Perleberger Tierpark : Sofort auf Du und Du mit Esel und Co.

Der Neue im Team des Tierparks: Carsten Gliesche.
Der Neue im Team des Tierparks: Carsten Gliesche.

Carsten Gliesche ist der Neue im Team des Tierparks, zuvor arbeitete er auf Mallorca und im Weltvogelpark Walsrode.

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20. Dezember 2013, 08:00 Uhr

Carsten Gliesche ist der Neue im Team des Tierparks. Er kam am 1. August für Hartmut Witt, der in den wohlverdienten Ruhestand ging. Jener hatte zu den Eseln eine besondere Beziehung. Kaum betrat er das Gehege, war er auch schon umlagert von den Vierbeinern. Mit einem Stups forderten sie ihre Streicheleinheiten. „Sie passten zusammen. Wenn wir auch einen Silberrücken gehabt hätten, dann hättem wir den sicher ebenfalls in Hartmuts Obhut gegeben“, fügt Tierparkleiter Michael Niesler schmunzelnd an.

Um die Eselfamlie kümmert sich nun Carsten Gliesche, „aber nicht nur, denn im Tierpark muss jeder alles können und eben auch alle Tiere mitversorgen“, fügt der 36-jährige Perleberger an. Seit dem fünften Lebensjahr ist die Rolandstadt sein Zuhause, die er aber verließ, um in Neubrandenburg eine Ausbildung zum Tierarzthelfer zu absolvieren. Anschließend zog es den jungen Mann in die Welt hinaus. Übers Internet kam er nach Mallorca, arbeitete hier zwei Jahre in einem Tierheim. Sofort hat man da Bilder von gequälten, ausgesetzten und verwahrlosten Hunden vor Augen. „Wie oftmals dargestellt, ist es nicht. Die Spanier haben eine andere Art mit Tieren umzugehen, oftmals freier als es in Deutschland möglich und denkbar. Statt Gassigehen wird morgens die Tür aufgemacht und abends wird der Hund wieder reingelassen. Es ist auch nicht selten, dass man ganz in Familie in die Gaststätte geht und dazu gehört eben auch der Hund. Niemand fragt da, ob das genehm ist, dass ist eben so.“ Aber es gebe auch Tiere, die an der Kette gehalten werden oder alles andere als artgerecht. Doch solche Beispiele finde man auch bei uns.

Die Arbeit auf Mallorca habe ihm gefallen, trotzdem zog es den Prignitzer wieder zurück in deutsche Gefilde. Über die Arbeitsagentur kam er zum Weltvogelpark Walsrode. „Vögel, damit hatte ich zuvor wenig zu tun. Insofern habe ich hier eine Menge gelernt.“ Sechs Jahre hielt es ihn bei den gefiederten Schönheiten, insgeheim liebäugelte er aber mit der Prignitz. Ins Blaue hinein schickte er eine Bewerbung an den Perleberger Tierpark und hatte das Glück. Zur rechten Zeit hatte er den richtigen Riecher. Hartmut Witt ging, er kam und damit erhielt der Tierpark einen kleine Fachmann was die Vögel betrifft.

Ob Esel, Trampeltier oder Eulen, ein Tierpfleger ist für alle und alles zuständig. Lieblinge hat Carsten Gliesche nicht. „Jedes Tier hat seine Eigenarten. Man muss sie kennen und sich darauf einstellen.“ Die Esel fordern ihre Streicheleinheiten, die sehr eigenen Trampeltiere sind richtige kleine Bettler aber absolut keine Schmusetiere. Übrigens, kürzlich hatten sie ihren Fernsehauftritt in Brandenburg aktuell. Richtige Starallüren hat der Hengst hier herausgekehrt, nach der Devise: Her mit dem Mikro, sonst beiße ich rein. Spaßig anzusehen sind die Nasenbären, doch auch sie bestehen darauf – nur füttern und gucken, aber nicht anfassen. „Im Sommer bekamen wir eine Laufente. Die watschelte dem Menschen hinterher, kuschelte mit dem Hund, doch mit ihren Artgenossen wusste sie nichts anzufangen. Wir haben es aber geschafft, sie zu integrieren. Inzwischen hat sie einen Partner und würdigt uns Zweibeinern kaum noch eines Blickes.“ Die Arbeit im Tierpark macht Carsten Gliesche sichtlich Spaß. Dass auch Weihnachten und Neujahr ein Tag wie jeder andere für ihn ist, das bringe der Beruf eben mit sich. Denn Tiere kennen keine Feiertage, müssen immer versorgt werden. Heiligabend und am ersten Feiertag wird der 36-Jährige im Tierpark anzutreffen sein, allerdings nicht in Schlips und Kragen, sondern in Arbeitsmontur. Und gibt für die tierischen Bewohner dann auch etwas Besonderes zum Fest? „Eher nicht. Artgerechte Haltung heißt eben auch, entsprechend zu füttern. Nicht von ungefähr gibt es die sogenannten Feiertagskrankheiten.“

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