Sonderpreis und Chronik zum 100.

Keramik zum vollen Jahrhundert:  Zur Jubiläumsschau wurden aufwendige Keramikpreise verliehen, die an die Gründung erinnern. Fotos: felix alex
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Keramik zum vollen Jahrhundert: Zur Jubiläumsschau wurden aufwendige Keramikpreise verliehen, die an die Gründung erinnern. Fotos: felix alex

62 Aussteller und 550 Tiere: Kleintierzuchtverein Pritzwalk lädt zur 95. Vereinsschau / Geschichten aus einem Jahrhundert zusammengetragen

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03. November 2014, 11:34 Uhr

Auch wenn sich in den vergangenen 100 Jahren manches in Pritzwalk änderte, der Kleintierzuchtverein hatte durchgängig bestand. Hatten sich die Mitglieder bereits am 29. März zur 100-Jahrfeier getroffen, stand nun die 95. Vereinsschau auf des Tagesplan. Und dass diese keine alltägliche war, wurde bereits an den Preisen deutlich. Keramikteller, Pokale oder Flaschen – alles zierte die Zahl 100.

Erfolgreichster Züchter war an diesem Wochenende Roland Hemmert, der mit seinen Tieren nicht nur Vereinsmeister bei den Hühnern wurde und den Leistungspreis in der Kategorie Geflügel gewann, sondern auch die extra durch das Landwirtschaftsministerium zum Jubiläum gespendete Silbermedaille erringen konnte.

Doch stand neben den Zuchterfolgen vor allem die Vereinsgeschichte im Mittelpunkt der Zusammenkunft. Dekoriert mit historischen Bildern und Urkunden bot das Vereinsheim auch abseits der Tiere kurzweilige Unterhaltung.

„Heinz Hermann hat zu diesem Anlass eine 70-seitige Vereinschronik zusammengetragen. Auch wenn durch die Kriege vieles verloren gegangen ist, kam er wie bei einem Puzzle immer von einem auf das nächste Teil und konnte so vieles zusammensetzen“, verdeutlicht Vereinsvorsitzender Hans-Gero Sperlich.

Waren beim Ausbruch des 2. Weltkrieges noch 20 Züchter vorhanden, kam die Vereinsarbeit in den folgenden Jahren beinahe komplett zum Erliegen. Doch kaum war der Krieg beendet, fanden sich „wieder alte Zuchtfreunde zusammen“. Und auch danach lagen viele Anekdoten am Wegesrand der Vereinsgeschichte. So wird vom Hausmeister der Goethe Schule in Pritzwalk, Hermann Kayatz, berichtet, dass der seine Hühner auf dem Schulhof von den Schülern bewundern ließ.

Doch auch Neueres ist nachzulesen. So ist der Fahrt zur wohl weltgrößten Geflügelausstellung nach Nürnberg im Jahre 1995 Platz eingeräumt, bei der die Züchter ihrem Busfahrer so manches Kopfzerbrechen bereiteten.

Alles Ereignisse von denen wohl auch die beiden Ehrenmitglieder Alfred Haase und Erwin Bohnsack berichten könnten. Denn auch wenn beide aufgrund ihres Alters von 84 und 95 Jahren das Züchten längst aufgegeben haben, sind sie dennoch Teil des Vereins und können vom Wandel berichten. „Früher war alles mit sehr großer Arbeit verbunden. Teilweise hatten wir keine eigenen Käfige und mussten diese erst heranschaffen und nach der Schau auch wieder abgeben“, erzählt Alfred Haase, der seit 1970 im Verein engagiert ist.

Noch elf Jahre länger, seit 1959, ist Erwin Bohnsack Vereinsmitglied. Aus seinem Besitz stammt auch die wohl älteste Urkunde, die derzeit die Vereinswände dekoriert. „Dem Sieger – Kreisausstellung 9. - 10.1.37“ ist auf der Silbertafel zu lesen, die offensichtlich dem Gewinner in der Kategorie Kaninchen überreicht wurde.

Doch hat sich seit dem einige grundlegend geändert. Während es bis zur politischen Wende vor allem auch darum ging, sich selbst zu versorgen oder auch noch Überproduktion abzuliefern, folgte nach 1989 durch den Wegfall des materiellen Anreizes ein Knick, auch was die Mitglieder betrifft. „Heute ist es eine reine Hobbygeschichte geworden“, verdeutlicht Vereinsvorsitzender Hans-Gero Sperlich. Dass sich jedoch, gemessen an den Besucher und Tierzahlen am Wochenende, weiterhin großer Beliebtheit erfreut.

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