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Eichenprozessionsspinner : Sie kriechen munter weiter

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Naturschützer gegen Bekämpfung / Zahlreiche Flächen nicht beflogen / Beschwerden gegen Landkreis

von
erstellt am 09.Mai.2014 | 22:00 Uhr

Es hätte gut ausgehen können für die Betroffenen, denen der Eichenprozessionsspinner das Alltagsleben vermiest. Das viele Geld des Kreises und der Kommunen hätte gut investiert sein können. Vielleicht nimmt die Aktion auch noch ein gutes Ende, aber Zweifel daran nehmen zu. Die Bekämpfungsaktion aus der Luft wurde in diesem Jahr stark eingeschränkt. Grund sind Beschwerden von Umweltschützern.

Nach Recherchen unserer Zeitung seien mehr als 1000 Hektar befallener Fläche nicht bekämpft worden. Aus den Reihen der an der Aktion Beteiligten heißt es, dass bis unmittelbar vor Beginn des Einsatzes Flugpläne geändert werden mussten, größtenteils Waldflächen und Baumbestände in Schutzgebieten herausfielen.

Konkrete Auskünfte oder zitierfähige Aussagen sind schwer zu bekommen. Der Landkreis bestätigt lediglich, dass in einem Ministerium Ende 2013 eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Landrat Hans Lange eingereicht wurde.

Anlass dafür sei die Bekämpfung im vergangenen Jahr gewesen. Seitdem soll es weitere Beschwerden gegeben haben. Detaillierte Auskünfte dazu möchte der Kreis zum jetzigen Zeitpunkt nicht nennen, da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt.

Ausführlicher äußert sich das Umweltministerium. Für die Ausbringung des eingesetzten Mittels Dipel ES mit Luftfahrzeugen bedarf es einer Genehmigung durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). „Die vom BVL im Rahmen der Genehmigung erlassenen Anwendungsbestimmungen schließen eine Anwendung in Naturschutzgebieten aus“, teilt Pressesprecherin Alrun Kaune-Nüßlein mit. Für die Anwendung in FFH-Gebieten sei die Prüfung der Verträglichkeit mit den Erhaltungszielen des jeweiligen FFH-Gebietes nötig, bevor eine Ausnahme für die Bekämpfungsmaßnahme erteilt werden könne.


Umweltschutz geht vor Gesundheit


Das Ministerium habe Mitte März den zuständigen Unteren Naturschutzbehörden in den Kreisen Hinweise zur Bearbeitung von Anträgen gegeben. „Auflagen wurden nicht erteilt“, betont Alrun Kaune-Nüßlein. Das falle in die Zuständigkeit der Landkreise.

Lenzens Amtsdirektor Harald Ziegeler spricht von einer „ärgerlichen Geschichte“. Sein Gebiet ist von den Raupen besonders schwer betroffen. „Nachweislich können wir sogar seit vier, fünf Jahren von einem flächendeckenden Befall sprechen“, sagt er. Ziegeler könne das Flugverbot in diesem Ausmaße nicht nachvollziehen, macht aber dem Landkreis keine Vorwürfe. Dort sei man selbst zerknirscht. Der Druck sei aus Potsdam gekommen.

Nicht zu bekämpfen sei die falsche Entscheidung. „Umwelt- und Naturschutz wird höher bewertet, als das Leib und Leben der Menschen“, sagt er. Und das obwohl bis heute kein einziger wissenschaftlicher Nachweis vorliege, dass Dipel ES andere Tiere oder Pflanzen schädige. Bei den hohen Befallsraten könne auch nicht von einem präventiven Einsatz gesprochen werden. Im Gegenteil: „Es sind Maßnahmen der Gefahrenabwehr, die der Landkreis ergriffen hat“, so seine Meinung.

Ziegelers Sorge ist groß, dass die Population in diesem Jahr nicht entscheidend geschwächt werden konnte. Allein die Forst habe statt der geplanten 2000 Hektar nur 200 beflogen. Offizielle Aussagen dazu gibt es nicht. Die Vergangenheit habe gelehrt, dass sich der Eichenprozessionsspinner bei punktueller Bekämpfung von nicht besprühten Baumbeständen schnell wieder ausbreite.

Eine Bekämpfung von Boden aus sei zwar gestattet, aber teuerer und logistisch nicht überall möglich. Baumgruppen im Elbvorland und auch Waldgebiete seien mit Bodenfahrzeugen nicht erreichbar.

Im vergangenen Jahr ging der Landkreis mit 564 000 Euro in Vorleistung, nahm in diesem Jahr wieder Geld in die Hand. Nur ein Teil davon wird auf die Kommunen umgelegt.


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