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Der Prignitzer

17. Dezember 2017 | 03:24 Uhr

Spinner: Population explodiert

vom

svz.de von
erstellt am 26.Jan.2012 | 10:22 Uhr

Lanz | Wie eine dünne braune Panzerschicht bedeckt der Eispiegel des Eichenprozessionsspinners die dünnen Äste der Eichen. Unter dem Reif sind die winzigen 200 bis 300 Eier, die in einem Spiegel enthalten sind, kaum zu erkennen. Nur ein geschultes Auge weiß, womit er es hier zu tun hat. Genau nach diese Eiablagen suchten gestern Experten des Landeskompetenzzentrums Forst mit Sitz in Eberswalde. Gemeinsam mit Mitarbeitern der Oberforstverwaltung Gadow schauten sie sich in den Wäldern und auf dem Schulhof der Grundschule Lanz um.

Das Ergebnis ist nicht unerwartet: "Die Bäume sind massiv befallen, der Zustand ist kritisch", sagte Paul-Martin Schulz vom Landeskompetenzzentrum. Allein in 75 Kronen der Eichen um und auf dem Schulhof der Grundschule Lanz - hier klagten im vergangenen Schuljahr zahlreiche Kinder über Hautausschlag - vermuten die Experten anhand von Stichproben 1500 Eispiegel à 200 bis 300 Eier.

Prekär ist die Situation besonders in lichten Wäldern und Alleebäumen, die im vergangenen Jahr nicht gespritzt worden sind. Bärwinkel, Lenzersilge, Lenzen und Gandow beispielsweise. Kahlfrass im Gadower Forst: Hier mussten auf zwei Hektar Eichen gefällt werden, die nach Aussagen von Galonska "komplett kahlgefressen waren". Die Situation spitzt sich zu. Schlüpfen die Raupen im April, könnte das verheerende Folgen sowohl für den Eichenbestand als auch für den Menschen haben. Die Haare der Raupen lösen bei vielen Menschen allergische Reaktionen bis hin zu Atemnot aus. Besonders gefährlich ist die Raupe, während sie frisst. Innerhalb von Wochen puppt sie sich sieben Mal. Die Wirkung des Nesselgiftes in den Haaren hält Jahre an.

Wie in den Jahren zuvor bekräftigte Galonska deshalb die Forderung nach einer flächendeckenden Bekämpfung - am besten aus der Luft. "Rund 80 Prozent der Raupen können auf diese Weise vernichtet werden", sagt er. Nicht ganz so effektiv, eben weil besonders die Kronen betroffen sind, ist die Bekämpfung vom Boden aus.

Handlungsbedarf gebe es ganz besonders an der Grundschule in Lanz. Den sah das Amt Lenzen-Elbtalaue als Träger der Einrichtung im vergangenen Jahr noch nicht. Jörg Molz vom Ordnungsamt Lenzen-Elbtalaue war gestern ebenfalls vor Ort. Ob und wenn ja wie sich das Amt beteiligen wird, wollte er gestern nicht sagen. Abhängig macht er eine Beteiligung davon, welches Mittel in diesem Jahr zugelassen wird.

Mit Dipel ES bekämpfte das Land 2011 von der Luft aus die Bäume. Das ist in diesem Jahr nur erlaubt, wenn es vom Boden aus eingesetzt wird, erklärte Schulz. Ein anderes Mittel heißt Dimilin. Das ist zwar zugelassen für die Bekämpfung per Hubschrauber, doch ist es nicht ganz so wirksam wie Dipel ES. Hinzu kommt, dass das Land eine Bekämpfungsaktion auf forstwirtschaftlichen Flächen in diesem Jahr nicht mehr finanziell unterstützen wird. Dazu gibt es auch keine gesetzliche Grundlage. Privatwaldbesitzer müssen aus eigener Tasche zahlen. Wichtig ist, dass alle an einem Strang ziehen, um zu verhindern, dass sich der Eichenprozessionsspinner weiter ausbreitet, so die Experten.

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