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Brandenburg meets Britain : So arbeitet Londons Feuerwehr

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Innenminister Karl-Heinz Schröter besucht Fire Brigade, informiert sich über Strukturen und Einsätze

von
erstellt am 08.Okt.2017 | 21:00 Uhr

Rund 10 000 Menschen wählen monatlich den Notruf in London. Das sind 10 000 Einsätze für die London Fire Brigade. Tendenz steigend, sagt Andy Roe, stellvertretender Commander und Abteilungsleiter in der Londoner Feuerwehr. Damit sei sie weltweit die drittgrößte Brand- und Rettungseinheit. Genau aus diesem Grund hatte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter um diesen Termin gebeten. Er möchte erfahren, wie die Feuerwehr strukturiert ist, über welche Technik sie verfügt, welches die Haupteinsätze sind.
In Roe hat er den richtigen Gesprächspartner gefunden. Der Abteilungsleiter gehörte zum Einsatzstab bei den jüngsten Terrorangriffen, beim verheerenden Brand des Greenfell Towers Mitte Juni und bei den Flutkatastrophen, die 2013 und 2014 weite Landesteile zerstörten. Diese Beispiele zeigen die Bandbreite der Einsätze.

Eine Herausforderung seien die hohen Passagierzahlen im Nahverkehr. Allein die Metro nutzen täglich drei Millionen Menschen, eine halbe Million die S-Bahn. Noch gar nicht eingerechnet seien die Flughäfen der Metropole. Bei der Größe der Stadt mit ihrem rund zehn Millionen Einwohnern komme deshalb der Struktur der Feuerwehr eine wichtige Bedeutung zu.

Sie ist auf 103 Wachen im Stadtgebiet verteilt, die rund 5000 aktiven Kameraden sind hauptberuflich tätig und arbeiten im Schichtsystem. Dadurch sei zu jeder Tageszeit in ganz London die Einsatzbereitschaft gesichert, so Andy Roe.
Die Einsatzfristen gebe die Kommune vor. „Nach sechs Minuten muss das erste Löschfahrzeug am Einsatzort eintreffen, nach acht das zweite“, sagt er. In mehr als 90 Prozent aller Fälle könnten sie diese Vorgaben erfüllen, meist sogar noch unterbieten.

Zunehmend komplizierter werden die Einsätze in Hochhäusern. Würden früher 20 Stockwerke gebaut, seien es heute bis zu 70. „Aktuell gibt es allein 100 Bauanträge für extreme Hochhäuser. London bekommt eine völlig neue Skyline“, sagt Roe.

Sie müssten sich nicht nur auf diese neuen Höhen einstellen, sondern auch auf die Technik der modernen Fahrstühle, die teils bis zu 100 Menschen befördern können. Fast täglich würden die Kameraden eingeschlossene Fahrgäste retten. Brände wie im Grenfell Tower seien die Ausnahme. Meist sei das Feuer auf eine Wohnung begrenzt. Über den Grenfell-Einsatz könne er keine Einzelheiten nennen. Die offiziellen Untersuchungen zu diesem Unglück, bei dem zahlreiche Menschen starben, laufen noch, bittet er um Verständnis.
Die Terroranschläge hätten die Situation grundsätzlich verändert. Diese Gefahr sei mittlerweile permanent. Dass bei dem jüngsten Vorfall die Täter schon nach acht Minuten gestellt waren, zeige aber, wie effizient die Behörden in London arbeiten. Die großflächige Videoüberwachung sei dabei eine große Hilfe. Bei einem Terrorvorfall werde ein Krisenstab zusammengerufen, der nach acht Minuten einsatzbereit sei, betont Andy Roe.
Beeindruckt zeigt sich Minister Schröter von der technischen Ausstattung. Es gibt 509 Fahrzeuge, deren Durchschnittsalter bei zwölf Jahren liegt. In Brandenburg sind viele Feuerwehrautos 20 Jahre und älter. Über 50 000 Ausrüstungsgegenstände verfügen die Einsatzkräfte. Dazu kommen Boote, Spezialausrüstung für ABC-Einsätze und die Versorgung von massenhaft Verletzten. Der reguläre Einsatz von Drohnen sei kein Thema, in Einzelfällen könnten diese über die Polizei angefordert werden.
„Das Land verfügt über gut aufgestellte Sicherheitsbehörden“, urteilt Schröter, der neben der Feuerwehr weitere Behörden besucht hatte. Strukturen und Technik seien in Teilen mit der in Deutschland vergleichbar. „Wir müssen uns nicht verstecken“, sagt Schröter.

Er habe kein Thema entdeckt, welches er umgehend in Brandenburg angehen müsse. Eine Ausnahme bildet das Alkoholverbot in den Fußballstadien. Während der Spiele gebe es ein komplettes Verbot, davor und danach Einschränkungen. Dadurch seien Gewaltdelikte deutlich gesunken, hatte ein Sicherheitsexperte des Fußballvereins Arsenal London bestätigt.

In Anbetracht der vielen Vorfälle in deutschen Stadien sollte darüber nachgedacht werden, so Schröter. „Ich setze zunächst auf die Vernunft der Vereine“, sagt er. Bier mit reduziertem Alkoholgehalt wie es bereits beim Pokalfinale Praxis ist, sei ein Anfang.
 

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