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Der Prignitzer

22. November 2017 | 06:52 Uhr

Seniorenwohnungen werden künftig knapp

vom

svz.de von
erstellt am 15.Jul.2013 | 09:19 Uhr

Potsdam | Wenn das Treppensteigen schwerfällt und der Einstieg in die Badewanne fast unmöglich wird: In den kommenden Jahren werden immer mehr brandenburgische Senioren altersgerechte Wohnungen brauchen. Nach Ansicht des Infrastrukturministeriums wird der Bedarf das Angebot übersteigen. "Die uns bekannte Anzahl an barrierefreien Wohnungen ist nicht ausreichend", sagte Petra Dribbisch von der Presseabteilung. Im Rahmen der sozialen Wohnraumförderung seien von 1991 bis Ende 2012 rund 16 500 altersgerechte Wohnungen gebaut worden. Eine Gesamtzahl gibt es nicht. Der Anteil der Brandenburger, die 65 Jahre und älter sind, wird nach einer aktuellen Prognose des Pestel-Instituts in den kommenden zwölf Jahren auf 38,7 Prozent steigen. 811 000 Senioren werden dann zwischen Wittstock und Senftenberg leben. 2011 lag ihr Anteil noch bei rund 22 Prozent.

Der Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) gab an, dass etwa sieben Prozent der Wohnungen ihrer Brandenburger Mitgliedsunternehmen weitestgehend ohne Barrieren sind. Fast 50 Prozent der Wohnungsunternehmen im Land gehören zum BBU. Der Verband sieht momentan noch keine Engpässe bei Seniorenwohnungen. Sie würden schrittweise den Bedürfnissen der älteren Mieter angepasst, hieß es. Türschwellen würden entfernt und Aufzüge nachträglich eingebaut. Für Senioren seien vor allem zusätzlicher Service wichtig wie Freizeitangebote, Umzugshilfen, Freiwilligen-Netzwerke und Hausmeisterdienste.

Kommunen ganz unterschiedlich vorbereitet

"Rentner wollen nach Möglichkeit im Kiez bleiben, da haben sie ihren Arzt und ihre Einkaufsmöglichkeiten", sagte der Vorsitzende des Cottbuser Seniorenbeirats, Eberhard Karwinski von Karwin. "Von unseren 100 000 Einwohnern sind heute 30 000 älter als 60 Jahre, irgendwann wird ihr Anteil 35 Prozent betragen", rechnete er vor. In Mietshäusern gebe es nicht genügend Aufzüge und in den Wohnungen im Erd- oder ersten Obergeschoss seien kaum noch Wohnungen frei. "Die Probleme werden noch drastischer werden", warnte Karwinski von Karwin.

In Rathenow scheinen Engpässe noch in weiter Ferne zu liegen. "Wir haben einen sehr hohen Anteil an seniorengerechtem Wohnraum und können die älteren Mieter versorgen", sagte die Sachgebietsleiterin für Wohnungswesen, Petra Herbrich. Die Kommune biete eine Wohnberatung an. "Wir unterstützen die Senioren bei der Suche nach Handwerkern und bei Finanzierungsanträgen", erklärte Herbrich. Auch das Wohnumfeld werde zunehmend an die Bedürfnisse von Senioren angepasst: Es werden flache Wege und Sitzmöglichkeiten geschaffen, außerdem Balkone nachgerüstet, da ältere Menschen viel Zeit in der Wohnung verbringen.

Doch nicht alle Städte sind auf die Folgen des demografischen Wandels gut vorbereitet. "In fünf Jahren wird es Schwierigkeiten geben", schätzte Ilona Raatz, zuständig für Gebäudewesen und Städtebau in Perleberg. "Gerade in den Plattenbauten leben viele Senioren ganz oben und müssen ohne Aufzüge zurechtkommen." Obwohl es Fördermöglichkeiten vom Land gibt, hätten die Wohnungsunternehmen kaum etwas unternommen.

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