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Der Prignitzer

17. Oktober 2017 | 11:42 Uhr

Prignitz : Spuren deuten auf Wolfsattacke

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Trittspuren und Bissprofil: Jagdpächter sind sicher, dass Isegrim ein Hirschkalb gerissen hat. Zweiter Fall innerhalb eines Monats

svz.de von
erstellt am 03.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Im vergangenen Spätherbst hielten Wolfsrisse besonders in der Westprignitz zwischen Wustrow und Karstädt viele Bauern auf Trab. Mehrere Schafe und ein Kalb wurden getötet. Spuren legen nun nahe, dass Isegrim auch im südöstlichen Teil des Kreises rund um die Havel unterwegs sein könnte.

Seinen „Neujahrsbraten“ hat er sich auf einem Acker an der B 107 zwischen Glöwen und dem sachsenanhaltischen Havelberg geholt, unweit der Tankstelle in Fahrtrichtung Glöwen. „Ich bekam einen Anruf von einem Jagdkollegen, dass er ein gerissenes Stück Rotwild entdeckt hat, an dem sich jetzt die Kolkraben laben“, sagt der Pächter und Revierinhaber des Havelberger Jagdbogen I, Adolf Winter. Der Jagdbogen erstreckt sich von der Ortschaft Toppel bis nach Havelberg. Adolf Winter ist hier seit 1991 Pächter. Er machte sich gemeinsam mit dem Nitzower Weidmann Wolfgang Merda auf den Weg zum Ort des Geschehens. „Wir können hier auf dem Acker, gleich hinter dem Pappelstreifen, zahlreiche Fährten des Rotwilds erkennen. Sie verlaufen in viele verschiedene Richtungen, was darauf schließen lässt, dass der Wolf das Wild lange gejagt hat“, sagt Adolf Winter. Dass es ein Wolf war, haben die erfahrenen Jäger sofort an der Fährte von Meister Isegrim gesehen. „Das etwa zwölf Zentimeter lange Trittsiegel ist recht tief in den Ackerboden eingedrückt. Wir haben es hier mit einem großen Wolf zu tun, der etwa 40 Kilogramm schwer sein müsste.“ Auf den Ackerflächen, die linkerhand der Zuwegung zur Fundstelle des gerissenen Hirschkalbs liegen, waren ebenfalls deutliche Fährten des Wolfs zu erkennen.

Das lässt darauf schließen, dass das Wild aus Richtung Nitzow in diesen Jagdbogen gehetzt wurde. Vermutlich war es ein einzelner Wolf, denn kleinere Fährten waren nicht sichtbar. Das getötete Rotwild bot einen schrecklichen Anblick: Der für den Wolf typische Kehlbiss war zu sehen. „Der Wolf beißt zunächst dem Hirschkalb in die Achillessehne, um das Flüchten zu verhindern. Dann folgt der Biss in die Kehle, der sogenannten Drossel“, umschreibt Adolf Winter.

Das ausgerissene Hinterbein, an dem die Achillessehne zu finden war, lag etwas entfernt von dem toten Hirschkalb. Es ist nicht das erste Mal, dass in der Nähe der Hanse- und Domstadt Havelberg der Wolf gesehen wurde. Vor einem Monat fanden an anderer Stelle Jagdpächter ein vom Wolf gerissenes Stück Rotwild. Ralf Jahnke, Vorsitzender der Rotwild-Hegegemeinschaft hatte sich das gerissene Tier angeschaut und die Wolfsbeauftragte Sachen-Anhalts wurde ebenfalls benachrichtigt.

Auch wenn nach den Vorfällen manche Naturschützer Isegrim besonders schützen wollen und sich manche Tierhalter nun große Sorgen machen, mahnen die Jäger: „Wir wollen nicht die Pferde scheu machen, aber darauf hinweisen, dass zum Beispiel Hundebesitzer ihre Hunde lieber an der Leine lassen sollten. Der Wolf macht, wenn er Hunger hat, auch vor Hunden keinen Halt.“

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