Skispringen im Hochsommer

<strong>Der Trainer des Skileistungszentrums</strong> in Bad Freienwalde, Karl-Heinz Hähnel, an der nördlichsten Schanze in Deutschland. Im Wintersportgebiet Bad Freienwalde ist auch im Hochsommer Betrieb. Schnee ist unwichtig. <foto>dpa</foto>
Der Trainer des Skileistungszentrums in Bad Freienwalde, Karl-Heinz Hähnel, an der nördlichsten Schanze in Deutschland. Im Wintersportgebiet Bad Freienwalde ist auch im Hochsommer Betrieb. Schnee ist unwichtig. dpa

svz.de von
20. Juli 2012, 09:22 Uhr

Auch wenn Hochsommer ist: Im Wintersportverein Bad Freienwalde 1923 herrscht Hochbetrieb. Allerlei Nachwuchstalente sind gerade zu einem mehrtägigen Trainingslager in das "nördlichste Skisprunggebiet Deutschlands" gekommen. Und an diesem Wochenende steigt ein Internationales Turnier. 60 bis 80 Athleten werden erwartet, auch aus Polen und Bulgarien. Hinzu kommen Hunderte Wintersport-Fans, mitten im Juli.

"Schnee brauchen wir nicht", sagt Vereinspräsident Dieter Bosse lässig und schaut den grün bewachsenen Hang herab. Auf Bosses Schirmmütze prangt zwar noch ein Schneekristall, das Wappen des Freienwalder Wintersportvereins. Eigentlich, scheint Bosse sagen zu wollen, hat man sich von lästigen Jahreszeiten unabhängig gemacht.

Die Freienwalder legen heute auch die Skier an, wenn andere Urlaub am Strand machen. Und so ist der Kurort mittlerweile zu Brandenburgs Landesleistungszentrum Ski aufgestiegen. Mehr als 30 Kinder und Jugendliche trainieren dort. Außerdem wird an mehren Schulen im Umkreis Nachwuchs rekrutiert - in Ski-AGs.

Die Flachland-Kids - die höchste Erhebung in Bad Freienwalde ist der Semmelberg mit 158 Metern - sind talentiert: Bei den Deutschen Meisterschaften sei für den WSV 1923 zuletzt drei Mal der fünfte Platz herausgesprungen, sagt Landestrainer Karl-Heinz Hähnel stolz.

Der 64-Jährige wurde aus dem Harz abgeworben - für Märkisch-Oderland schon fast ein Hochgebirge. Seit 42 Jahren bringt Hähnel Kindern das Skispringen bei. Mit seinem Käppi und den grauen Haaren erinnert er ein wenig an den Boxtrainer von Filmlegende Rocky Balboa. Nur dass Hähnel am liebsten einen Skispringer an die Weltspitze führen würde.

Wegen der warmen Winter war das Skispringen in Bad Freienwalde schon in den 1960er Jahren eingestellt worden. 2001 gründete Bosse den Verein dann neu. Vier kleine bis mittlere Schanzen gibt es; zuletzt wurde 2008 die 66-Meter-Skischanze in Betrieb genommen. Von den regelmäßigen Wettbewerben profitiert mittlerweile auch die Tourismusbranche. "Skispringen gehört zugegebenermaßen nicht zu den touristischen Schwerpunkten des Landes", sagt Birgit Kunkel von der TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH. Doch sei die Schanze in Bad Freienwalde ein Ausflugsziel, das immer wieder "für positive und interessierte Aufmerksamkeit" sorge.

Beim WSV Bad Freienwalde 1923 träumen sie deshalb jetzt schon von einem Weltcup, mit den Spitzenprofis des Skispringens. Goldene Zeiten kommen in Erinnerung, die Erfolge der Altmeister Martin Schmitt und Sven Hannawald. Aber für solche Veranstaltungen muss in Bad Freienwalde eine fünfte, noch viel größere Schanze her: Eine K 120, wie sie im Fachjargon heißt. "Sprünge bis 150 Meter sind damit möglich", schwärmt Präsident Bosse. Und anderswo in Deutschland gebe es doch kaum noch Großschanzen.

Eine Machbarkeitsstudie sei schon erstellt worden, kosten würde das Projekt etwa 18 Millionen Euro. Außer für internationale Skisprung-Wettbewerbe könnte die Sportstätte für 40 000 Zuschauer auch für Konzerte genutzt werden, sagt Bosse. Bad Freienwalde, das neue Ski-Mekka? "Wir sind nicht größenwahnsinnig, aber das ist unser Ziel." Schnee muss ja auch nicht fallen, aber ein paar großzügige Sponsoren braucht es noch.

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