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Der Prignitzer

24. November 2017 | 21:33 Uhr

Spinner: Straßenanwohner atmen auf

vom

svz.de von
erstellt am 17.Apr.2012 | 07:44 Uhr

Wittenberge | Nur noch wenige wärmere Tage und der Eichenprozessionsspinner schlüpft aus den Eiern, wird sich mehrmals häuten und damit auch wieder seine giftigen Härchen verlieren. Wird jetzt nicht vehement eingeschritten, beginnt der Kreislauf von vorne. Zur Erinnerung: Mehrere Familien in der Lenzerwische klagten im vergangenen Jahr über massive Hautausschläge, in der Grundschule Lanz musste zeitweise der Schulhof gesperrt werden. Doch öffentlich vorgegangen wird nur an den Landes- und Kreisstraßen.

Das zugelassene Mittel ist wie in den Jahren zuvor Dipel ES, ein biologisches Insektizid, das die Schädlinge von innen zersetzt. Laut einem Schreiben des Innenministeriums an die Landkreise ist das Sprühen per Hubschrauber - die effektivste Methode - in besiedelten Gebieten nicht erlaubt. Es sei denn, das Land ändert die pflanzenschutzrechtlichen Bestimmungen. Für die Zulassung und die Verwendung unter bestimmten Bedingungen ist das Bundesministerium für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zuständig. Eine Antwort auf eine entsprechende Presseanfrage stand gestern noch aus. "Wir saßen lange zusammen, weil wir eine ordnungsbehördliche Verfügung für die Ämter und Gemeinden erlassen wollten", sagte Dr. Sabine Kramer, Geschäftsbereichsleiterin für Veterinärdienste, Landwirtschaft und Ordnung im Landkreis Prignitz. Mit dieser Anordnung hätten die Ämter eine Handlungsgrundlage zur Bekämpfung aus der Luft gehabt. Jetzt fehle die rechtliche Grundlage. Damit ist ein gemeinsames Vorgehen verschiedener Akteure nicht möglich.

878 Eichen an Kreisstraßen werden gespritzt

Auf diese Verfügung hatte bis zuletzt Jörg Molz vom Ordnungsamt Lenzen-Elbtalaue gehofft. Die Region ist in den Frühjahrs- und Sommermonaten ganz besonders betroffen, eine Bekämpfung vor allem in Wohngebieten unerlässlich. Das Amt hätte sich mit anderen Betroffenen zusammengeschlossen, die Kosten für einen Hubschraubereinsatz geteilt. "Jetzt sind auch uns die Hände gebunden. Wir können nichts weiter tun, außer die öffentlichen Plätze vom Boden aus zu spritzen." Darunter sei aber die Grundschule in Lanz.

Grundstückseigentümer, die befallene Eichen auf ihrem Areal haben, müssen sich allein um die Beseitigung der Schädlinge kümmern. Dipel ES ist frei im Handel erhältlich. Aufatmen können jene, die in der Nähe der Kreis- und Landesstraßen leben. Die Kreisstraßenmeisterei hat einen Antrag für insgesamt 878 Eichen gestellt. Diese stehen zwischen Bälow und Rühstädt, zwischen Rühstädt und Gnevsdorf, zwischen Kletzke und Plattenburg sowie bei Stavenow und im Lenzener Raum bei Wustrow. "Wir hoffen, dass wir Anfang Mai beginnen können", sagte Günter Stoffers, Werkleiter der Kreisstraßenmeisterei.

Auch der Landesbetrieb Straßenwesen in Kyritz wird aktiv. Auf insgesamt 16 Hektar kommt das Gift zur Anwendung. Die Behörde hat bereits eine Firma beauftragt, sagte Sachbearbeiter Wolfgang Stoy. Schwerpunkt werde die B 195 in der Lenzerwische sein. "Dort haben wir starken Befall festgestellt." Auf folgenden Abschnitten wird das beauftragte Unternehmen in der Prignitz unterwegs sein: In Wentdorf und Cumlosen sowie auf der B 195, die beide Orte verbindet, Lenzen bis zur L 13, Kietz bis Baarz kurz vor der Landesgrenze und in Gaarz. Außerdem auf der L 11 einschließlich Breese bis Kuhblank, in der Lenzersilge komplett sowie in Lanz.

Landesbetrieb Straßenwesen: Schwerpunkt Lenzerwische

Stoy rechnet damit, dass Anfang Mai begonnen werden kann. Unter der Voraussetzung, dass optimale Bedingungen herrschen, wie Temperaturen zwischen 10 und 25 Grad sowie wenig Wind. Grundsätzlich wirkt Dipel ES bei den Raupen zwischen der zweiten und dritten Häutung. Die müsse erst noch abgewartet werden. Doch Stoy bittet Anwohner schon jetzt: "Dort wo gespritzt wird, sollten die Menschen die Fenster schließen." Das Insektizid sei zwar nicht giftig für Menschen und Pflanzen, aber es hinterlasse eine gelbliche Färbung. Inaktiv bleibt in diesem Jahr die Oberförsterei Gadow. Sie hatte im vergangenen Jahr noch maßgeblichen Anteil daran, dass Privatwaldbesitzer und die Forstanstalt sich zusammentaten und zumindest einen Teil der Bäume aus der Luft geimpft werden konnten. "Wir haben anhand der Eiablagen, die wir gemeinsam mit dem Landeskompetenzzentrum Eberswalde im Winter untersucht haben, festgestellt, dass für die Eichen keine große Gefahr besteht", erklärte Oberförster Carsten Sander. "Wir könnten nur eingreifen, wenn Eichen in Gefahr sind. Dafür sahen wir keine Notwendigkeit."

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