Kriminalitätsprävention : Sicherheit für das Zuhause

Wenn niemand zu Hause ist, kommt der Einbrecher.
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Wenn niemand zu Hause ist, kommt der Einbrecher.

Kriminalhauptkommissar Peter Habedank erklärt, welche Anforderungen Schlösser, Türen und Fensterbeschläge erfüllen müssen

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18. Februar 2014, 22:00 Uhr

Nur zwei Zeitangaben braucht Peter Habedank, um sich bei seinen Vorträgen zur Einbruchsicherheit Gehör zu verschaffen: „In Deutschland wird alle vier Minuten in ein Haus eingebrochen, wobei der Großteil der Einbrüche über Fenster und Türen erfolgt. Gut vorbereitete Diebe benötigen dabei fünf bis zehn Sekunden, um ein Fenster zu öffnen, wenn dieses nicht den gängigen Sicherheitsanforderungen entspricht“, sagt der Experte. Dabei sei nicht wie oft vermutet das Brecheisen das Mittel der Wahl, es reicht ein kräftiger Schraubendreher. „Das einzige Gesetz, das Einbrecher akzeptieren, ist das Hebelgesetz.“


Nach drei Minuten geben Einbrecher auf


Am Montag referierte Habedank auf Einladung im Ordnungsausschuss der Stadt Bad Wilsnack und gab Tipps, die alle Prignitzer vor ungebetenem Besuch schützen können. Es gibt im Wesentlichen zwei Varianten, wie Einbrecher in Wohnungen und Häuser kommen. Die Polizei differenziert in intelligente und brutale Einbruchmethoden. „Für erstere sind Spezialwerkzeuge, Sachkenntnis und eine gute Vorbereitung notwendig. Zweitere werden mit roher Gewalt begangen – beispielsweise dem Einwerfen von Scheiben oder Aufhebeln von Beschlägen“ erklärt Habedank. Bei den intelligenten Methoden stehe die Polizei meist vor dem Problem, dass am Tatort kaum Spuren gesichert werden können, was die Aufklärung erschwert.“

Allerdings, macht der Experte deutlich, geht es unabhängig von der Einbruchsmethode stets darum, die Entdeckungsgefahr für den Täter zu erhöhen und das Eindringen maximal zu verzögern. „Wenn der Einbrecher nach drei Minuten nicht drin ist, gibt er meist auf. Je größer der Widerstand, desto eher lässt er von seinem Vorhaben ab.

Richtige Einbruchsprävention bestehe stets aus zwei Stufen, die aufeinander aufbauen, erklärt Habedank. „Zuerst sind organisatorische Maßnahmen zu ergreifen – und die kosten nicht mal etwas. Es geht dabei schlicht darum, sich gewisse Verhaltensweisen anzugewöhnen, die es Einbrechern schwerer machen.“ So sollte man stets den Eindruck erwecken, dass jemand in der Wohnung ist. Für längere Zeit geschlossene Rolläden und Jalousien sowie überquellende Briefkästen deuteten auf Abwesenheit und Urlaub hin und sprächen Einbrecher ganz besonders an. „Eine günstige Zeitschaltuhr kann bei Abwesenheit am Abend das Licht ein- und ausschalten und so den Eindruck erwecken, dass jemand zuhause ist.“

Weitere „Gewohnheitssachen“ sind das korrekte Abschließen der Türen oder das Sichern von Einbruchswerkzeugen wie beispielsweise Leitern. „Ein Türschloss erfüllt seine Funktion nur, wenn es zweimal abgeschlossen wird, und ein Dieb, der ein angekipptes Fenster im ersten Obergeschoss sieht, nimmt die im Garten abgestellte Leiter gerne zu Hilfe“, sagt Habedank, der generell dafür plädiert, Fenster beim Verlassen des Hauses zu schließen.


Bauliche Maßnahmen bieten guten Schutz


Erst im zweiten Schritt kommen bauliche Maßnahmen in Betracht. Sicherheitstürblätter mit Rundumverriegelung sowie Schlösser mit Aufbohrschutz, Fensterbeschläge mit Pilzkopfverriegelung und einbruchhemmendes Glas. „Es nützt nichts, wenn der Fensterrahmen hält, die Scheibe aber mit einem Stein locker eingeworfen werden kann“, erklärt Habedank. Standard sollte hier eine P4a-Verglasung sein. Bei diesen Scheiben sind Folien mit eingeklebt, die das Glas stabiler machen. Eine Nachrüstung von Fensterrahmen auf die Pilzkopfverriegelung koste rund 150 Euro pro Fenster. „Das lohnt sich aber in jedem Fall, da diese mit Hebeln nicht zu öffnen sind. Wenn der Einbau neuer Fenster ansteht, sollten diese die Widerstandsklasse RC2 aufweisen, dann halten sie einem Einbruchsversuch mit leichtem Werkzeug stand“, sagt Habedank. Schließlich könne im Umfeld des Hauses Einbruchschutz betrieben werden. „Strahler mit Bewegungsmeldern oder eine schwache Dauerbeleuchtung in LED-Technik sind durchaus sinnvoll, denn sie erhöhen das Entdeckungsrisiko erheblich.“


Absolute Sicherheit bleibt ein Wunschtraum


Den Wunsch nach absoluter Sicherheit kann Peter Habedank zwar nachvollziehen, muss ihn aber relativieren. „Auch bauliche Maßnahmen garantieren keinen Einbruchschutz. Aus diesem Grund gehören zur Prävention auch Maßnahmen, um gegebenenfalls gestohlene Gegenstände wiederzufinden. Eine einfache Methode ist beispielsweise, sich eine Liste mit Wertgegenständen anzufertigen und deren Seriennummer zu notieren. So kann man zum einen der Versicherung gegenüber nachweisen, was gestohlen wurde, zum anderen können Polizisten, die Diebesgut sicherstellen, dieses dann gegebenenfalls dem rechtmäßigen Besitzer zuordnen.“ Die aktuellste Entwicklung diesbezüglich ist künstliche DNA, mit der Gegenstände markiert und zweifelsfrei identifiziert werden können.“

Für Mieter und Hauseigentümer bietet das Sachgebiet Prävention der Polizeiinspektion Prignitz kostenfreie und unabhängige Beratungen an. Dabei nehmen die Beamten Haus und Umgebung in Augenschein und empfehlen Maßnahmen, um die Sicherheit zu steigern. Die Präventionsexperten sind erreichbar unter Tel. 03876/7151080.


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