Historie in Wittenberge : Singer-Chef: Enkel sucht dessen Grab

Der Engel trägt im Sockel eine Inschrift, in der Philipp Simon seiner verstorbenen Frau gedenkt.
Der Engel trägt im Sockel eine Inschrift, in der Philipp Simon seiner verstorbenen Frau gedenkt.

Fand Philipp Simon in Breese seine letzte Ruhe?

von
09. April 2017, 12:00 Uhr

Wo hat der erste Werkleiter der Singer-Firma seine letzte Ruhestätte gefunden? Eine Frage, die hiesige Stadtgeschichtler maximal am Rande streiften, wenn sie sich mit dem Nähmaschinenwerk befassten.

Seit Donnerstag aber beschäftigt diese Frage urplötzlich eine ganze Reihe von Hiesigen. Denn an Bord des Kreuzfahrtschiffes „Johannes Brahms“, das für einen Vormittag in Wittenberge festmachte, war Charles Daplyn aus Großbritannien. „Wir haben nicht schlecht gestaunt, als der ältere Herr uns sagte, er sei der Enkel von Philipp Simon, dem ersten Workmanager des Nähmaschinenwerks“, sagt Jürgen Schmidt, der als Stadtführer mit einem Teil der Briten unterwegs war. Charles Daplyn habe nicht mitgewollt. Er wollte nach Breese, erzählt Schmidt. Denn dort auf den Friedhof solle sich das Grab von Philipp Simon befinden. „Also haben wir ein Taxi nach Breese organisiert.

Der Name Philipp Simon ist hier weitgehend unbekannt, auch in einschlägiger Literatur über das Singer-Werk wird sein Name nur am Rande erwähnt. Dabei war der Mann von 1903 bis 1912 wirklich der erste Workmanager des noch sehr jungen Singer-Werks.

Im Stadtarchiv wie im Stadtmuseum finden sich über ihn keine Unterlagen. Archivarin Susanne Flügge und Museumschefin Birka Stövesandt verweisen auf eine vom Veritasklub herausgegebene Buchedition zum Nähmaschinenwerk. Dort findet Simon eine kurze Erwähnung. Er war Engländer, kam aus London und habe in der Villa im Breeser Wald gewohnt. Verzeichnet sind aber weder Geburtsts- noch Sterbedaten. Heimatgeschichtler Heinz Muchow schreibt in einer Broschüre über das Singer-Werk, Simon kehrte in seine Heimat zurück.

Warum aber sucht dann dessen Enkel das Grab in Breese? Da der „Prignitzer“ bisher keinen Kontakt zu Charles Daplyn herstellen konnte, bleibt die Frage noch unbeantwortet. Jürgen Schmidt, selbst geschichtlich interessiert, versichert: „Wir suchen den Kontakt, werden weiterforschen.“

Charles Daplyn hat auf dem Friedhof vergeblich nach dem Grab seines Großvaters gesucht. Vielleicht aber ist der Brite , ohne es zu wissen, trotzdem einem Stück Familiengeschichte begegnet. Denn dort wurde am 4. August 1909 seine im Alter von 42 Jahren verstorbene Großmutter Lucy Annie Shandlia beigesetzt. Im evangelischen Gemeindehaus in Wittenberger fand gestern Mitarbeiterin Anke Pfeffer in Breeser Kirchenbüchern den Eintrag.

Und Sigrid Fritz, Mitarbeiterin im Amt Bad Wilsnack/Weisen, verfügt zwar über keine amtlichen Hinweise auf eine Grabstätte von Philipp Simon, verweist aber auf eine alteingesessene Breeserin. Diese hat von ihrer Großmutter gehört, dass die große Engelsfigur auf dem Friedhof von der Grabstätte der Lucy Annie Shandlia stammen soll. Diesen Engel muss der Enkel gesehen haben, als er dort war.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen