Alles folgt dem bürgermeister : Spaziergang mit Stadtgeschichte

Oliver Hermann (l.) während des Osterspazierganges.
Oliver Hermann (l.) während des Osterspazierganges.

Über 90 Minuten ging es durch Wittenberges Pfade, vorbei an gelungenen Plätzen und Objekten – dem Kulturhaus, der gegenüberliegenden „Illusionsmalerie“, dem Platz vor dem Rathaus – doch immer wieder auch vorbei an vielen Problemfällen.

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28. März 2016, 22:00 Uhr

Einen Osterspaziergang der besonderen Art konnten sich am Samstag alle Interessierten in Wittenberge anschließen. Bürgermeister Dr. Oliver Hermann führte höchstpersönlich durch die Straßen der Elbestadt. Doch so ganz stimmt dies nicht, wie er direkt zu Beginn vor den etwa 40 Besuchern mitteilte: „Ich spreche heute nicht als Bürgermeister, sondern als Bürgermeisterkandidat zu ihnen.“

Grund genug also, knapp drei Wochen vor der Wahl (10. April) einmal auf die Erfolge und Probleme des Stadtumbaus zu blicken sowie mit potenziellen Wählern ins Gespräch zu kommen. So ging es vom Paul-Lincke-Platz, die Bäckerstraße entlang, auf die Perleberger Straße, weiter über die Lenzener Straße zum Rathaus und weiter über die Rathausstraße über die Bahnstraße zum Bahnhof. Über 90 Minuten ging es durch Wittenberges Pfade, vorbei an gelungenen Plätzen und Objekten – dem Kulturhaus, der gegenüberliegenden „Illusionsmalerie“, dem Platz vor dem Rathaus – doch immer wieder auch vorbei an vielen Problemfällen.

„Wir haben in Wittenberge zu viele Leerstände und weit über 100 Gebäude die abrissverdächtig sind. Wir müssen Schwerpunkte setzen“, so Hermann. Etwa 70 Gebäude seien identifiziert, die als Ankerbauten oder wichtig fürs Ensemble erhalten und gesichert werden, damit sie nicht weiter verfallen (etwa in der Rathausstraße 3). Aber zum Beispiel das Haus in der Perleberger Straße 9 sei so ein Abrisskandidat. Vor allem sei so ein Rückbau auch immer eine Geldfrage. „Aber dieses Gebäude wird im Laufe dieses Jahres oder spätestens 2017 fallen“, so Hermann.

Auch wenn viele Spaziergangsteilnehmer die neue Lücke und den Wegfall des schönen Gebäudes kritisierten, seien diese doch unumgänglich, so Hermann. „Es wird so bleiben, dass wir was wegnehmen.“ Doch war der Spaziergang auch eine Möglichkeit Stadtgeschichte und Besonderheiten der Architektur herauszustellen. „Die Entwicklungsgeschichte von Wittenberge kann man zum Beispiel gut in der Perleberger Straße sehen. Hier haben wir kleine Häuser, die beinahe noch wie in einem Dorf wirken, Stadthäuser und dazwischen auch Mischformen“, so der Bürgermeisterkandidat.

Der Gebäudeblock Ecke Rathausstraße/Bahnstraße drücke zudem die Stimmung und das Gesamtbild der Innenstadt. Ansonsten sei er mit der Entwicklung zufrieden, auch wenn die ungewisse Zukunft der Prignitzgalerie („schwierige Situation, im April gibt es mehr zu verkünden“) das Gesamtbild beeinflusse.

Die Teilnehmer waren indes angetan von dem Angebot und der Idee des Osterspaziergangs. „Ich, als alter Wittenberger, habe generell Interesse an der Stadt, kann mich zurückerinnern und konnte auch einige Ausführungen ergänzen“, so der ehemalige Stadtverordnete Kurt Kaiser. Und auch akustisch und sprachlich konnte Dr. Oliver Hermann überzeugen, wie der Vorsitzende der Prignitzer Bezirkssgruppe des Blinden- und Sehbehindertenverbandes, Richard Liermann meint: „Es war sehr gut, auch wenn ich nichts gesehen habe, konnte ich doch vieles aus den Ausführungen mitnehmen.“

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