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Ausgrabungen Seddin : Spurensuche auch mit Staubsauger

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wie ist der Hügel genau konstruiert und was hat es tatsächlich mit den Steingruben auf sich? – Forschung in Seddin soll Aufschluss bringen

von
erstellt am 29.Jul.2015 | 22:00 Uhr

Wenn bei Seddin auf freiem Feld ein Bodenstaubsauger weithin zu hören ist, dann hat hier nicht etwa jemand einen riesigen Putzfimmel, sondern es sind mit Sicherheit wieder Archäologen am Werk, um weitere Geheimnisse rund ums bronzezeitliche Grab des Königs Hinz zu lüften. Die Frau mit dem Staubsauger ist Sophie Heisig aus Thüringen, fast fertig mit dem Bachelorstudiengang Grabungstechnik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, dem sie ein Studium der Archäologie an der FU Berlin anschließen wird.

Neben dem Staubsauger bedient sich die junge Frau einer sehr modernen Fotodokumentationsmethode: „Structure from motion heißt das, ein relativ neues fotografisches Verfahren. Die Steine, so wie sie in der Grube von oben nach unten geschichtet wurden, werden einzeln nacheinander fotografiert. Auf Basis einer Serie von Digitalfotos kann so ein 3D-Modell erstellt werden. Lässt man die Fotos rückwärts laufen, gewinnt man weitere Erkenntnisse zum Verfüllungsszenario“, erläutert Jens May, Referatsleiter im Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege.

Noch immer sind sich Experten nicht einig, warum und wofür die Steingruben nahe des Hünengrabes einst angelegt worden sind. Seine skandinavischen Kollegen, so Jens May, votieren mehrheitlich dafür, dass das Kochgruben gewesen sein sollen. Er selbst und weitere Wissenschaftler gehen eher von einer kultischen Bedeutung aus. Nach dem in Seddin altbewährten „Prinzip der kleinen Nadelstiche“ ist das Team um Jens May drei Wochen lang damit beschäftigt, weiteres Licht in den Konstruktionsplan des Grabhügels zu bringen. Raumgreifende Grabungen, z. B. im Inneren des Hügels, seien in Seddin wegen der Beschaffenheit des Untergrundes ganz einfach nicht möglich, so Jens May. Statt dessen erstellen im Innenbereich der Hügelanlage – oberirdisch – Archäologiestudenten und Volontäre des Landesamtes derzeit einen Schnitt, weitere Gruppen sind an anderen Positionen dabei, dem tatsächlichen Aufbau des Hügels und somit dem „Baugeschehen“ in der Bronzezeit auf die Spur zu kommen.

Es geht also beim gegenwärtigen Einsatz nicht so sehr darum, spektakuläre Funde aus der Zeit um 830 vor Christus zu Tage zu fördern, sondern eher um Konstruktionsmechanismen, mit denen unsere Vorfahren arbeiteten. Dennoch, so Jens May, sei man in der freigelegten Steingrube durchaus fündig geworden – Lehmbröckchen und kleine, verbrannte Knochen. Das sei schon etwas Bedeutsames, so der Experte. Auch bearbeitete Steine sowie ein Exemplar, das Reste eines roten Farbstoffs aufweist, lassen die Herzen der Archäologen höher schlagen. Das alles wird im Nachgang noch genauestens untersucht. In der kommenden Woche rücke die physische Geografie an, um sich in die Forschungsarbeit am Hinz-Grab einzuklinken, blickt Jens May voraus.

Finanziert werden die Arbeiten in Seddin aus dem „Exzellenzcluster Topoi“, ein interdisziplinärer Forschungsverbund, der im Oktober 2007 erfolgreich aus der zweiten Runde der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder hervorgegangen ist und dessen zweite Förderperiode derzeit läuft. Im Forschungscluster arbeiten u. a. Wissenschaftler aus den Disziplinen Archäologie und Geografie. „Topoi“ ist zu gleichen Teilen an der Freien Universität und der Humboldt-Universität Berlin angesiedelt.  

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