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Der Prignitzer

18. November 2017 | 09:43 Uhr

Solarbranche droht finstere Zukunft

vom

svz.de von
erstellt am 27.Feb.2012 | 09:33 Uhr

Prignitz | In zwei Wochen wollte das Solarenergieunternehmen Parabel AG aus Berlin mit den Vorbereitungen des "Solarparks Jännersdorf" beginnen, der auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz entstehen soll. Erst vor kurzem war auf dem Areal Spatenstich. Jetzt könnte alles ganz anders kommen. Denn mit den neuen Plänen des Umweltministeriums, das bereits ab 9. März die Fördergelder für Solaranlagen zurückfahren will, könnte das Projekt ins Stocken geraten. "Die Kürzungen sind sehr negativ für Großprojekte dieser Art", drückte es Marketingleiter Andreas Jessel vorsichtig aus. Auf 90 Hektar plant das Unternehmen mehrere Baufelder mit einer Leistung von je 40 Megawatt.

Beschließt das Kabinett die Fördergeldkürzungen am 29. Februar, bekäme die Parabel AG keinen Cent an Zuschüssen. Denn nach den neuen Plänen werden Anlagen nur noch bis zehn Megawatt mit bis zu 13,5 Cent pro Kilowattstunde gefördert. "Wir müssen abwarten, was passiert, müssen rechnen und schauen, ob es noch andere Wege gibt", sagte Jessel. Die Länder hätten bereits Protest angekündigt, den wolle man abwarten.

Ähnlich ist die Stimmung bei der Energie Kontor AG mit Sitz in Bremen. Es plant derzeit an der A 24 bei Weitgendorf (Putlitz) einen knapp 25,3 Hektar großen Solarpark. "Ja, es war eine überraschende Nachricht, die die Wirtschaftlichkeit empfindlich beeinflusst", sagte Unternehmenssprecherin Kerstin Kratzsch. Was das konkret heißt, konnte sie noch nicht sagen. Man sei am Rechnen und Prüfen. "Den Solarpark Weitgendorf haben wir nicht ad acta gelegt", beteuerte sie. Es bedeute aber einen "deutlichen Einschnitt" für das Projekt. Rund sieben Megawatt sollen die Paneele an Leistung bringen und würden nur noch mit 13,5 Cent pro Kilowattstunde gefördert.

Eine im Verhältnis zu Großinvestoren relativ kleine Solarfeldanlage will Udo Brummund am Ortsrand von Baek errichten. Auf 1,4 Hektar sollen mittels Photovoltaik eine Nennleistung von 0,5 bis 0,8 Megawatt erzielt werden. "Ich plane das Projekt erst einmal weiter, ob ich es dann wirklich realisiere, entscheide ich im Herbst je nach Preiskalkulation", erklärt der Investor, der bereits in Perleberg das Dach der ehemaligen Kartoffelsortierhalle für die Solarenergiegewinnung nutzt.

Ihn stört an den jüngsten Förderkürzungs-Plänen der schwarz-gelben Bundesregierung vor allem, "dass es keinen Bonus für diejenigen gibt, die Konversionsflächen für Solarfelder nutzen. Wenn die EEG-Lenkungswirkung entfallen soll, dann sollte man diejenigen, die auf sonst nicht mehr nutzbare Flächen wie Industrie- oder Militärbrachen investieren wollen, anders behandeln als solche, die Ackerflächen dafür nutzen wollen", argumentiert Brummund.

Die Unternehmen Scatec Solar sowie die Gehrlicher Solar GmbH wollen in Meyenburg beziehungsweise auf dem ehemaligen Militärflughafen Perleberg ebenfalls Fuß fassen. Auch sie könnten vielleicht von den Plänen der Bundesregierung betroffen sein. Die will, das große Solarparks ab April mit knapp 30 Prozent weniger an Förderung auskommen, Anlagen auf dem Hausdach mit 20 Prozent weniger. "Dem Solarstrom soll der Stecker gezogen werden", kommentiert der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft, Carsten Körnig.

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