Zur 775-Jahrfeier von Perleberg : Sicherheit im Tunnelblick?

Das Musical „Linie 1“ war ein Erfolg. Zu den Landesmusikschultagen wird es ein weiteres Mal aufgeführt.
Das Musical „Linie 1“ war ein Erfolg. Zu den Landesmusikschultagen wird es ein weiteres Mal aufgeführt.

Siegward Engler übt schwere Kritik am Veranstaltungsort für das Musical. Stadt räumt Kompromisse hinsichtlich Toiletten und Klima ein

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03. Juli 2014, 12:00 Uhr

Was die Gymnasiasten gemeinsam mit der Kreismusikschule als Musical „Linie 1“ in Szene gesetzt haben, das war bühnenreif. Das sieht auch Siegward Engler, Dipl.Ing. und Planer i. R., so. Er kritisiert jedoch die Sicherheit, die aus seiner Sicht äußerst mangelhaft war. Sein Blick geht dabei in Richtung städtischer Behörden – die Stadt war Kooperationspartner –, Förderer und Veranstalter, in diesem Fall der Förderverein des Gottfried-Arnold-Gymnasiums. Engler wird konkret: Mit an die 400 Personen – Besucher und Mitwirkende – sei die Turnhalle der Rolandschule „baulich mehr als überfordert“ gewesen. Er beruft sich dabei auf die Versammlungsstättenverordnung Brandenburgs aus 2002.

„Die Halle war voll, bei der Bestuhlung haben wir aber streng darauf geachtet, dass die Sicherheitswege breiter als gefordert waren“, unterstreicht Gabriela Oltersdorf vom Vorstand des Fördervereins.

Zu wenige Toiletten, unzureichend die Belüftung, fehlende Sicherheitsbeleuchtung und selbstleuchtende Rettungswegkennzeichnung, setzt Siegward Engler die Auflistung der Mängel fort.

„Die Turnhalle ist nun mal kein Veranstaltungsraum. Alle Lüftungsklappen waren offen, mehr ging nicht“, hält Gabriela Oltersdorf dagegen, wohl wissend, dass man Kompromisse eingehen musste, wie bei den Toiletten. „Wir haben aber eigens das benachbarte Gymnasium geöffnet. Hier sind ausreichend Toiletten vorhanden, und das habe ich auch zu Veranstaltungsbeginn angesagt.“ Hinsichtlich nicht brennbarer bzw. schwer entflammbarer Vorhängen und Bühneneinbauten, die Siegward Engler ebenfalls anzweifelt, betont sie: „Alles war aus sogenannter B 1-Ware was für schwer entflammbar steht. Russische Lösungen, darauf hat sich der Techniker gar nicht eingelassen. Für uns als Verein bedeutete das Mehrausgaben, an denen aber im Interesse der Sicherheit zu keiner Zeit gerüttelt wurde“, so das Vorstandsmitglied.

Als absoluten Knackpunkt nennt Siegward Engler den Rettungsweg. „Es war nur einer für 350 Besucher frei zugänglich …. War hier der Tunnelblick vorhanden: Hauptsache Veranstaltung!? Es wäre interessant zu wissen, welche geprüfte Fachkraft (§ 30 VstVO ff.) das Gastspielprüfbuch mit ruhigem Gewissen unterschrieben hat.“ (Anm. d. Redaktion: Nur erforderlich bei ständiger Nutzung für Veranstaltungen, so das Ordnungsamt)

Die Stadt hätte bessere Spielorte gehabt und ein Open Air solche Probleme ausgeschlossen, betont Siegward Engler.

Der „Prignitzer“ konfrontiert damit auch die Stadt in persona von Ulrike Ziebell, zuständige Sachgebietsleiterin, und Thomas Kolbow vom Ordnungsamt. Man habe mit dem Förderverein eng zusammengearbeitet und mit einem Techniker sich an Ort und Stelle ein Bild u. a. auch über die Bestuhlung gemacht. Die Stadt räumte auch Zugeständnisse ein, wie zu den Toiletten und dem Klima. Doch der Förderverein habe nach Lösungen gesucht und wie bei den Toiletten Alternativen angeboten. Rettungswege, „da gab es extra noch einen weiteren durch die Garderobe der Jungen“. Und Gabriela Oltersdorf ergänzt: „Alles ist dort ebenerdig und es gibt große Fenster, die auch jederzeit geöffnet werden konnten.“ Security, Ordner und Sanitäter waren überall im Einsatz und untereinander über Funk in Kontakt, so dass im Fall der Fälle sofort reagiert werden hätte können, führt die Stadt weiter an.

„Sicher hat Perleberg andere Spielorte, die wir auch im Vorfeld geprüft haben“, so Ulrike Ziebell. Open Air wollte der Veranstalter nicht. Aus gutem Grund, wie Gabriela Oltersdorf plausibel macht. „Wir hätten eine überdachte Bühne für die Akteure einschließlich Orchester benötigt. Eine teure Angelegenheit.“ Für die Rolandhalle hatte man sich zu spät entschieden. Der „Deutsche Kaiser“ war ebenso besetzt und auch zu klein. „Andere Möglichkeiten gab es durch das Stadtfest nicht“, verdeutlicht die Sachgebietsleiterin.

„Wir haben uns wirklich Gedanken gemacht und nicht leichtfertig irgendwelche Entscheidungen getroffen“, unterstreicht Gabriela Oltersdorf, die gemeinsam mit Dorit Köhn die Projektleitung inne hatte. „Es gab nur eins: Entweder wir gehen besagte Kompromisse ein oder wir sagen ab.“ Und sie fügt an: „Es wäre doch ein Leichtes gewesen, mit uns zu reden. Und wenn dann so gravierende Mängel bestanden hätten, warum hat der Herr dann nicht schon bei der Veranstaltung sein Veto eingelegt?“


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