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Blauröcke aus Spiegelhagen und ihr größter Einsatz : Spiegelhagener Wehr feiert 90.

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Festumzug liefert kurzen Abriss der Geschichte, die mit Ledereimer, Patsche und Scheunenbränden begann

von
erstellt am 07.Jul.2017 | 12:00 Uhr

„Im Mai 1927 gab es uns bereits“, betont Holger Schelle, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Spiegelhagen. „Stimmt“, ergänzt Beate Mundt, die sich mit der Geschichte dieser Wehr beschäftigt hat. Und sie kennt auch das Gründungsdatum: Es war der 3. April 1927.

Auf dem Feuerwehrverbandstag Ende Mai 1927 wurden die Spiegelhagener als einer der Neuzugänge aufgeführt. Und noch einen Beleg gibt es für den 90. Geburtstag der Wehr: Eine Einladung der Rosenhagener Kameraden zum 20-jährigen Bestehen der Spiegelhagener Wehr. Bekannt ist auch, dass Wilfried Gerloff der erste Wehrführer war, „sein Stellvertreter war Karl Burow und der Kassierer Landwirt Otto Hacker“, hat Beate Mundt herausgefunden.

Hinsichtlich der Ausrüstung könne man nur vermuten, so Holger Schelle, dass alles mit Ledereimer und Patschen begann. Erzählt werde sich, dass die Wehr eine Handdruckspritze hatte, doch das sei nicht verbrieft. 1928 ist dann die Rede von der Motorspritze, die bei der Abnahmeprüfung der Wehren von Spiegelhagen, Rohlsdorf und Lübzow zum Einsatz kam „und bis in die 60er Jahre ihren Dienst tat. Spiegelhagen war eine der ersten Wehren, die so eine bekam“, ergänzt der Wehrführer. „Das ist aber auch alles, was uns aus den Anfängen unserer Wehr bekannt und geblieben ist“, betont Holger Schelle. Während des Krieges gab es die Wehr mehr oder weniger nur noch auf dem Papier. Die Geschichte beginnt erst Anfang der 60er Jahre, da finden sich Zeitungsberichte über Einsätze der Wehr.

Spiegelhagen, wie auch andere kleine Orte waren damals sogenannte Kommandostellen. 1963 erhielt die Wehr einen Tragkraftspritzenanhänger. „Den gibt es immer noch, allerdings steht er jetzt auf dem Altenteil, ist ein Reliquie unserer Geschichte.“

In den 70er Jahren wurde es dann wieder sehr ruhig um die Wehr. „Es gab sie noch aber mehr pro forma“, weiß Holger Schelle aus Erzählungen. Ab den 80ern war wieder mit den Spiegelhagenern zu rechnen. „Und wir Jungen wollten da mitmischen“, erinnert sich der heutige Wehrführer. So starteten Youngster und gestandene Kameraden gemeinsam beim Wirkungsbereichsausscheid und fuhren gleich den ersten Sieg ein. „Wir waren so verrückt, dass wir sonntags von 8 bis 17 Uhr einen nach den anderen Löschangriff trainiert haben. Wir wollten einfach gut sein, den erfahrenen Kameraden in nichts nachstehen.“ Nicht von ungefähr hieß es: Spiegelhagen kam, kämpfte und siegte.

Übrigens, Chef der Wehr war mit Hannelore Zander damals eine Frau. „Nichts Außergewöhnliches“, weiß Holger Schelle, denn etliche Wehren wurden von weiblicher Hand geführt, beispielsweise auch die Düpower. Den größten Pokal, den sich die Spiegelhagener holten, war der beim Kreisausscheid 1990. „Immerhin haben wir damals auch gegen die Berufsfeuerwehren aus dem RAW und Nähmaschinenwerk gewonnen.“

Mit der Wende wurden aus den Kommandostellen Ortswehren. 1993 kam das Tragkraftspritzenfahrzeug. Das erste Neufahrzeug im Landkreis ging damit nach Spiegelhagen. Was fehlte war eine richtige Fahrzeughalle. Die Stadt stimmte dem Vorhaben zu und so entstand neben der Scheune eine Halle mit zwei Stellplätzen. Dadurch kam die Spiegelhagener Wehr zu einem Schlauchwagen. 1995 hatte der Landkreis einen solchen angeschafft und Spiegelhagen konnte einen Stellplatz anbieten. 14 Tage später kam der auch schon zum Einsatz beim großen Waldbrand bei Gumtow.

Eine Fahrzeughalle hatten sie, aber weder Sozialtrakt noch Räumlichkeiten für Schulungen und dergleichen. Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner – so machten die Spiegelhagener Blauröcke in zwölf Jahren aus der Scheune, die die Zivilverteidigung des Landkreises bis dahin als Lager nutze, ihr Gerätehaus. Immer wie die Stadt etwas Geld locker machen konnte, wurde gebaut – „fast alles in Eigenregie“, betont Holger Schelle. Abbruchsteine haben sie geklopft, gemauert, geputzt, bis auf die Fenster und die Elektrik trägt alles ihre Handschrift, berichtet Schelle, der seit 1986 die Wehr führt und damit wohl der dienstälteste Wehrführer im Landkreis sein dürfte. Vom einfachen Feuerwehrmann wurde er von heut auf morgen zum Wehrführer. „Einer musste es machen, sonst hätte sich die Wehr aufgelöst.“

14 aktive Kameraden zählt die Wehr und „bis jetzt ist nie ein Fahrzeug leer geblieben wenn alarmiert wurde“, betont der Wehrführer, wohl wissend, dass es die Woche über schwer ist, die Bereitschaft am Tage abzusichern. An die 40 Einsätze sind es durchschnittlich im Jahr und damit ist die Spiegelhagener neben der Perleberger, die meist geforderte Wehr in der Stadt. Noch heute in Erinnerung: Der Brand des RAW-Klubhauses oder die Explosion im Pritzwalker Schaumstoffwerk.

Was wünschen sich die Spiegelhagener zu ihrem 90. Geburtstag? „Natürlich, dass wir von jedem Einsatz gesund nach Hause kommen“, unterstreicht ihre Wehrführer. Aber auch handfeste Wünsche verhehlt er nicht: Endlich eine Abgasanlage für die Fahrzeughalle und anschließend frische Farbe für die verrußten Wände.

 

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