Goa-Festival VuuV : Sie holen Indien in die Prignitz

Seit zwei Jahren alles im Griff: Yediyar Isik, Hannah Hoss und Marcus Gottschalk (v.l.).
Seit zwei Jahren alles im Griff: Yediyar Isik, Hannah Hoss und Marcus Gottschalk (v.l.).

Vuuv-Festival startet in seine zweite Auflage nach der Neugründung

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13. August 2015, 21:00 Uhr

Menschen wiegen sich im Klang der Musik – wirken wie in Trance, Laserstrahlen durchbrechen den Nachthimmel, Rauch steigt auf – eine eigene Welt, mitten in der Prignitz. Doch wenn am Wochenende wohlmöglich wieder 5000 Besucher zum VuuV-Festival strömen, bleibt für viele Prignitzer oft nicht mehr als ein leichtes Ziehen im Bauch – ausgelöst durch den über die Felder wabernden Bass sowie manch Vorurteil, wenn sie auf der Straße oder im Supermarkt mit diesem Genres in Kontakt kommen. Der „Prignitzer“ hat vorab einen Blick hinter die Kulissen des Festivals und der Szene geworfen.

Die Geschichte der Vuuv begann 1991. Rucksacktouristen und Traveler hatten die aus Indien stammenden Erfahrungen der Outdoor-Trance-Partys im indischen Bundesstaat Goa nach Europa gebracht und versuchten nun, diese Erlebnisse in ihren Heimatländern zu etablieren. Alle eint bis heute ihre lebensbejahende und naturverbundene Sichtweise, die stark von der Hippie-Bewegung der 1960er Jahre beeinflusst wird. Doch bildet vor allem die Musik den Grundpfeiler der Szene. Traditionelle indische Musik, elektronisch umgesetzt wird hier zur reinen Tanzmusik – ohne Gesang –, die durch die Bewegung und die Verbindung mit den Klängen in eine Art Trance führen kann.

Doch zurück zur Vuuv: Noch unter dem Namen Voov-Experience gestartet, entwickelte sich hier aus einer kleinen Party mit einigen 100 Leuten eine der heute größten Goafestivals Deutschland und zeitweise Europas. „Wer von der Psytrance-Szene noch nicht auf der Vuuv war, ist noch nicht richtig angekommen, denn das Festival war weltweit eines der ersten für diese Leute“, erzählt Yediyar Isilk.

Mit seinem einfarbigen T-Shirt und der Jeanshose wirkt er so gar nicht dem weitläufigen Klischee entsprechend. „So ein Festival ist einfach ein ,Kurzurlaub‘ vom Alltag. Wenn sich die Leute auf der Tanzfläche verbinden, entsteht eine spezielle Energie und eine große Gemeinschaft“, beschreibt der Mitorganisator. Menschen aus allen Ländern der Welt, die friedlich zusammen feiern, geeint durch die Musik und unabhängig von gesellschaftlicher Stellung oder Religion, sei der Grundgedanke.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich der Maschinenbauer für das Festival extra einen Monat Urlaub genommen hat. Er selbst war vor etwa 20 Jahren das erste Mal auf der Voov. Gemeinsam mit Marcus Gottschalk half er damals u.a. beim Aufbau. Dieser ist mittlerweile Veranstalter und ist als Geschäftsführer der GmbH hauptberuflich für das Festival im Einsatz. „Das ist einfach ein großer Teil meines Lebens und gleichzeitig Berufung – Organisieren, DJ’s buchen und auch selbst auflegen. Goa ist einfach insgesamt eine Kunstform“, so Gottschalk.

Vor zwei Jahren hatten die beiden nach einer einjährigen Pause die Organisation übernommen und die Vuuv wiederbelebt. Nachdem der bisherige Organisator DJ Antaro aus verschiedenen Gründen zurückgetreten war, musste die Veranstaltung 2013 ausfallen. „Für alle war die Voov eine der ersten Festivals als Besucher. Wenn es sich gelohnt hätte, für eines zu kämpfen, dann für die Voov“, so Isilk. Als das Angebot an die beiden herangetragen wurde, hätten sie nach kurzem Zögern zugesagt. „Wir haben viel von früher übernommen – die Deko oder die Lasershow und weiterentwickelt und waren im vergangenen Jahr sehr zufrieden.

Und der Startschuss für dieses Jahr ist gefallen. Seit gestern ist der Campingbereich geöffnet und ab heute Mittag setzt die Musik und der über die Felder ziehende Bass ein. Um 22.30 Uhr erfolgt die offizielle Eröffnung samt weltbekannter Artistiktruppe und einer großen Überraschung: „Wir wollen zurück zu den Wurzeln und so wird die Vuuv nun auch wieder Voov heißen“, verrät Yediyar Isik dem „Prignitzer“ exklusiv. Bis Montag 6 Uhr sind auf zwei Bühnen durchgängig über 120 Künstler zu erleben. Hinzu runden Essenstände, Entspannungszelte verschiedene Workshops sowie Attraktionen wie eine beleuchtete Kugel, durch die die Welt als Lichtermeer erlebt werden kann, das Programm ab.

Und auch wenn mit 4000 Besuchern längst nicht mehr so viele Leute wie zu Hochzeiten kommen – damals waren es bis zu 20  000 – bleibt die Organisation immens. Auf einem neuen Gelände, am Rande eines Waldstücks warten 20  000 Quadratmeter auf die Feiernden. „Das hat auch mit Sicherheit zu tun, wir wollen, dass die Leute sich ausbreiten können und sind mit der neuen Location voll zufrieden“, so Isik. Etwa 20 Nationen sind bei der Durchführung involviert und seit acht Tagen im Einsatz. Etwa 1000 Tonnen Weg wurden ,geschottert‘, Feuerschutz gegraben, Löschwassertank aufgestellt und etwa 4,5 Kilometer Zaun gezogen. Zusätzlich wurden Wasserleitungen gelegt. „Bei der Hitze ist das unausweichlich und wir möchten auch, dass die Besucher hier umsonst trinken und duschen können“, so Isik.

„Im Anschluss an das Festival stehen die Abbauarbeiten und die Nachgespräche mit dem Amt an“, so Hannah Hoss, die ebenfalls zum Orga-Team gehört. Allgemein sei dem Putlitzer Amt nicht genug zu danken. „Ohne Ordnungsamtsleiter Jonel könnten wir das hier gar nicht realisieren. Wir haben hohe Auflagen und wollen selbst vor allem die Sicherheit der Menschen“, so Yediyar Isik

Etwas schmallippiger wird der Organisator, als er auf das Thema Drogenkonsum angesprochen wird. So wurde im vergangenen Jahr eine Frau wohl aufgrund von Amphetaminen, Methamphetaminen und Cannabis bewusstlos im Campingbereich gefunden und in eine Klinik gebracht. „Es gibt immer schwarze Schafe, aber die pauschalen Vorurteile sind falsch. Wir haben hier selbst 60 Securitykräfte und 20 Ordner und wenn ich jemanden mit so etwas erwischen sollte, fliegt er vom Gelände“, so Isik. Selbst bräuchte er lediglich den Tanz und die Musik, um in Trance zu kommen.

Auch wenn auf dem gesamten Gelände nur an einem Stand Alkohol ausgeschenkt würde, betont er, dass die Vuuv kein Familienfest sei. Auch aus diesem Grund sei der Eintritt erst ab 18 Jahren gestattet. „Wir wollen hier die Leute zusammenführen und auch die Menschen vor Ort einbinden, die hier immer willkommen sind.“ Damit auch für die Prignitzer die Voov mehr ist, als ein Ziehen in der Bauchregion, wenn der Bass einsetzt.

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