilft mit privatem Geld, das er durch seine Fotos verdient. Er will wieder zurück nach Idomeni.

Seine Fotos können in der Ibis Schule am kommenden Samstag und am 30. April von 9.30 bis 15 Uhr besichtigt werden. Außerhalb dieser Zeiten bittet die Schule um Anmeldung unter: gs@montessori-wittenberge.de

 

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