Spinner verdirbt Urlaubern den Spaß

Foto: Tim Schulz/dapd
Foto: Tim Schulz/dapd

svz.de von
04. Juli 2012, 05:48 Uhr

Lenzen | Die Klagen über den Eichenprozessionsspinner reißen nicht ab. Durch die Untätigkeit der Behörden in diesem Jahr ist nun auch der Tourismus in der Region gefährdet. Uwe Neumann als Geschäftsführer des Tourismusverbandes Prignitz spricht von einem Imageschaden, wenn weiterhin nichts unternommen wird.

Nun hat das DRK am Rudower See sein Ferienlager abgebrochen. Was war passiert? Seit 1994 schon pachtet Wolfgang Reitzsch, Geschäftsführer des DRK in Brandenburg an der Havel, ein Privatgrundstück direkt am Rudower See. Jedes Jahr für die kompletten Sommerferien. Doch dieses Mal drohte das Unheil schon bei der Anfahrt. Reitzsch erinnert sich: "Die Allee zwischen Ferbitz und Lenzen sah schon gespenstisch aus. Als wir unsere Zelte aufgebaut haben und die Kinder am 23. Juni angekommen waren, dachten wir auch noch, das würde gehen. Auf dem Grundstück selbst stehen zwar keine Eichen. Doch gegenüber am Waldrand ist die Straße gesäumt. Dann kam heftiger Wind auf, wehte die Härchen herüber. "Innerhalb weniger Tage hatten 50 Prozent der Kinder Ausschläge. Nach einer Radtour hatte jemand Härchen ins Auge bekommen, das sich entzündete", erzählt Reitzsch. Nach Gesprächen mit einem Arzt und einer Apotheke war die Ursache schnell gefunden. "Vergangenen Samstag haben wir entschieden, das Lager sofort abzubrechen. Es hatte keinen Sinn mehr." Für die Kinder eine traurige Erfahrung. Größere Jugendliche hätten geweint, weil sie die Zeit in Lenzen jedes Jahr genossen hätten. "Wir haben uns informiert und sind skeptisch, was die Auswirkungen der Haare in den nächsten Jahren betrifft. Sie liegen auf der Erde und sind auch in den nächsten Jahren noch gefährlich", so der Geschäftsführer und Gründer des DRK-Feriencamps. "Wir sind ernsthaft am Überlegen, künftig woanders hinzufahren, die Entscheidung ist aber noch nicht ganz gefallen." Unklar sei noch der wirtschaftliche Schaden, der ihm entstanden sei. Die Zelte seien voll mit den Haaren.

Unweit davon betreibt Christoph Weidlich den Naturcampingplatz. Er hat das Glück über die drei Eichen auf seinem Grundstück schalten und walten zu können. "Bevor das Kinderferiencamp aus Perleberg mit 52 Kindern kam, habe ich dank der Hilfe eines Landwirtes die Nester mit einer Art Flammenwerfer ausgebrannt. Das hat gewirkt", so Weidlich. Das Camp konnte stattfinden, die Kinder waren zufrieden.

Pech hat, wer von befallenen Eichen auf kommunalen Flächen umgeben ist. So auch das Reitturnier in Blumenthal (Ostprignitz-Ruppin), das am vergangenen Samstag stattgefunden hat. Eine Reitlehrerin aus der Prignitz, die anonym bleiben möchte, nahm an der Veranstaltung mit ihrem Pferd teil. "Mein Pferd hatte nach kurzer Zeit schon Beulen am Körper, zeigte leichte Kolikreaktionen, bekam ein dickes Maul und angeschwollene Augen. Es wurde panisch und unruhig", berichtet sie dem "Prignitzer". So sei es auch anderen Tieren gegangen. Auch Reiter waren betroffen. Schuld waren die riesigen Gespinste an der Straße Richtung Grabow. Das Turnier selbst wurde nicht abgebrochen, doch einige Pferde konnten nicht an den Start. Auch die Prignitzer Reitlehrerin reiste vorzeitig ab.

"Wir bekommen zahlreiche Anfragen von Vermietern und Gaststättenbesitzern, wie sie mit dem Eichenprozessionsspinner umgehen sollen", erläutert Uwe Neumann vom Touristenverband Prignitz. "Wir haben in einem Schreiben den Landrat zum Handeln aufgefordert und unsere Mitarbeit beim Entwickeln von Strategien angeboten." Denn wenn nichts passiert, befürchte er langfristige Imageschäden für die Prignitz. Der Verband wirbt mit dem Naturerlebnis in der Region. Der Vorsitzende des Verbandes und Wittenberges Bürgermeister, Dr. Oliver Hermann, ergänzt: "Wir müssen das Problem im nächsten Jahr unbedingt gemeinsam angehen, sonst nimmt der Tourismus hier noch langfristig Schaden." Heute, so Dr. Hermann, werden Wittenberger sich mit dem Amt Lenzen abstimmen.

Erst am Mittwoch berichteten wir von der Anfrage an den Bundestag, die die SPD-Fraktion eingereicht hatte. Sie will wissen, was der Bund gegen den Eichenprozessionsspinner unternehmen wird

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen