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Der Prignitzer

21. November 2017 | 05:43 Uhr

Suppentag : Sommersuppe küsst den Advent

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Beim 7. Suppentag in Bälow reichen die Teller nicht aus. Gäste löffeln aus Tassen und schwärmen von der Kochkunst der Landfrauen

von
erstellt am 16.Okt.2017 | 16:45 Uhr

Samstagmorgen um 11 Uhr im kleinen Bälow. Die Straßen zugeparkt, eine Menschentraube im Gasthof Ploigt. Alle Stühle im Saal, alle Bänke im Freien sind besetzt. Wer zu spät kommt, löffelt seine Suppe im Stehen. Es ist Suppentag.

22 Suppen stehen in großen und kleinen Töpfen nebeneinander. Duft von Wildgulasch zieht in die Nase, wird vom Dampf der Sauerkrautsuppe verdrängt. Kenner wissen die Holundersuppe zu schätzen, Neulinge versuchen aus jedem Topf eine Kelle zu erwischen. Die Schlange der Wartenden nimmt kein Ende. Manche reihen sich das sechste, siebente Mal ein, neue Gäste suchen nach den letzten Tellern. Um 11.40 Uhr holt Hausherrin Carola Ploigt Tassen aus dem Schrank – Teller gibt‘s nicht mehr.

Christa Weger schüttelt den Kopf. Die Chefin der Bälower Landfrauen weiß um die Beliebtheit dieser Veranstaltung, kennt den Andrang aus den vergangenen Jahren und weiß, dass die Zahl von 75 Gästen aus dem ersten Jahr heute schon ab 10.30 vor der Tür stand. „Das ist Wahnsinn“, sagt sie. So viele Menschen, so ein Andrang. Nie hätte sie vermutet, dass es noch mehr Gäste als im vergangenen Jahr geben könnte.

Da wundert es nicht, dass trotz größerer Töpfe schon ab 12 Uhr leises Kratzen am Topfboden zu hören ist. „Ich habe meine Familie zu 12.30 Uhr eingeladen, das war wohl ein Fehler“, meint Angelika Ohm und schaut sorgenvoll in ihren Topf. Sie hat eine Kartoffel-Selleriesuppe mit Mettklößchen zubereitet. Sellerie sei nicht so sehr beliebt, aber mit dieser Suppe zusammen ein Genuss.

Angelika Ohm fungiert das zweite Jahr in Folge als Köchin. „Davor kam ich nur zum Kosten, bin dann Mitglied der Landfrauen geworden“, sagt sie. Sie wohne nicht mal in Bälow, sei aber voll integriert und habe viel Spaß.

Den hat auch Daniela Schlee einige Töpfe weiter. Sie steht am äußersten Rand der Tafel. Dort, wo die Töpfe noch voller sind, weil Gäste bereits den Verlockungen der ersten 19 Suppen erliegen. „Ich habe eine Weißkohlsuppe gekocht, das Rezept stammt von meiner Mutter“, sagt sie. Das sei eine Suppe, von der Männer noch satt werden. Ausgelassener Speck und Eisbein verleihen ihr eine deftige Note.

Heidrun Betke preist ihre Waldbeerensuppe an. „Sie schmeckt nach Sommer und die in Zimt-Zucker-Zwiebel panierten Grießklößchen nach Advent.“ In Bälow küsst die Sommersuppe den Advent. Das ist der kulinarische Wahnsinn. Die hier gekochten Rezepte seien keine Geheimnisse. Sie werden an Gäste weiter gegeben. Tütensuppe aus dem Supermarkt kann da nicht mithalten – egal, was die Werbung versprechen mag.

Brigitte und Bernd Schulze nicken zustimmend. Die Karstädter sind das erste Mal hierher gekommen, haben das Frühstück bewusst klein gehalten. „Unsere Wittenberger Freundin Gundula Lücke hat uns eingeladen, und wir bereuen es nicht“, meint Bernd Schulze. Ihm hat die Hähnchen-Asia-Suppe besonders gut geschmeckt. Er liebe Suppen und koche selbst. Im Internet gebe es genügend Rezepte und künftig gehört vielleicht auch eines vom Bälower Suppentag zu seinem Repertoire.

Drei Damen aus Perleberg loben die Köchinnen. Sie hatten in unserer Zeitung vom Suppentag gelesen und wollten ihn ausprobieren. Weiße Bohnen, Variationen von Lauchsuppen – man könne leider nicht alles probieren, obwohl es so lecker ist, schwärmen sie und verschweigen ihre Namen, wollen nicht erkannt werden.

 

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