Bombensprengung in Breese : Sperrzone trennt die Nachbarn

Gute Reise: Während Peter und Klara Storch (l.) heute ihre Koffer packen müssen, kann Nachbar Manfred Breddin zuhause bleiben. Zwischen ihnen endet die Sperrzone.
Gute Reise: Während Peter und Klara Storch (l.) heute ihre Koffer packen müssen, kann Nachbar Manfred Breddin zuhause bleiben. Zwischen ihnen endet die Sperrzone.

Während die einen Anwohner im Amselweg wegen der Bombensprengung ihre Koffer packen müssen, können die anderen zuhause bleiben

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30. März 2016, 21:00 Uhr

Es geht ein Riss durch den Amselweg. Aber nicht etwa, weil die Straße kaputt ist oder die Nachbarn zerstritten sind. Vielmehr sorgt die Sperrzone für die heutige Bombensprengung dafür, dass die Nachbarschaft getrennt wird. Während die eine Seite quasi das Ende der Sicherheitszone markiert und die Anwohner heute bis 8 Uhr ihre Häuser verlassen haben müssen, können die Bewohner auf der anderen Straßenseite zuhause bleiben. Wie sehen die Betroffenen diese kuriose Situation? Der „Prignitzer“ hat sich unter ihnen umgehört.

„Es ist eben so, dass die 1000-Meter-Sperrzone bei uns endet“, sieht es Peter Storch gelassen. Trotzdem habe die Situation schon für Gesprächsstoff unter den Nachbarn gesorgt. Für Peter Storch hat die Evakuierung keine größeren Folgen. „Ich muss sowieso arbeiten. Sollte ich nach dem Feierabend noch nicht zurück können, gehe ich zu meinem Schwager. Ihm gehört die Bäckerei Götz, die ja nicht in der Sperrzone liegt.“ Angst, dass ein Haus beschädigt wird, hat Storch nicht. „Wir sind weit genug weg.“ Auch Tochter Klara (10) muss in ihren Osterferien nun den Koffer packen. Anders Manfred Breddin. Der 76-Jährige wohnt auf der anderen Straßenseite und ist nicht von der Evakuierung betroffen. „Deswegen bleiben wir auch hier. Wir haben Bekannten, die in dem Sicherheitsbereich wohnen, angeboten, dass sie zu uns kommen können. Man hält eben zusammen. Wie beim Hochwasser 2013“, erzählt der Rentner. Dass der Amselweg heute die Grenze der Sperrzone darstellt, sei eben so.

„Irgendwo sind die 1000 Meter ja zu Ende.“ Nachbarin Angela Knaack-Koch, die ihr Haus verlassen muss, bringt es so auf den Punkt: „Hochgehen werden wir nicht.“ Ihr Mann ist heute auf Arbeit, sie hat frei. „Ich fahre zu meinen Eltern nach Wittenberge.“ Fast gegenüber wohnen Karla Hoppe (75) und ihr Mann. „Wir werden hier bleiben, weil wir genug zu tun haben. Schließlich müssen wir unsere Hühner und Enten versorgen“, sagt Karla Hoppe. Die Frage, ob sie Angst vor der Sprengung habe, quittiert sie mit einem Schulterzucken. „Warum soll ich Angst haben?“ Dann erzählt sie: „Ich habe 1945 den Luftangriff als vierjähriges Mädchen miterlebt. Ich war bei meinen Großeltern in Klein Breese im Garten. Die hatten einen Bunker, in dem wir ausharrten. Aber ich musste immer raus und gucken, was passiert.“ Sie berichtet davon, dass die Flugzeuge den Bahnhof und das Gebiet rund um die alte Brauerei treffen wollten.

Einige Meter weiter wohnt Nico Brandstädter auch auf der „sicheren“ Seite der Straße. „Ich habe mich mit den Nachbarn nicht über die Situation hier unterhalten.“ Der 38-Jährige hat derzeit Urlaub und fährt mit seiner Familie weg. „Ich denke, es passiert nichts.“ Ähnlich sieht es auch Jürgen Koch von gegenüber. „Schäden wird es wohl nicht geben. Die Experten sichern ja alles so ab, dass nichts passieren kann.“ Er selbst ist heute auf Montage, seine Frau wird den Tag bei Bekannten in Wittenberge verbringen.

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