Hitzewelle im Land : So extrem kann die Arbeit sein

Im Kühlhaus der Perleberger Firma Mühlenberger herrschen minus 19 Grad Celsius. Mitarbeiter Marco Behn trägt deswegen auch im Hochsommer warme Arbeitskleidung. Fotos: Reik Anton
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Im Kühlhaus der Perleberger Firma Mühlenberger herrschen minus 19 Grad Celsius. Mitarbeiter Marco Behn trägt deswegen auch im Hochsommer warme Arbeitskleidung. Fotos: Reik Anton

Während die Temperaturen an der 30-Grad-Marke kratzen, müssen einige im Freien schwitzen oder sich im Job warm anziehen

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26. August 2016, 20:00 Uhr

Draußen kratzt das Thermometer an der 30-Grad-Marke, doch Toralf Hampel ist in seinem Job dick eingepackt. Der junge Mann arbeitet in der Frischeabteilung der Mühlenberger Spezialitäten, Wurst und Schinken Vertriebs GmbH. Mehr als fünf Grad Celsius sind an dem Arbeitsplatz nicht drin. „Es geht aber. Man gewöhnt sich schnell daran“, sagt der 25-Jährige, der in der Perleberger Firma schon seit seinem 16. Lebensjahr arbeitet. „Ich ziehe mich warm an“, sagt die Fachkraft für Lagerlogistik. Ist er denn öfter krank, weil die Temperaturunterschiede gerade im Sommer so hoch sind? „Nein, das härtet eher ab. Ich bin selten krank.“ Auch sein Kollege Marco Behn kennt die Situation, in kurzer Kleidung zur Arbeit zu kommen und sich dann Mütze, Handschuhe und dicke Arbeitshosen anzuziehen. Der 39-Jährige ist Lagerist und mehrmals täglich im minus 19 Grad Celsius kalten Tiefkühlbereich der Firma in der Reetzer Straße unterwegs. Hier lagern neben Fleisch, Fisch und Speiseeis auch Brötchen und Gemüse. „Mit den richtigen Sachen ist die Kälte kein Problem. Man muss eher aufpassen, sich nicht zu warm anzuziehen. Denn zu schwitzen ist auch nicht gut.“ Generell sei er niedrige Temperaturen bei der Arbeit gewöhnt. „Ich habe früher auf dem Bau gearbeitet. Da mussten wir bei Wind und Wetter ran“, erinnert sich Behn. Birgit Sohns, Geschäftsführerin bei Mühlenberger, erklärt, dass die Mitarbeiter sich zwischendurch auch aufwärmen.

Das müssen die Küchenkräfte bei Lucullus in Wittenberge nicht. Schon bei mäßigen Außentemperaturen herrschen in der Großküche um die 26 Grad. „Wenn es draußen heiß ist, liegen wir drinnen zwischen 30 und 35 Grad“, erzählt Küchenchefin Susanne Gerloff. Einen guten Trick, sich bei der Zubereitung von Schnitzeln oder Bratkartoffeln am Herd abzukühlen, gebe es nicht. „Einige Kollegen trinken mehr als sonst. Und wir haben eine Lüftung, die auch Entlastung bringt.“ Wenn es zu warm werde, gebe es ja noch die Tiefkühlzelle, sagt Susanne Gerloff augenzwinkernd. Etwas besser haben es da die Kollegen in der kalten Küche, in der Salate oder Nachspeisen zubereitet werden. Denn dort gibt es eine Klimaanlage. Etwa 1500 Essen bereiten die Lucullus-Mitarbeiter täglich für die eigene Kantine und zur Auslieferung zu.

Viel trinken heißt das Motto für alle Bauarbeiter. „Ich trinke locker vier Liter am Tag, wenn es so heiß ist. Das meiste kommt ja gleich wieder raus“, sagt Oliver Hasenberg, der auf der Baustelle Rathaus-/Friedrich-Ebert-Straße zu tun hat. Ansonsten könne man nicht viel machen. Der Sonne können er und seine Kollegen kaum ausweichen. Wie sieht’s also aus mit Sonnenbrand? „Den habe ich kaum. Die Haut ist schon abgehärtet“, sagt Hasenberg lachend. Ein Kollege hat noch den Tipp, auf jeden Fall eine Kappe zu tragen und ab und zu mal den Schatten aufzusuchen.

Bis zu 90 Grad Celsius meistert Doreen Krüger als Saunakraft in der Wittenberger Badewelt. „Das muss man mögen, sonst kann man diese Arbeit nicht machen“, sagt sie lächelnd. „Und es ist ja immer nur einige Minuten so heiß, wenn die Aufgüsse erfolgen. Die Schwimmmeister in der Halle müssen die ganze Zeit mit mehr als 40 Grad fertig werden.“ Weniger die Hitze an sich ist für Doreen Krüger die Schwierigkeit an ihrem heißen Arbeitsplatz. Die Temperaturdifferenz zwingt sie, sich langsam immer wieder abzukühlen, um nicht krank zu werden. Dass Sauna eigentlich immer geht, wie Doreen Krüger meint, sehen nicht alle Gäste so. Im Winter kommen doppelt so viele Besucher in das Schwitzbad.

Auf minus 15 Grad Celsius sind die süßen Köstlichkeiten im Eiswagen an der Perleberger Straße in Wittenberge gekühlt. Was die Eisfreunde begeistert, treibt Sybille Schötter Schweißperlen auf die Stirn. „Die Kühltechnik erzeugt eine ganze Menge Wärme“ erzählt sie. Diese heizt den Wagen trotz offener Tür erheblich auf, deshalb ist das bereitliegende Handtuch ein unverzichtbares Requisit gerade während der Hitzewelle. Trotz der zusätzlichen Wärmegrade freut sich Sybille Schötter über das Wetter. „Dann kommen natürlich viel mehr Kunden und wollen ein leckeres Eis.“

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