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Daumendrücken in Wittenberge für Brasilien : Spielt die Seleção, haben alle frei

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Neu-Wittenbergerinnen Nivia Dobberstein und Sirlene do Carmo-Thiemig drücken heute den brasilianischen Fußballern die Daumen.

svz.de von
erstellt am 28.Jun.2014 | 12:00 Uhr

Wenn heute bei der Fußball-Weltmeisterschaft Gastgeber Brasilien um 18 Uhr in Belo Horizonte sein Achtelfinalspiel gegen Chile bestreitet, werden auch in Wittenberge die Daumen ganz fest für das Team des Ausrichters gedrückt. Von zwei Brasilianerinnen: Nivia Dobberstein und Sirlene do Carmo-Thiemig.

Die beiden Freundinnen kennen sich aus der Heimat. Nivia Dobberstein kommt aus Belo Horizonte, Sirlene do Carmo-Thiemig aus einer kleinen Stadt in der Nähe. Gemeinsam absolvierten sie eine Ausbildung zur Köchin. Später bewarben sie sich bei einem Berufsbildungszentrum unabhängig voneinander für einen Austausch im Ausland. Und landeten beide beim BBZ in Wittenberge. Sirlene 2000, Nivia ein Jahr später. Der Ausbilder der beiden: Andreas Dobberstein.

Der Rest ist schnell erzählt. Die beiden Frauen fanden hier ihre Liebe und blieben in der Prignitz. Eine weitere Liebe gilt – das wird im Gespräch sehr schnell klar – dem Fußball. „Ich war schon in Belo Horizonte im Estádio Governador Magalhães Pinto“, erzählt Sirlene do Carmo-Thiemig mit Stolz von einem Stadionbesuch. Und von ihrem Cousin. Der spielt höherklassig und ist in jungen Jahren schon reich. Für brasilianische Verhältnisse.

Fußball als Weg aus der Armut. Das beschreibt auch Nivia Dobberstein: „Die besten Fußballer, Karnevalstänzerinnen, Capoeiratänzer, in Brasilien stammen sie fast alle aus den Armutsvierteln, den Favelas.“ Ein nachdenklicher Moment, doch mit ihrem Temperament lenken die beiden sympathischen Frauen das Gespräch wieder in eine fröhliche Bahn. „Wenn Brasilien spielt, die Seleção, haben alle frei. Geschäfte, Banken, Ämter – alles ist zu. Nur im Krankenhaus wird die Versorgung gesichert“, erzählt Sirlene. In Deutschland undenkbar. Und so erwischt es die beiden Köchinnen heute leider auch. Während der Brasilien-Partie muss Nivias Ehemann Andreas Dobberstein mit seinem Catering-Service eine Feier beliefern.

Deshalb muss Brasilien ins Viertelfinale. Dann können sie ihre Lieblinge wieder bestaunen. Und wen? „Ich mag Neymar, das ist mein Mann. Jung, clever und einfach geblieben“, antwortet Sirlene. Bei Nivia sind es „Paulinho, Neymar und Fernandinho“. „Aber auch die in Deutschland spielenden Luiz Gustavo und Dante sind gut.“

Wenn sie ein Brasilien-Spiel schauen können, dann gibt es Popcorn und brasilianisches Gebäck sowie eine Brause vom Zuckerhut. „Wenn wir gewonnen haben, dann wird hinterher richtig gegrillt. Ein Caipirinha darf auch nicht fehlen. Und wenn wir verloren haben, feiern wir erst recht“, erzählt Nivia.

Was passiert, wenn Brasilien auf Deutschland trifft? „Ich habe ein großes Herz und mag beide Mannschaften. Die passen da rein. Das bessere Team soll gewinnen“, antwortet Nivia diplomatisch. Ihre Freundin agiert auch diplomatisch: „Wir haben zu Hause abgemacht, meine Familie trägt deutsche Trikots, ich ein brasilianisches.“

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