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Der Prignitzer

20. November 2017 | 14:46 Uhr

Sonderprojekt für Wische-Hochwasser

vom

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erstellt am 15.Mär.2011 | 06:37 Uhr

Lenzen | Die Sonne scheint, Wiesen und Wege sind abgetrocknet, fast nichts erinnert mehr an das Hochwasser im Januar in der Lenzener Wische, als Polder geflutet werden mussten, Spezialkräfte des Technischen Hilfswerkes aus Berlin und verschiedenen Landesteilen Brandenburgs mit über 20 Motor- bzw. Tauchpumpen Qualmwasser in den Sommerpolder pumpten, um die Grundwassersituation im besiedelten Winterpolder zu entschärfen.

Dennoch arbeitet man im brandenburgischen Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz (LUGV) derzeit an einem Sonderprojekt. "Wir haben es bei unserem zuständigen Ministerium beantragt" erklärt Norbert Albs vom LUGV. "Denn wir benötigen sichere und leistungsfähige Einlassbauwerke in den Sommerpolder. Wie viele und wo genau, das muss fachlich ermittelt werden." Ebenso gehe es um ein oder zwei Standflächen für mobile Pumpenanlagen am Achterdeich. Ob letztere im Einsatzfall geleast werden oder ob beispielsweise mit der Sanierung des Karthane bzw. des Cumlosener Schöpfwerkes Auswechselpumpen dafür genutzt werden können, sei noch völlig offen. Zu untersuchen sei zudem der Sommerdeich zwischen Breetz und dem Schöpfwerk Gaarz. "Die alten Unterlagen sagen nicht viel über seinen Aufbau", beschreibt Albs. Werde das Sonderprojekt genehmigt, dann "erhalten wir zusätzliches Personal und Geld dafür".

"Wir wären sehr froh über dieses Projekt, denn es muss noch einmal die hydraulische Grundlage untersucht und fachlich bewertet werden, was zu tun ist. Und es wäre wichtig, wenn das personell im Landesumweltamt abgesichert ist", macht Bernd Lindow, Sachbereichsleiter der unteren Wasserbehörde des Landkreises Prignitz, deutlich. Er verweist aber gleichzeitig darauf, dass das Geld für dieses sowie auch andere Hochwasser-Sonderprojekte, wie sie jetzt in Brandenburg avisiert sind, nicht aus dem geplanten Finanztopf für Hochwassermaßnahmen kommen dürfe, denn die seien ebenso wichtig, wie der Prignitzer Landrat auf der jüngsten Hochwasserkonferenz in Potsdam ausdrücklich betont hatte. Immerhin sind allein in der Prignitz noch etwa 7,8 Kilometer Elbdeiche zwischen Bälow und Wittenberge von Grund auf Instand zu setzen und Breese benötigt einen Deich als Schutz vor dem rückstauenden Stepenitzwasser, wenn die Elbe Hochwasser führt.

Doch zurück zur Löcknitz und der Lenzener Wische. Im Januar war es ein Vabanquespiel, die Hochwasserlage im Griff zu behalten, schätzen Albs und Lindow ein. Der Grund: Es war eine Situation eingetreten, "wie sie statistisch eigentlich unwahrscheinlich ist, dass nämlich ein mächtiges Eigenhochwasser der Löcknitz auf den Scheitel der Elbe trifft", beschreibt Lindow. Dass diese Situation nicht zu einer riesigen Überschwemmung führte, sei dem Meliorationsprojekt zu danken, dass zu DDR-Zeiten in den 1970er Jahren hier realisiert wurde. Dazu gehöre neben dem Schöpfwerk Gaarz vor allem die Verlegung der Löcknitzmündung in die Elbe um zwölf Kilometer abwärts bis Wehningen (Mecklenburg) mit dem entsprechenden Wehr, um einen Rückstau der Elbe in die Löcknitz zu verhindern. "Ziel war hier damals die Absicherung der landwirtschaftlichen Produktion", so Lindow. Denn vor diesen Maßnahmen sei in der Lenzener Wische in den 50er und 60er Jahren nicht selten bei Hochwasser Land unter gewesen. Allerdings, das damalige Meliorationsprojekt unter dem Namen "HGM Löcknitz" sei baulich nicht zu Ende geführt worden, "jedenfalls nicht ausgelegt für eine Situation, wie wir sie im Januar hatten", macht Lindow deutlich. Und er weist noch auf etwas anderes hin: Natürlich würden die Flächen seit damals intensiv landwirtschaftlich genutzt, auch die rund 2000 Hektar Sommerpolder. "Aber sie sind gesetzlich festgesetztes Überschwemmungsgebiet, das muss man als Landwirt bei Hochwasser in Kauf nehmen."

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