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Der Prignitzer

25. September 2017 | 10:08 Uhr

Kreiskrankenhaus : Sie betreuen Sterbende

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ärztin Irina Krassov und Pfleger Mathias Kuhrmann sprechen über Möglichkeiten der Palliativmedizin

von
erstellt am 09.Mai.2014 | 12:00 Uhr

Morgen findet im Kreiskrankenhaus in Perleberg der 2. Hospiz- und Palliativtag statt. Im Vorfeld sprach Redakteur Hanno Taufenbach mit der Palliativärztin Irina Krassov und dem Pfleger Mathias Kuhrmann über die Möglichkeiten der Betreuung in der Klinik.

Frau Krassov, was bedeutet eigentlich Palliativmedizin?

Irina Krassow: Das ist eine aktive, ganzheitliche Behandlung für Patienten mit weit fortgeschrittenen Erkrankungen. Sie sind in der Regel austherapiert.

Das heißt, es sind sterbende Patienten.

Irina Krassov: So ist es, ihre Lebenserwartung ist begrenzt, ihre Erkrankung kann nicht geheilt werden und wird sich weiter verschlimmern.

Was sind die häufigsten Krankheiten Ihrer Palliativpatienten?

Irina Krassow: Es sind vor allem Krebspatienten, aber auch Leber- und Herzerkrankungen, manchmal Demenz, und einige Patienten haben mehrere Krankheiten.

Wenn die Krankheit nicht mehr behandelbar ist, was ist dann die Aufgabe der Palliativmedizin?

Irina Krassov: Das Lindern von Schmerzen und das Behandeln von Begleiterkrankungen wie zum Beispiel Erbrechen, Durchfall oder Entzündungen. Auch wenn es sterbende Menschen sind, wollen wir ihre Lebensqualität so gut wie möglich erhalten.

Mathias Kuhrmann: Wir betreuen sie auch psychisch, sprechen mit den Angehörigen. Palliativbetreuung ist komplex, daran wirkt ein ganzes Team mit.

Wer gehört noch zu diesem Team?

Mathias Kuhrmann: Unser Seelsorger im Haus, Physiotherapeuten, Ernährungsberater und Pfleger mit einer Zusatzausbildung.

Was lernt man in dieser?

Mathias Kuhrmann: Spezielle Pflegemethoden die schmerzärmer sind zum Beispiel.

Welche Rolle spielt die Ernährung bei der Behandlung?

Irina Krassov: Sie ist wichtig, die Patienten sollen kein Gewicht verlieren, leiden aber oft an Appetitlosigkeit oder können nicht richtig essen.

Wie gut lassen sich die Schmerzen behandeln?

Irina Krassov: Sehr gut, es gibt viele Möglichkeiten, sobald wir das richtige Mittel für die doch sehr unterschiedlichen Arten von Schmerzen gefunden haben. Wir können mit Tabletten, mit Tropfen oder Pflastern arbeiten. Auch Nasenspray und Lutschtabletten gibt es. Bei extremem Schmerzen kann über eine Pumpe permanent ein Mittel verabreicht werden.

Sterben die Patienten im Krankenhaus?

Irina Krassov: Einige ja, aber wir sind keine Pflegeeinrichtung und deshalb bemüht, die Patienten in eine Pflegeeinrichtung oder nach Hause zu entlassen. Viele möchten auch zu Hause sterben.

Für die Angehörigen ist das sicher eine belastende Situation.

Irina Krassov: Das stimmt. Gar nicht selten erfahren Patient und Angehörige erst durch uns, dass sie unheilbar krank sind. Das ist zunächst ein Schock. Aber wir lassen die Angehörigen nicht alleine, informieren sie über die Betreuung des Kranken, informieren die Hausärzte.

Viele wollen sicher wissen, wie viel Zeit ihnen noch bleibt. Kann man Prognosengeben?

Irina Krassov: Zeitangaben sind mit unserer Erfahrung möglich, aber auch wir können uns dabei täuschen. Manchen Patienten bleibt mehr Zeit, anderen weniger. Das hängt auch davon ab, wie der Körper auf Behandlungen anspricht, wie stark der Betroffene kämpft oder ob er aufgibt.

Was können Sie für die Patienten neben der medizinischen Betreuung machen?

Mathias Kuhrmann: Unsere drei Palliativzimmer sind schöner eingerichtet, haben unter anderem einen bequemen Sessel. Angehörige sind nicht an
die Besuchszeiten gebunden, können auch mit im Zimmer des Patienten schlafen.

Danke für das Gespräch. 

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