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Der Prignitzer

13. Dezember 2017 | 14:10 Uhr

Sie ebnet den Weg ins Berufsleben

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nach 25 Jahren bei der Arbeitsagentur in Perleberg geht Beraterin Karin Gresenz in den Ruhestand

von
erstellt am 13.Feb.2015 | 11:15 Uhr

Sie hat Schülern und deren Eltern den Weg ins Berufsleben geebnet. Seit 1988 arbeitet Karin Gresenz als Berufsberaterin. Zunächst für den Rat des Kreises Perleberg, seit 1990 für die Arbeitsagentur. Jetzt sucht Karin Gresenz selbst eine neue Orientierung: Zum 1. März geht die 65-Jährige in den Ruhestand. Redakteur Hanno Taufenbach spricht mit ihr über Hürden bei der Ausbildungssuche, über einen Wertewandel der Jugend und exotische Wünsche.

Frau Gresenz, Montag ist Ihr letzter Arbeitstag. Ist Ihr Schreibtisch schon aufgeräumt?

Karin Gresenz: Nein, nicht gänzlich. Ich nehme noch Termine wahr und verabschiede mich von Kollegen in Kyritz, Pritzwalk und natürlich hier in Perleberg.

1988 begannen Sie mit der Berufsberatung. Was ist der größte Unterschied bei der Ausbildungssuche zwischen der DDR und dem vereinten Deutschland?

In der DDR erhielt jeder Schulabgänger eine Bewerbungskarte mit der er sich einmal bei einem Betrieb bewerben konnte. Im Falle einer Ablehnung musste er sich eine neue Karte holen.

Heute bewerben sich viele Jugendliche bei mehreren Firmen und zum Teil für verschiedene Berufe gleichzeitig.

Wie erleben Sie die Schüler im Gespräch?

Ganz unterschiedlich. Manche haben konkrete Vorstellungen, andere haben gar keinen Plan.

Was sind die derzeit unbeliebtesten Branchen?

Das ist vor allem die Gastronomie. Die Jugendlichen wünschen sich normale Arbeitszeiten und keine Dienste am Wochenende oder an Feiertagen, es sei denn, sie brennen für diesen Beruf. Wer aber seine Lehrlinge gut behandelt, findet auch welche.

Ebenfalls unbeliebt ist im Handwerk die gesamte Baubranche.

Welche Jobs sind begehrt?

Abiturienten streben zunehmend ein duales Studium an, welches praxisorientiert ist. Allgemein ist es heute so, dass es mehr Lehrstellen als Bewerber gibt. Nur in Büro- und Verwaltungsberufen ist es noch umgekehrt.

Gibt es nach wie vor eine geschlechtstypische Berufswahl?

Die Grenzen verwischen sich. Jungen werden Erzieher, Mädchen wollen Mechaniker werden. Schwierig in solchen Fällen können die Rahmenbedingungen sein. Nur ein Beispiel: Ein weiblicher Lehrling braucht in der Werkstatt eine eigene Toilette, Umkleide und Duschraum. Das ist oft nicht vorhanden, müsste extra eingerichtet werden.

Mit welchen exotischen Traumberufen wurden Sie konfrontiert?

Manche kommen zu mir und wollen Schauspieler werden.

Was sagen Sie denen?

Auch ein Schauspieler fängt mal klein an. Ich nehme sie ernst und schaue, wie und wo sich so ein Wunsch umsetzen lässt.

Unternehmen klagen über eine immer schlechter werdende Ausbildung, Jugendlichen fehle Elementarwissen. Teilen Sie diese Meinung?

Das stimmt schon. Es hapert in der Rechtschreibung und teilweise auch in Mathematik. Die Jugend liest weniger, das macht das Verstehen von Texten schwieriger. Wir können ausbildungsbegleitende Hilfen anbieten, um Schwächen auszugleichen.

Die Jugend wird heute auch als Null-Bock-Generation bezeichnet. Was sagen Sie Bewerbern mit wenig Fleiß und miesen Noten?

Ich sage ihnen schonungslos die Wahrheit und frage, ob er so blöd sein will, eine gute Ausbildung zu verschenken oder ob er sich entscheidet, über sein künftiges Leben ernsthaft nachzudenken. Ich frage nach ihren Berufswünschen, zeige im Computer die Anforderungen der Betriebe und die Zahl der Bewerber auf diese Stelle. Manchmal bewirkt das Wunder.

Sie haben zwei Töchter, Ihr ältester Enkel ist 19 Jahre alt. Haben die Sie konsultiert und auf Ihren fachlichen Rat gehört?

Eine Tochter wollte Restaurantfachfrau werden, ich sah sie eher am Gymnasium, aber sie hat ihren Wunsch erfolgreich realisiert. Die zweite Tochter wollte Köchin werden, ich vermittelte ihr ein Praktikum und bat den Ausbilder, sie ganz hart zu fordern. Sie hat sich durchgesetzt und wurde Köchin.

An Ihrer Wand hängt ein Schild auf dem steht: Gibt es ein leben nach der Schule? Gibt es für Sie, Frau Gresenz, ein leben nach der Arbeit?

Ich habe sieben Enkel, fünf Geschwister und mehrere Hobbys wie das Backen. In wenigen Wochen werde ich ein Schokoladenseminar bei Lindt in der Schweiz machen.

Alles Gute für Sie!

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