Sexuelle Belästigung: Vorwurf bleibt bestehen

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20. Juni 2012, 09:22 Uhr

Prignitz/Neuruppin | Die fristlose Kündigung des Leiters einer Beratungsstelle der Insolvenzhilfe Prignitz e. V. Dietmar Sch. bleibt in Kraft. Das Arbeitsgericht in Neuruppin fällte gestern kein Urteil, sondern will die Verhandlung am 16. Oktober fortsetzen.

"Wir haben das Gefühl, dass Sie mit der Zeit offensichtlich die für Ihren eigenen Schutz notwendige Sensibilität fehlen ließen" , sagte Richter Christhard Weiß gegenüber Dietmar Sch. Es geht um dessen fristlose Kündigung. Begründet wurde diese damit, dass er unterschlagen und Mitarbeiterinnen sexuell belästigt haben soll.

Im ersten Gütetermin im April dieses Jahres konnten sich der Verein und Dietmar Sch. nicht einigen. Auch gestern kam keine Einigung zustande. "Es gibt Erwartungen, dass die Sache hier durchgezogen wird", erteilte der Rechtsvertreter des Vereins dem Versuch des Richters eine Abfuhr, eine gütliche Einigung zu erzielen.

Das Gericht ging auf den Vorwurf der sexuellen Belästigung nicht näher ein. Das seien schwerwiegende Fälle, die der Arbeitgeber zu beweisen habe. Aus Sicht von Dietmar Sch. wurden diese Anschuldigungen in die Welt gesetzt, um ihn aus seiner Stelle zu drängen.

Intensiv beschäftigte sich Richter Weiß mit der Unterschlagung, dem zweiten Vorwurf, mit dem der Verein die fristlose Kündigung begründet. Demnach hat Dietmar Sch. auf Vereinskosten einen Computer mit Zubehör gekauft, der bei ihm Zuhause steht. Diesen hatte er bei seinem Sohn gekauft. Das ist unstrittig. Ebenso unstrittig ist, dass dieser Kauf im wirtschaftlichen Verfügungsrahmen von Sch. lag.

Aber Dietmar Sch. hat sich den Kauf weder durch den Vorstand absegnen lassen, noch ihn aktenkundig gemacht. "Wenn ich dienstlich einen Computer kaufe, der dann bei mir zu Hause steht, muss das aktenkundig sein", sagte Weiß. Handelsüblich seien die Preise auch nicht gewesen. Allein der Tower kostete 790 Euro. "Ich kaufe doch nicht bei meinem eigenen Sohn", so Richter Weiß.

Das stieß bei Dietmar Sch. auf absolutes Unverständnis. "Warum nicht?", fragte er. Ihm fehle die notwendige Sensibilität, hielt Richter Weiß den Angeklagten vor. Man müsse Privates und Dienstliches trennen, müsse unterscheiden, was geht und was nicht geht. Zudem sei Sch. als Vereinsmitglied für das Vereinsvermögen verantwortlich.

Dagegen hielt die Anwältin von Dietmar Sch. Die Existenz des Vereins sei mit ihrem Mandanten verbunden. Er habe in den vergangenen drei Jahren so viele Überstunden gemacht, für die ihm noch 10 000 Euro zustünden. Das eine hat aber aus juristischer Sicht nichts mit dem anderen zu tun. "Ich habe den Verein aufgebaut, geackert ohne Ende. Undank ist der Welt Lohn. So hört sich das an ", sagte Richter Weiß.

Der Prozess wird am 16. Oktober fortgesetzt.

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