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Der Prignitzer

22. September 2017 | 11:53 Uhr

Skepsis gegenüber der Hygieneampel

vom

svz.de von
erstellt am 08.Jul.2011 | 06:58 Uhr

Prignitz | Es ist beschlossene Sache: Die Hygieneampel für Gaststätten, Hotels und Imbissstände kommt. Mitte Mai haben die Verbraucherschutzminister auf ihrer Konferenz in Bremen den Weg für das Kennzeichnungssystem frei gemacht, das Kunden unkompliziert über die hygienischen Zustände in der Gastronomie informieren soll. Eine grüne Ampel wird an den Eingängen der Betriebe angebracht, die Anforderungen der Lebensmittelkontrolleure erfüllen. Gelb geht an jene, die sie teilweise erfüllen, bei Rot ist Vorsicht geboten, fanden die Kontrolleure in diesen Betrieben doch erhebliche Mängel.

Auch die insgesamt 387 Gastronomien in der Prignitz müssen sich diesen Kontrollen stellen. "Ab 2012 wird es bei uns im Kreis eingeführt. Beginnend mit der Gastronomie soll die Ampel schrittweise auch auf Imbissbetriebe, Fleischer, Bäcker, Gemeinschaftsverpflegung, Hersteller und Einzelhandel ausgeweitet werden", informiert Dr. Sabine Kramer, zweite Beigeordnete des Landrates und verantwortlich für Veterinäraufsicht und Verbraucherschutz.

Die Kontrollfrequenz werde mit Hilfe einer wissenschaftlich begründeten Risikoanalyse ermittelt und alle zwei Jahre überprüft, erklärt die Fachfrau. In Speisegastätten, Imbissbetrieben und Cafés soll die Kontrolle vorerst wöchentlich bis alle 18 Monate durchgeführt werden, für Schankwirtschaften und Pensionen, ist eine Kontrollfrequenz monatlich bis alle zwei Jahre geplant.

Wurden 2010 von den Mitarbeitern des Kreises 565 Kontrollen durchgeführt, wird dieses Pensum perspektivisch ansteigen. "Die Einführung des neuen Systems wird nicht ohne zusätzlichen personellen und finanziellen Aufwand zu bewältigen sein, dessen Höhe nur schwer einschätzbar ist, da die rechtliche Grundlage in der Lebensmittelgesetzgebung und die Festlegung des Umfanges des damit verbundenen Verwaltungsverfahrens noch nicht vorliegen", erklärt Kramer. Zudem seien Nachkontrollen einzuplanen, mit denen die Einhaltung der Aushangpflicht überprüft wird. "Ob die Transparentmachung der Kontrollergebnisse durch die Ampel zu einer spürbaren Verbesserung des Verbraucherschutzes führen wird, bleibt abzuwarten", resümiert Sabine Kramer.

Kritisch sieht Bodo Rückschlag, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Brandenburg, die Pläne der Minister. "Klar ist: Wirte, die gegen die Hygieneregeln verstoßen, schaden der ganzen Branche. Allerdings sind wir der Ansicht, dass die aktuellen Gesetze ausreichen, um Sicherheit zu gewährleisten. Zudem sieht Rückschlag die Wirte als Versuchskaninchen. "Warum wird die Ampel zuerst bei den Gastronomen eingeführt und nicht gleich komplett für alle Betriebe in der Lebensmittelverarbeitung?"

Der größte Kritikpunkt richtet sich aber gegen die bislang fehlenden verbindlichen Vorschriften für zeitnahe Nachkontrollen bei Betrieben, die Gelb oder Rot bekommen haben. "Wer durchfällt muss die Chance bekommen, sich zu rehabilitieren. Und das nicht erst in einem halben Jahr", so Rückschlag.


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