Debatte im Prignitzer Kreistag : Sorgen plagen Feuerwehr

Den Behandlungsplatz (hier bei einer Übung) für Katastrophenfälle hat der Kreis bekommen, doch auf andere zugesagte Technik wartet er weiter.
Foto:
Den Behandlungsplatz (hier bei einer Übung) für Katastrophenfälle hat der Kreis bekommen, doch auf andere zugesagte Technik wartet er weiter.

Zu wenig Geld, zu wenig Anerkennung: Kreisbrandmeister Holger Rohde attackiert das Land

von
12. März 2016, 12:00 Uhr

In Anbetracht der vielen Sorgen was Ausstattung, Personal und Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit betrifft, gerieten die nackten Einsatzzahlen der Statistik 2015 zur Nebensache. Holger Rohde wählte deutliche Worte vor dem Kreistag am Donnerstagabend. Der Kreisbrandmeister legt den Finger so tief in die Wunde wie selten zuvor.

„Das tut auch Not“, sagt er und greift die Landespolitik an. Im April 2014 hat sich der Landtag sich in einem Beschluss für einen „zukunftsfesten Brand- und Katastrophenschutz“ ausgesprochen. Das Ergebnis sei ernüchternd. Mit viel Verspätung sei das Förderprogramm für die Stützpunktfeuerwehren gestartet.

Prignitzer Kameraden spüren die Folgen: „Die neue Drehleiter für Wittenberge kommt erst im Sommer, das ist deutlich später und das Hilfeleistungsfahrzeug für Karstädt auch“, sagt Rohde. Letzteres sollte mit Freigabe der A 14 im vergangenen Dezember einsatzbereit sein. Aber immerhin gibt es die Förderung.

Schlechter sehe es mit der Förderung für den Katastrophenschutz aus. Nach einem guten Start, unter anderen konnte der Behandlungsplatz 25 erworben werden, sei das Programm ins Stocken geraten. „Wann wir einen Gefahrgutwagen bekommen, steht in den Sternen, aber das Land fordert und erwartet von uns Einsätze im Katastrophenschutz“, kritisiert Rohde.

Beim Punkt Würdigung des Ehrenamtes wird er in seiner Not gar sarkastisch und rät werdenden Eltern, eine vorgeburtliche Mitgliedschaft in der Wehr abzuschließen. Der Grund ist traurig: „Das Land würdigt Kameraden nach 70 und 80 Jahren Mitgliedschaft.“

Von einer Feuerwehrrente, wie sie mal in der Diskussion war, werde gar nicht mehr gesprochen. Eine finanzielle Anerkennung für Arbeitgeber, die ihre Angestellten für Einsätze frei stellen, höre man auch nichts. Um so häufiger fallen dafür auf Empfängen lobende Worte für das ehrenamtliche Engagement. Das sei zu wenig, so Rohde.

Doch er ist noch nicht am Ende seiner Kritik angelangt und nimmt die Landesfeuerwehrschule ins Visier. Lehrgänge würden ausfallen, es fehle Lehrpersonal. „Vergangenes Jahr wurden einige Ausbildungen kurzfristig abgesagt, was Kameraden und deren Arbeitgeber verärgert, die entsprechend geplant hatten“, so Rohde. So etwas dürfe sich nicht wiederholen.

Und jeder aufgefallene Lehrgang bedeutet eine fehlende Qualifizierung der Prignitzer Kameraden. „Und dann fehlen uns bei Einsätzen die Führungskräfte“, sagt der Kreisfeuerwehrchef. Aus seiner Sicht hat die Landespolitik bei den Feuerwehren den „Rückwärtsgang“ eingelegt.

Die Abgeordneten hörten zu, nahmen den Bericht zur Kenntnis. Nachfragen oder Diskussionen gab es nicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen