Perleberg entdecken : Spurensuche mit Blick nach oben

Modern, dennoch kunstvoll und zum Ambiente passend ist dieser Ausleger für einen Frisör. Fotos: Dr. Wolfram Hennies
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Modern, dennoch kunstvoll und zum Ambiente passend ist dieser Ausleger für einen Frisör. Fotos: Dr. Wolfram Hennies

Im Themenjahr 2016 „HandArbeit! Handwerk im Zwiespalt der Zeiten“ bietet sich eine Entdeckungstour der anderen Art durch die Stadt an

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16. März 2016, 12:00 Uhr

Das Kulturlandjahr 2016 nimmt in Perleberg seinen Lauf. Bereits seit 2005 ist die Rolandstadt im Rahmen ihrer Mitgliedschaft in der AG Städte mit historischen Stadtkernen bei den Themenjahren mit eigenen Ideen und Beiträgen vertreten. Das Spektrum ist außerordentlich vielfältig und hinterließ in jedem Fall positive Spuren in der Stadt. Man erinnere sich nur an 2011, als es um Kinos in Perleberg ging, oder an 2007, als der Blick auf das Thema Wasser gerichtet war.

Im Themenjahr 2016 – „HandArbeit! Handwerk im Zwiespalt der Zeiten“ – lohnt es sich, ganz einfach einmal selbst auf Spurensuche zu gehen. „Wer hat eigentlich schon mal genau auf die Ausleger im Stadtkern geachtet, die an vielen Häusern über den Köpfen der Passanten angebracht sind? Historische und moderne, wenn auch mit Gespür für das historische Umfeld nachempfundene, sind Details, die den Reiz des historischen Zentrums ausmachen“, meint Martina Hennies vom Sachbereich Kultur in der Stadtverwaltung. Sie erinnert daran, dass es schon vor weit mehr als einem Jahrhundert das gab, was man heute neudeutsch „eyecatcher“ nennt. Es lohne sich, da mal genauer hinzuschauen.

In der Stadt, die sich derzeit auf ihre 777-Jahrfeier vorbereitet, spielte das Handwerk über Jahrhunderte eine große Rolle. „1925 gab es beispielsweise 17 Bäckereien, 16 Fleischereien, 15 Friseure, 20 Maler und Lackierer, 26 Herrenschneider und 21 Damenschneiderinnen, 34 Schuhmacher, 16 Tischlereien“, zählt Martina Hennies auf. Das Warenangebot und der Kundenbedarf hätten sich seitdem mit Konfektionsware, Warenhäusern und Supermärkten verändert. Völlig verschwunden seien überdies Berufe, deren Produkte der Kunde nicht mehr benötigt: Böttcher, Drechsler, Färber, Gerber, Handschuhmacher, Korbmacher, Kürschner, Messerschmied, Sattler, Schmied, Schlosser, Seifensieder, Seiler, Stellmacher und Töpfer gehören dazu. Auch deren kunstvolle Ausleger wiesen in den Straßenzügen auf die jeweilige Werkstatt hin. „Die meisten sind verschwunden oder wichen um 1900 plakativer Schriftwerbung an Hauswänden und Giebeln, wie zum Beispiel in der Uferstraße für die Tischlerei Schabrod und in der damaligen Moltkestraße für den Photographen Ebert“, erläutert Martina Hennies, in deren Händen seit Jahren die Kulturland-Beteiligungen Perlebergs liegen.

Am 26. Juni findet auf dem Großen Markt der Auftakt für das Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt „HandArbeit! Handwerk im Zwiespalt der Zeiten“ statt. Weitere Veranstaltungen widmen sich im Verlauf des Jahres dem Thema. Darunter gibt es einen Tag der offenen Werkstatt, der am 17. September zum bundesweiten Tag des Handwerks zwischen 10 und 12 Uhr Interessierten Einblicke in Perleberger Handwerksbetriebe ermöglicht.  

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